Pro & Kontra

Neue Spekulationen über alte Drachmen

Günther Oswald, 8. Mai 2011, 17:23

Griechenland kommt nicht zur Ruhe. Nach einem weiteren Krisentreffen wird nun über den Austritt aus dem Euro-Raum spekuliert. Was spricht dafür, was dagegen?

Wien/Luxemburg - An Dementis mangelt es nicht. Ein Euro-Austritt Griechenlands sei in keiner Weise diskutiert worden, betonten EU-Währungskommissar Olli Rehn und Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker in der Nacht auf Samstag nach einem von Spiegel Online öffentlich gemachten Geheimtreffen auf Château de Senningen in Luxemburg. Griechenlands Premier Giorgos Papandreou bezeichnete die Spekulationen "als fast schon kriminell". Intern wird dieses Szenario aber sehr wohl durchgerechnet, bestätigte ein Mitarbeiter von Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung. Vieles spricht gegen einen Austritt. Einiges auch dafür. Ein Überblick über die wichtigsten Pro- und Kontra-Argumente:

- Bankenpleiten: Gehen die Griechen zur Drachme zurück, müssten diese im Vergleich zum Euro abgewertet werden. Damit wären sämtliche Bankguthaben mit einem Schlag weniger wert. Das möchte natürlich jeder verhindern, es käme also zu einem Bankensturm. Heben alle ihre Euro-Guthaben ab, wären die Banken sofort pleite. "Kein Bankensystem der Welt könnte einen solchen Ansturm überleben", sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der deutschen Commerzbank.

- Schulden bleiben: Die bestehenden Schulden Griechenlands (340 Milliarden Euro) würden weiter in Euro notieren. In (abgewertete) Drachmen umgerechnet, würde sich der Schuldenstand also sogar erhöhen. Ein Euro-Austritt wäre folglich nur in Kombination mit einer Umschuldung Griechenlands denkbar.

- Folgepleiten: Können die Griechen Teile ihrer Schulden nicht bezahlen, müssten aber ausländische Banken (vor allem deutsche und französische) enorme Abschreibungen verbuchen. Als Folge könnten auch außerhalb Griechenlands neue Bankenrettungspakete nötig sein. Außerdem müsste die EU wohl unterstützend eingreifen, wenn das griechische Bankensystem kollabiert.

- Austritt unmöglich: Ein Austritt aus dem Euroraum bei gleichzeitigem Verbleib in der EU dürfte rechtlich nicht möglich sein, schrieb Phoebus Athanassiou, Jurist der Europäischen Zentralbank, in einem Fachartikel. Griechenland müsste also auch die EU verlassen, wodurch wiederum weitere Hilfsmaßnahmen der EU-Länder kaum argumentierbar wären.

- Politisches Projekt gescheitert: Gleichzeitig wäre der Austritt aus der EU das Eingeständnis, dass das europäische Einigungsprojekt gescheitert ist.

+ Kleineres Übel: Wird die Drachme beispielsweise um 30 Prozent abgewertet, würde sich die Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands drastisch verbessern. Griechische Exportgüter würden durch die Abwertung im Ausland attraktiver. Zieht die Wirtschaft wieder an, würden sich in der Folge auch die Steuereinnahmen erhöhen. Die vorhersehbaren Bankpleiten seien mithilfe der EU bewältigbar, meint der deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn. Versuche man - wie jetzt - die Wettbewerbsfähigkeit über niedrigere Löhne und Preise herzustellen, führe das aber zusätzlich zu Pleiten in der Realwirtschaft. Diese könnten mit dem Währungswechsel vermieden werden. "Der Austritt aus dem Euro wäre das kleinere Übel", glaubt Sinn.

+ Mehr Tempo: Mit den beschlossenen Sparmaßnahmen kommt Griechenland nur sehr langsam aus der Krise. 2010 lag das Defizit wieder bei über zehn Prozent. Man könne aber nicht, wie Deutschland nach der Wiedervereinigung, 15 Jahre warten, um wettbewerbsfähig zu sein, meint US-Starökonom Nouriel Roubini.

+ Andere treten aus: Man könnte das Spiel freilich auch umdrehen. Nicht Griechenland, sondern wirtschaftlich erfolgreiche Länder wie Deutschland oder Österreich treten aus und gründen einen "Nord-Euro". Dafür plädiert der frühere Präsident des Bundes der Deutschen Industrie, Hans-Olaf-Henkel, im Profil. Die Nordländer hätten mit weniger Inflation zu kämpfen und müssten nicht für die Südländer haften. Da der Euro mit dem Austritt dieser Länder abwerten würde, hätten die Südländer wieder eine Chance zu wachsen, meint Henkel. (Günther Oswald,  DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.5.2011)

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you are not alone
03
wir überlassen

Griechenland den EURO und überlegen uns (mit ein paar anderen zusammen) eine neue Währung.

Die beste Alternative für uns wäre wohl ein Währungsverbund mit der Schweiz (Alpendollar).

Solidarität sollte keine Einbahnstrasse sein.

Groesus
02
wieso?

Wieso kassiert man nicht einfach mal da ab, wo die Schulden entstanden sind? Bei den paar Leuten, die den Staat als Selbstbedienungsladen ansehen?
Wieso gibt es für Manager und ihresgleichen nicht strafrechtliche Konsequenzen. Wenn ich als kleiner Ein-Mann Betrieb was verhau, muss ich die Konsequenzen selbst tragen. Die Banken tun's im großen Stil und was passiert? Die Steuerzahler müssen herhalten. A bisserl a verkehrte Welt is des schon!!

robinsons freitag
03
Hätte man sich damals um Griechenlands Eurobeitritt statt um die Sanktionen gegen Ö gekümmert...

Dreistein
 
00

Sie haben irgendwie recht, in einem sehr entscheidenen Punkt aber nicht.

Als Griechenland in die Währungsunion aufgenommen wurde, war ein gewisser Karl Heinz Grasser, seines Zeichens FPÖ Minister für Finanzen jener Mann, der sich querlegen und alles verhindern hätte können. Er hat das aber genauso wenig getan wie alle anderen Währungsunionsminister, die wie die Lemminge sich und die ganze Bevölkerung ins Unglück gestürzt haben.

Dem Grasser war und ist das aber ziemlich egal, weil er in seinem Ministeramt ohnedies nur mit krimineller Energie in die eigene Tasche gearbeitet hat.

HHB
01

Ich bin sicher kein Freund von diesem Herrn, aber ich hätte gerne Ihre Reaktion gesehen, wenn er damals genaus das gemacht hätte.

hungrybear
02
Na fein !

Retten wir wieder mal jemanden ! wie schon zuvor die Banken, die Griechen, Herrn Martin, Herrn Grasser, die OEBB, die Iren, die ASFINAG, den Flughafen, die AUA, .... Vielleicht kriegen wir ja alle das Bundesverdienstkreuz aus Blech ;-)

friesfux
04
Griechenlands Premier Giorgos Papandreou bezeichnete die Spekulationen "als fast schon kriminell". Intern wird dieses Szenario aber sehr wohl durchgerechnet

Kriminell ist es wenn Österreich weitere Milliarden überweist .Deswegen sage ich "Genug gezahlt"

http://www.genuggezahlt.at/

proteus
01
Bravo!

Auch wenn es eine BZÖ-Initiative ist, wenigstens eine Partei tut was!

GRohnePunkte
16
Die EU verkraftet nicht einmal Griechenland ...

... und will sich jetzt die Türkei auch noch dazuladen.

Dabei hätte man so viel aus dem "Turmbau zu Babel" lernen und erfahren können. Unsere Vorfahren hatten uns schon genau erklärt, dass kleine Gruppen und gute Ideen sehr sinnvoll und positiv sind, während eine zu große und zu unterschiedliche Gruppe diese gute Idee pervertiert und einen Scherbenhaufen, Streit und Hader zurücklässt. Die Menschen sind immer zu großmütig um aus den Warnungen unserer Vorfahren, die das alles schon in ähnlicher Weise früher erlebt hatten, rechtzeitig ihre Lehren zu ziehen.

nasserfetzn
02

es geht um wirtschaftswachstum. dieser götze wird alles geopfert (als konsequenz aus dem schulden- und zins-basierten system..ergo dem derzeitigen kapitalismus).
bis es nicht mehr weitergeht. das wird spätestens dann geschehen, wenn ressourcen zur neige gehen.
dann kracht das ganze system in sich zusammen. der ganze schöne turm, wenn du so willst.
man muss sich jedoch fragen, ob wir darauf vorbereitet sind...
wenn die verunsicherer mal verunsichert sind, dann schaut's finster aus. dann sitzen die neben dem sessel. wird noch spannend. und hoffentlich friedlich...

proteus
00
Es geht um Bestechungsgelder, Versorgungsposten in EU / UN und die Karrierechancen nach der Politik.

Wirtschaftswachstum gäbe es auch ohne Türkeibeitritt, nur könnte unsere "politische Elite" dabei nicht so fein mitschneiden.

rtptv
00

das war ja auch der griund dder osterweiterung neben dem amerikanischen imperialistischen raketenschirm natürlich

ich glaub, dich tritt ein Pferd
00
Gut,

dass Spekulationen zu eventuellen Maßnahmen schon "fast kriminell" sind...Wie wärs wenn einmal die Spekulationen, die für diese Umstände sicher mitverantwortlich, sind mit ähnlicher Schärfe verurteilt würden?

01052004
12
frage:

hat griechenland denn eigentlich schon seine enormen militärausgaben zusammengestrichen, oder erlauben ds die deutschen nicht???

und was sagt eigetnlich die griechische bevölkerung zu euro via drachme???

(nebenbei: verlieren tun ja in großem maße eh nur die banken - ihre gewinne und die manager ihre boni...warum also kein "schuldenregulierungsverfahren" ??? weil der stolz der ezb verletzt wäre??? weil sich "die eu" endgültig als verwaltungssüchtiger handlanger von banken und konzernen outen müßte???)

und was kommt nach griechenland??? es sind ja alle euro-staaten ziemlich bankrott...

alissa2010
00
das nennt man chuzpah...

www.ortneronline.at/?p=7780

Markus1975
02
und wieder stellt sich heraus

dass der Rettungsversuch in dieser Form keinen Sinn macht. Das Sparguthaben darf natürlich nicht entwertet werden. Wozu gibt und gab es Umrechnungskurse. Bei einem Verlust wäre doch der Euro ein Teuro !!! Und nicht den Banken muss das Geld zukommen, sondern den Bürgern, denn anders ist es unmöglich die Wirtschaft anzukurbeln, bin mal gespannt, wann das endlich realisiert wird. Und ohhhh welch Überraschung ... Griechenland kann die Schulden nicht bedienen ... und dann werden auch noch die Iren und die Portugiesen kommen ... lasst doch endlich die Banken pleite gehen, die Einlagen allerdings müssten gesichert bleiben ... zumindest bis zu eine gewissen Höhe auch ohne Verluste ...

Dreistein
 
00

Wie sollen die Banken pleite gehen dürfen, ohne dabei die Spareinlagen anzugreifen? Dann müssten ja wieder die Staaten eingreifen! Was Sie da verlangen ist die Quadratur des Kreises.

discodancer77
00
Gr sollte von GB lernen

GB zeigt erfolgreich vor wie man nichts leisten kann (siehe Handelsbilanz) und erfolgreich Gelddrückt. (siehe Verschuldung)

Komischerweise hört man nicht viel schlechtes aus GB ..

Ivan Bukov
00

Nachdem die Handelsbilanz nur ein Teil der Story (sie haben ja auch eine Kapitalbilanz) sind ihre Schlussfolgerungen etwas mager. Glauben sie wirklich dass ein Land nur mit Guetern Kapital anzhiehen kann? Extrem positive Handelsbilanzen sind nichteinmal wuenschenswert (was ist wenn die Forderungen nicht beglichen werden?). Das britische Wirtschaftsmodell funktioniert eben anders.

you_are_sure
01
Griechen fordern mehr Geld!!!

Darüber hinaus v e r l a n g t die Regierung eine Lockerung der harten Sparmaßnahmen, weil diese das Wirtschaftswachstum zu stark belasten würden. Griechenland wolle seine Neuverschuldung nicht wie geplant bis zum Jahr 2014 auf die in der Euro-Zone vorgeschriebenen drei Prozent der Wirtschaftsleistung senken, sondern fordere zwei Jahre Aufschub.

http://www.welt.de/print/wel... -Geld.html

stefanna
01
...war ja wohl klar.....

...jeder mit hausverstand hat es kapiert. es sind lediglich die politiker die teils aus eitelkeit, teils aus machtbestreben den bürgern dieser europäischen "union" dieses desaster aufgebürdet haben.

griechenland kann seine zinsen und den kredit schon gar nicht bezahlen.....
weder in der bisher festgelegten frist, und mit 2 jahren verlängerung auch nicht.

bei portugal, spanien und italien wird es auch nicht viel anders verlaufen, sollte es die eu dann überhaupt noch geben.

per verser
36

es reicht. keinen cent mehr für die griechen, irgendwann muß schluß sein. die ruinieren uns ja.

T. Lurker
40
Liebe/r Perverse/r

Das ist das Formum des Online Standard. Nicht das der Krone !!!

dasBeobachter.blogspot.com
00
Geht doch viel einfacher: Man stetzt bei Griechenland die selben Kriterien an, wie beim Rating vom UK.

sobald Griechenland AAA hat, schluckt es auch wieder die zinsenlast.
so, wie Großbritannien...

ach so: griechenland ist ja euroland und der euro muss weich gemacht werden...

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