Mit der Spielkonsole auf die Jagd gehen - Bedenklich?

7. Mai 2011, 13:00
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Ein neues Computerspiel bietet zur Steuerung auch ein zielgenaues Plastikgewehr an

Ein gereizter Löwe ist nicht ungefährlich. Fein, wenn man da sein Jagdgewehr dabeihat, um ihn erschießen zu können. Dass man das aber auch virtuell im Wohnzimmer machen kann, beunruhigt manche - denn die Technik wird immer realistischer.

"Cabela's Dangerous Hunts 2011" heißt ein neues Spiel des US-Computerspieleherstellers Activision. Ziel ist es, Tiere wie Bären, Geparden oder Nashörner zu töten. Das Besondere: Mit dem Game erhält man "Top Shot Elite", ein Plastikgewehr samt Zielfernrohr, das wie eine Pumpgun bedient werden kann. Verwendet wird sie bei den Konsolen Xbox 360 und Playstation 3 mit einer Infrarotkamera, die sehr genaues Zielen und Feuern ermöglicht.

Realistischer

Feuerwaffen und Computerspiele sind keine neue Kombination. Schon in Spielsalons hatte man die Möglichkeit, das Pistolero-Gefühl zu erleben.

Allerdings ist in diesem Fall die Sache etwas anders gelagert, meint Herbert Rosenstingl, der im Familienministerium für die Positivprädikatisierung von Computerspielen zuständig ist. "Bisher gab es eine mangelnde Qualität der Bewegungskontrolle, das Spielerlebnis wurde zwar intensiver, war aber nie realistisch. Man hatte nie das Gefühl, eine Waffe in der Hand zu haben", sagt er. "Das hat sich durch bessere Technologie aber verändert, und da bin ich vorsichtiger."

Problematisch?

Denn es könnte möglicherweise Folgen für sogenannte High-Risk- Spieler haben - also für solche, bei denen Computerspiele als ein Mosaiksteinchen zu Gewalt beitragen können. "Bisher waren beispielsweise Ego-Shooter (Spiele, bei denen man aus der Eigenperspektive kämpft, Anm.) eben nur eine Anregung. Gefährdete sind dann zu Waffenübungen in den Wald oder in den Schützenkeller gegangen", meint Rosenstingl. "Ich teile aber die Sorge, dass das nicht mehr so nötig sein könnte, wenn das Spielgewehr realistischer wird."

Bei der deutschen Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle, einem Gremium, bei dem unabhängige Experten über die Alterseinstufungen entscheiden, sieht man die Angelegenheit differenziert. "Die Art und Weise, wie ein Spiel gespielt wird, ist nur ein Aspekt von vielen bei der Bewertung des gesamten Spiels", sagt Geschäftsführer Felix Falk. "Ein Controller in Form einer Waffe wird in jedem Fall vom Prüfgremium diskutiert. Bei der Einstufung kommt es dann auch darauf an, wie hoch ein mögliches Identifikationspotential ist", meint er. "Dangerous Hunts" darf in Deutschland ab 16 Jahren gespielt werden.

Nachladen zu Weihnachten

Bisher ist das Jagdspiel, das übrigens nach einem der größten US-Händler für Jagdutensilien von Gewehren bis zu Tarnkleidung benannt ist, das einzige für das Gewehr. Allerdings: Auf der Verpackung wird versprochen, dass zu Weihnachten 2011 mehr Spiele verfügbar sein werden.

Ob darunter auch welche sind, bei denen man auf Menschen schießt, konnte man bei der PR-Agentur von Activision nicht sagen. "Da müssen sie beim Unternehmen selbst nachfragen", heißt es. Dort reagierte man bis Redaktionsschluss nicht auf eine Anfrage. Vorgebaut hat man in den beigefügten Warnhinweisen: "Die Zurschaustellung dieses Produktes in der Öffentlichkeit kann zu Missverständnissen führen und ist verboten", findet sich dort. (Michael Möseneder, DER STANDARD/Printausgabe, 7.5.2011)

  • Das Jagdgewehr für die Spielkonsole
    foto: standard/cremer

    Das Jagdgewehr für die Spielkonsole

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