Das Café Hawelka des Silicon Valley

7. Mai 2011, 12:48
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    Memorabilia statt Gemälde, Jungunternehmer statt Künstler: Jamis MacNivens Buck's Cafe ist der Hotspot im

In Buck's Cafe wurde so manches Start-up aus der Taufe gehoben - gilt immer noch als informelles Konjunkturbarometer

Für die aufgeräumt-reiche Ortschaft Woodside, nur einen Katzensprung von der Elite-Uni Stanford und der Venture-Capital-Meile Sand Hill Road entfernt, ist Buck's Cafe ein ebenso unprätentiöser wie exzentrischer Treffpunkt. Die schlichte Fassade ist mit Redwood vertäfelt, drinnen baumeln Memorabilia von der Decke - ein riesiger Zeppelin, ausgestopfte Plastikfische, eine Freiheitsstatue mit Eisstanitzel statt Fackel und ein Sessel, auf den Jamis MacNiven besonders stolz ist: "Darauf hat Ham, der Schimpanse, für seinen Weltraumflug trainiert", erzählt der Cafébesitzer mit dem übergroßen Hawaiihemd und noch breiterem Lachen, während er sich von einem Tisch zum nächsten weiterarbeitet.

Caffè Latte statt Melange und Woodsider-Omelette statt Buchteln: Es ist Montagmorgen, und das Buck's platzt aus allen Nähten. Die Gäste hocken vor ihren Laptops und iPhones. "Das gehört sich auch so", sagt MacNiven, "immerhin waren wir der erste Wi-Fi-Hotspot der USA." Aber nicht nur das. Im Buck's hat so manche große Internet-Erfolgsstory begonnen. Die Gründer von Netscape, Paypal und Yahoo hielten hier Anfang der 90er-Jahre ihre Meetings ab. An Tisch 15 bekam ein Jungspund namens Sabeer Bathia das Startgeld für seinen E-Mail-Service Hotmail, den er später für 400 Mio. Dollar an Microsoft verkaufte.

Risikofinanziers und Jungunternehmer

Bis heute treffen sich Risikofinanziers und Jungunternehmer im Buck's zum Power-Frühstück. Und immer noch greifen sie zu den Papierservietten. Allerdings werden darauf keine Verträge mehr unterschrieben, wie das in den wilden Zeiten üblich war. Schnelle Zusagen für Startkapital sind rar geworden. Zu präsent ist die Erinnerung an die Krisen der vergangenen Jahre. Zuerst platzte die Dotcom-Blase, dann brach der Immobilienmarkt zusammen. Die Häuserpreise im Silicon Valley sind fast um ein Drittel gesunken.

Und doch sieht MacNiven zum ersten Mal seit langem wieder Licht am Ende des Tunnels: "Es ist nach neun Uhr und wir sind immer noch voll besetzt, das ist ein gutes Zeichen", sagt der Wirt. Auch Stammgast Dave Coglizer, der in grüne Energie investiert, verbreitet Zuversicht. "Dieses erdrückende Angstgefühl, das es noch vor einem Jahr gab, ist verschwunden", sagt er, "die Leute sind wieder dynamischer, ich sehe großartige Business-Pläne."

Konjunkturbarometer

Ein Kaffeehaus als Konjunkturbarometer? So informell die Beobachtungen im Buck's auch sind, sie entsprechen der Realität. Es geht wieder aufwärts im Valley. 2010 war für die 150 wichtigsten Unternehmen des kalifornischen Hightech-Mekkas das profitabelste Jahr ihrer Geschichte. Auch auf dem Sekundärmarkt ist die Zeit der Megabewertungen zurück: Facebook ist über 70 Milliarden Dollar wert, der Kurznachrichtendienst Twitter zehn Milliarden.

Allerdings fehlt im Vergleich zum Dotcom-Hype der Jahrtausendwende ein zentrales Element: Die meisten der neuen Überfliegerfirmen finanzieren sich aus privaten Investorengeldern. Daraus erklärt sich auch, dass die Beschäftigungsrate dem Boom im Silicon Valley weiter hinterherhinkt. Die Arbeitslosenquote beträgt 10,6 Prozent. Beobachter erwarten, dass sie erst dann signifikant sinken wird, wenn die Anzahl der Börsengänge wieder zulegt. Frisch an der Börse notierte Unternehmen schaffen die weitaus meisten Stellen.

Nur das Teuerste bestellen

"Jammer nicht, bestell lieber das Teuerste auf der Karte", stutzt MacNiven einen jungen Gast zusammen, der frech "Okay, aber dann bring mir diesmal bitte ein essbares Steak" antwortet. "Selber okay, ich mach dir sofort eine Konserve auf", kontert der Wirt lauter, als nötig wäre. An den Nebentischen bricht lautes Gelächter aus. Bei Buck's schlägt nicht nur der Puls, sondern auch das Herz des Silicon Valley. Für viele ist dieses Kaffeehaus ein sicherer Hafen in allen Zeiten.

Das ist MacNiven zu verdanken, der nie den Mut verliert und sich selber ständig neu erfindet. Vor seiner Wirtskarriere schlug er sich als mittelloser Künstler in New York durch, bereiste das Land als Melkmaschinenvertreter und versuchte sich als Bauunternehmer. "Ich habe sicher noch zwei weitere Karrieren in mir, im Moment versuche ich herauszufinden, welche", witzelt er. Zum ersten Mal tritt er jetzt im Juni als Redner bei der Münchener TEDx-Ideenkonferenz auf. Sein Thema: "Bucks, das Offline-Netzwerk im Silicon Valley". (Beatrice Uerlings aus Woodside, DER STANDARD/Printausgabe, 7.5.2011)

 

Multivac, 2010-18-42, Donnerstag
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dope-hauptlager? *ggg*

Fabian K.
01
Was genau ist diese geplatze "Dotcom-Blase"?

Kann mir das einer in kurzen und verständlichen Sätzen erklären?

Hab manchmal das Gefühl, dass auch viele Journalisten dieses Wortgebilde gerne benutzen, um ihre Beiträge "seriöser" klingen zu lassen, ohne selber genau definieren zu können, was damit gemeint ist... Zumindest klingen viele Artikel im Netz danach.

Bitte um Aufklärung! ;)

Meridian
01

vor ca. 10 jahren gab es goldgräberstimmung im internetbereich. da reichten oft schon drei frische uni-absolventen , ein kleines büro und eine abstruse idee für einen börsengang. resultat war eine unzahl an überbewerteten unternehmen.

Herman Toothrot
00

und ein massiver crash, nach dem die vielen kleinen start-ups mitsamt arbeitsplätzen und investierter kohle wieder weg waren

Cupertino Rotten Fruit Marketing
 
12
Was hat dieses Lokal mit dem schmudelligen Hawelka zu tun?

Tarantulla
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Genauso viel wie der CIA mit Facebook...

... haben sollte. Leider hat Julian Assange herausgefunden, dass Facebook seine Scheunentore für Obamas Heimatschützer sperrangelweit geöffnet hat. In seinem Video-Interview geht es zur Sache.

http://www.doppelklicker.de/Julian_As... 704.0.html

Standardnormalverteilung
10

Thema verfehlt.
Setzen, fünf.

entenfutallesgut
15
Die Autorin war noch nie im Hawelka

anders läßt sich der frevelhafte Vergleich mit dieser Ramschhütte nicht erklären :)

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