Rechtswissenschafterin Zerbes

"Es geht um die Bekämpfung sozialer Unruhe"

6. Mai 2011, 21:39
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    foto: der standard/christian fischer

    Betrachtet Paragraf 278a als Ausdruck einer "uralten, aber höchst aktuellen Angst" : Ingeborg Zerbes.

Für die Rechtswissenschafterin Ingeborg Zerbes steht der Prozess in einer Tradition der Verfolgung oppositioneller Gruppen

Standard: Der Freispruch aller Beschuldigten vom Vorwurf der kriminellen Organisation und von allen weiteren Vorwürfen beim Tierschützerprozess hat Beobachter überrascht. Sie auch?

Zerbes: Nein, denn mir ist in Österreich seit Einführung der 278er-Bestimmungen 1993 keine Verurteilung nach diesem Paragrafen bekannt, ohne dass den Beschuldigten nicht auch Übergriffe im engeren Sinn, etwa Sachbeschädigungen oder Nötigungen, nachgewiesen worden wären.

Standard: Warum das?

Zerbes: Weil Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation - etwa der Mafia - in der Regel mit der Begehung von Straftaten für die Organisation Hand in Hand geht und nach den diesbezüglichen Bestimmungen bestraft werden kann. Die Straftatbestände gegen kriminelle und terroristische Organisationen hingegen sind im Grunde nicht dazu da, um Personen zu verurteilen, sondern um strafrechtlich möglichst früh und ausgedehnt ermitteln zu können.

Standard: Für die Ermittlungen gegen Tierschützer wurde sogar eine eigene Sonderkommission (Soko) der Polizei gegründet. Wie kann es sein, dass trotz jahrelangen Nachforschens bei Einzelvorwürfen wie etwa der Verfolgung von KleiderBauer-Mitarbeitern anscheinend nichts beweisbar ist?

Zerbes: Das verstehe ich auch nicht. Ich frage mich, ob die Mittel richtig eingesetzt worden sind. Gegen Modehausmitarbeiter-Verfolgungen wäre es zum Beispiel weit effizienter gewesen, statt verdeckter Ermittlerinnen ganz offen Polizisten einzusetzen. Identitätskontrollen und Verwarnungen sind in solchen Fällen erfahrungsgemäß höchst wirksam.

Standard: Trotz der offenbar lückenhaften Beweislage hat die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt 278a-Anklage eröffnet. War das ein Schuss ins eigene Knie?

Zerbes: Ich nehme vielmehr an, dass dadurch ein superteures Ermittlungsverfahren gerechtfertigt werden sollte: ein Ermittlungsverfahren, im Zuge dessen man mit den Mitteln des Strafrechts Gefahrenabwehr betrieben hat. So ist ein strafrechtlicher Anklagedruck entstanden, eine Dynamik in Richtung Kriminalisierung. Doch das Strafrecht ist nicht zur Gefahrenabwehr, sondern zur Aufarbeitung strafwürdiger Rechtsverletzungen da.

Standard: Derzeit stehen in Wien Studierende wegen eines Abschiebevideos unter Terrorverdacht. Ein weiteres Beispiel dieser Kriminalisierungsdynamik?

Zerbes: Durchaus denkbar, denn die 278er-Paragrafen ermöglichen Gefahrenabwehr gegen unliebsame Gruppen. Das geschieht derzeit in der westlichen Welt, überall sind diese Bestimmungen missbrauchbare Instrumente - Österreich ist also nicht allein. Man erinnere sich etwa an die Ermittlungen gegen Hells Angels in der Schweiz und Deutschland.

Standard: In Deutschland wurden bereits im 19. Jahrhundert Sozialisten und Sozialdemokraten durch Paragrafen gegen Vorbereitungsdelikte verfolgt. Sind das historische Paragraf-278-Vorläufer?

Zerbes: Nicht allein sie, denn der Ansatz ist beträchtlich älter. Es geht um die Bekämpfung sozialer Unruhe durch die Verfolgung unliebsamer Gruppen, wobei diese Gruppen durchaus auch gewalttätig und gefährlich sein können. Ähnliche Bestimmungen wurden im Russland des 19. Jahrhunderts gegen Anarchisten, im österreichischen Ständestaat gegen Linke und Nationalsozialisten, nach 1945 im Westen gegen Kommunisten und jetzt gegen Islamisten, aber auch andere unliebsame Gruppen verwendet. Wichtig dabei ist: Die Gruppe wird als Subkultur, als Untergrund, als Parallelgesellschaft definiert. In Paragraf 278a kommt dies durch den Begriff "unternehmensähnlich" zum Ausdruck, der ein Definitionsmerkmal für mafiöse Gruppen ist.

Standard: Das erinnert irgendwie an Dr. Mabuse.

Zerbes: Eben, sogar in literarischen Sujets hat diese uralte, aber höchst aktuelle Angst Ausdruck gefunden.

Standard: Wo liegt der Ausweg?

Zerbes: Ich persönlich meine, dass man auf Bestimmungen gegen Vorbereitungsdelikte verzichten könnte. Da dies aber international nicht durchsetzbar ist, rege ich in Österreich eine Novelle an. Als Vorbild könnte die Schweizer Regelung dienen, die die Geheimhaltung als zentrales Erkennungszeichen einer kriminellen Organisation definiert und außerdem auf das Ziel einschränkt, Gewaltdelikte zu begehen oder sich zu bereichern. Die Tierschützer wären so wohl nicht ins Visier geraten. (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 7./8. Mai 2011)

Zur Person

Ingeborg Zerbes stammt aus Wien und ist Professorin am Institut für Strafrecht an der Universität Wien. Sie war als Rechtswissenschafterin in der Schweiz und in Deutschland tätig. Sie ist Autorin des Buches "Spitzeln, Spähen, Spionieren - Sprengung strafprozessualer Grenzen durch geheime Zugriffe auf Kommunikation" .

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itavalda
18

Vorbild könnte die Schweizer Regelung dienen, die die Geheimhaltung als zentrales Erkennungszeichen einer kriminellen Organisation definiert und außerdem auf das Ziel einschränkt, ................... oder sich zu bereichern.
Dh gegen den CV könnte aus aktuellem Anlass jederzeit ermittelt werden ? Also Frau Jusizminister was hält sie noch auf ?

bbbbbbb
03
Die außeparlamentarische Opposition

ist dem Terror gleichzusezen! Das steht im Eu-Vrtr. Die Boutles Groupes sind bei sozialen Unruhen Eu-weit einsetzbar.........
Was wurde aus dem Linzer geschiedenen Vater der im Internet Gleichgesinnte suchte ( Väter denen man den Umgang mit ihren Kindern verbietet)
Auch er wurde nach dem Mafia-Paragraphen angeklagt?!

Um der Wahrheit die Ehre zu geben ...
16

Wir brauchen Methoden und Verfahren, um mit dem Problem der Justizkriminalität in Österreich, zu dem sich jeder sein eigenes Urteil bilden soll, fertig zu werden.

Auch in D kommt ähnliches vor, man muß derartiges offenbar auf die Ebene der EU-Gerichtsbarkeit bringen, damit Dauerdruck entfacht werden kann. Eine österreichisches Krähe hackt einer anderen kein Auge aus. vgl.
http://www.medrum.de/content/j... -ihr-haupt

Briefmarkenkleber
241
wie verrannt ist dieses blättchen? täglich neue tierschützer-belanglosigkeiten?

Valentina Stein
17
Tragischerweise erkennen Leute wie du nicht,

dass es hier nicht um TierschützerInnen, sondern um JEDER EINZELNER, somit auch deine, Grundrechte geht.

2023
60

naja, derart marginal, dass es auch mich eigentlich nicht kümmert.

Alpensaga_Wurzel
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"Für die Rechtswissenschafterin Ingeborg Zerbes steht der Prozess in einer Tradition der Verfolgung oppositioneller Gruppen"

Was für eine schwachsinnige Unterstellung.

eagle13
 
013
Hr. Metternicht es gibt sie noch? Selbstverständlich ist dies eine Maßnahme der Einschüchterung der Bevölkerung um soziale Unruhen dann halt nicht erst mit Panzern und Truppen niederrollen zu lassen.

Valentina Stein
07
Wobei das System, wie auch hier tragisch ersichtlich,

erfolgreich dafür gesorgt hat, dass der Masse der Geist für das Erkennen dieser Fakten, das Verstehen der ureigensten Betroffenheit fehlt.

Europa geht pleite, wer geht mit?
 
02
Was in Österreich auch kaum möglich wäre-

bei diesem Heer......

Zum Glück!

Regis 1
112
Was für eine schwachsinnige Unterstellung.

lernen's geschichte (bruno kreisky)

Freund der kärntner Fandangos grandes (ex Foromat)
21

Off topic: Sie wissen aber, dass Kreisky bei seiner Aussage damals massiv unrecht hatte.

Allen Kreisky zitierern sei dieser Artikel ans Herz gelegt:

http://diepresse.com/home/kult... r-Reporter

Regis 1
02
off topic

ja, ich kann mich sogar noch an diese sendung erinnern .. :-)

andererseits - was für ein zitat!

Bitte Bitte
01
10.5.2011, 21:53
Geschichte lernen?

Geschichte, wie sie gelehrt wird, ist ein Kind der jeweils vorherrschenden Deutungshoheit und dient der aktuellen Machtstruktur, sich ideologisch aus der Geschichte als "gottgewollt", "logisch zwingend" oder "naturgesetzlich" abzuleiten.

Man beachte hierbei auch die grosszügigen Auslassungen in unserem Geschichtsbild, wie die arabische, chinesische, indische Geschichte etc.

Auch wird Geschichte konstant umgeschrieben, weil zB. Kriege und Kolonialzeit neue Bewertungen erfahren und und sich auch die Schwerpunkte in der Geschichtsbetrachtung wandeln.

Geschichte Lernen wirft somit die Frage auf: Wessen geschichtlichen Blickwinkel hätten S' denn gern?

Freund der kärntner Fandangos grandes (ex Foromat)
00

für meinen geschmack leider schon a bissl zu abgedroschen in dem forum.

in love with kate perry
142
dafür gibts sogar ein eigenes gesetz: das verbotsgesetz. es sind die linken die andersdenkenden den krieg mit allen mitteln erklärt haben.

die linke hat ein klima der neurose erzeugt mit ihrer instrumentalisierung der deutsch-österreichischen vergangenheit als maulkorb nicht zuletzt um ihr gottloses projekt der verordneten multi-ethnizität zu erzwingen, von dem jetzt schon immer mehr klar wird, dass es zum scheitern verurteilt ist.

abgesehen davonviele unter uns sind sehr einfache leute die auf ihre fragen antworten wollen, die sie verstehen können. und das passt den linken nicht, denn wenn man deren antworten mit einfachen worten ausdrückt, wird schnell klar wie absurd sie sind.

die politische linke ist zu einem elitistischen und exaltierten zickenverein geworden, dem die gesellschaftliche realität zunehmend fremd wird. wirklich. schaut in den spiegel, genoss_innen.

hot doc
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solche absurden theorien hat nur jemand mit massiven sozialen problemen. kein sex und keine freunde. schau in den spiegel, w!xer.

tom2312
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In Österreich sind Gedanken nicht frei

Mein lieber hot doc, ich bin links, ich habe einen großen Freundeskreis, und ich habe gern Sex.

Das Verbotsgesetz halte ich aber auch für Schwachsinn weil es nichts anderes tut als eine abweichende Meinung unter Strafe zu stellen.

Dort wo strafrechtlich relevante Handlungen gesetzt werden, haben wir ein Strafgesetz und brauchen kein Gesinnungsverbot.

Es ist nun einmal so: In Österreich sind Gedanken nicht frei.

(Und es kommt nicht darauf, ob sie rechts, links, menschenfreundlich oder menschenverachtend sind.)

Masel
07
Falsches Thema,

falsches Forum, verwirrter Poster!

loundy
 
05
wow, was für eine theorie...

die politische linke hält ihnen und ihren andersdenkenden freunden also die einfachen antworten vor die sie verstehen könnten.

ihre aussage ist also dass die linke schuld daran ist dass gesellschaftliche, wirtschaftliche und finanzielle problemstellungen in einem 8 millionen land in einer globalisierten, von 6 milliarden menschen bewohnten welt, zu komplex sind als dass man sie in 3-zeilern, die sich reimen, abbilden kann.

hab ich das richtig verstanden...?

es kommt ihnen nicht merkwürdig vor wenn ihnen jemand erzählt er hätte für alles eine lösung, die in einen schüttelreim passt...?

wirklich...?

Frustrations-Attraktion
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So a Bledsinn.

(Hoffe, das war einfach genug für dich.)

in love with kate perry
20

du willst uns aber nicht verraten warum du glaubst, dass ich 'bledsinn' verzapfe ... ?

Frustrations-Attraktion
05

1. Duktus. "Instrumentalisierung deutsch-österreichischer Vergangenheit als Maulkorb" und "gottloses Projekt erzwingen" (etc.) weist auf Fanatismus.

2. Simplizität. Einfachheit einfordern, weil ja viele einfache Menschen seien, negiert per se Komplexität. Es ist eine von einer postulierten Mehrheit angeordnete Realitätsverweigerung.

3. Innerer Widerspruch. Einerseits pauschal "den Linken" völlige Intoleranz vorzuwerfen ("Linker Krieg gegen Andersdenkende") und gleichzeitig deren "verordnete Multi-Ethnizität" anzuklagen, ist widersinnig. (Nicht nur im Kontext erwähnter deutsch-österr. Historie.) Die "Multi-Ethnizität" trägt die Vielfältigkeit der (Denk-)Kulturen in sich.

Du empörst dich im Grunde, kein Trottel sein dürfen.

in love with kate perry
50

1. oder auch nicht. die instrumentalisierung der nazi vergangenheit als waffe gegen politisch anders denkende durch die linken lässt sich nun wirklich nicht leugnen. seien sie wenigstens sich selbst eggenüber ehrlich.

2. der widerspruch zwischen zielgruppengerechter kommunikation und der komplexität der linken realität ergibt sich nicht aus der vereinfachung, sondern aus der vielfach von immer hohler werdenden phrasen durchzogenen linken interpretation der wirklichkeit. unabhängig davon liegt es in der natur der dinge, dass in einer demokratie die mehrheit die interpretation vorgibt und nicht selbsternannte eliten.

3. nicht der vorwurf ist widersprüchlich sondern das objekt des vorwurfs ;)

und du empörst dich, dass der tumben masse dein

Valentina Stein
04
Braucht sie/er auch nicht.

Ist aus dem betreffenden Post. das "uns" (!!) alles sagt, offensichtlich.

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