Schock am See

6. Mai 2011, 17:48
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Vidar Sundstøls Krimi "Traumland"

Es gibt viele Seen und viel Wald in Minnesota, dazwischen ein paar Touristen. Die Vorfahren der Einheimischen kamen aus Norwegen, Schweden oder Finnland, jedenfalls die, von denen im Debüt-Krimi von Vidar Sundstøl die Rede ist.

Lance, ein sogenannter "Waldbulle", ist zuständig dafür, dass sich in den Nationalparks keiner danebenbenimmt, wild zeltet, ohne Erlaubnis fischt oder die Natur verdreckt.

Der nackte norwegische Tourist, den Lance blutverschmiert und im Schockzustand am See kauernd findet, gehört nicht zur Alltagsroutine, und schon gar nicht der Freund des Kanuten. Der liegt nämlich tot in der Nähe des Zeltes.

Der Anblick des zerschmetterten Kopfs lässt Lance nicht mehr los. Der Verstörte bietet sich als Täter an, zumal die Ermittler entdecken, dass die beiden homosexuell waren. Einer der Burschen wollte nach der gemeinsamen Reise mit dem Freund ein Mädchen heiraten. Eifersucht als Motiv scheint wahrscheinlich. Doch Lance hat einen anderen Verdacht.

Der norwegische Autor befasst sich mit interessanten Details zur wechselhaften Besiedlungsgeschichte von Minnesota, erzählt von den Ureinwohnern, die jetzt in Reservaten leben, und räumt der Naturbeschreibung breiten Raum ein.

Das alles trägt zur Originalität dieses Textes bei - und die Auflösung fügt sich ebenfalls nicht ins erwartbare Schema. (Ingeborg Sperl, www.krimiblog.at / DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.5.2011)

  • Vidar Sundstøl, "Traumland". Deutsch: Ulrich Sonnenberg. € 20,60 / 351 
Seiten. Hoffmann & Campe, Hamburg 2011
    foto: hoffmann & campe

    Vidar Sundstøl, "Traumland". Deutsch: Ulrich Sonnenberg. € 20,60 / 351 Seiten. Hoffmann & Campe, Hamburg 2011

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