Zu den schöngeistigen Momenten des Donnerstagabends zählen meist jene drei, vier Minuten, in denen Herr Hermes die "Unteren 10.000" besucht
Zu den schöngeistigen Momenten des Donnerstagabends zählen meist jene drei, vier Minuten, in denen Herr Hermes die "Unteren 10.000" besucht. So heißt jene Rubrik in Willkommen Österreich, die sich ins richtige Leben wagt: Weg von den Reichen und Schönen, die bei Stermann und Grissemann mit abgespreiztem Finger Wein verinnerlichen.
Und draußen im Leben, das wissen wir, da zählt, was gut ist, was immer schon gut war. Darum wiederholt es sich, und zwar so lange, bis es mit den Weihen der Tradition bedacht wird. Einer solchen widmete sich der stets im White-Star-Anzug gekleidete Feldforscher vergangenen Donnerstag, als er vom Maibaumaufstellen in Linz berichtete. Nachdem die Maibaum-Opposition in Person eines Punks und der Feststellung "Scheiß aufn Maibam" zu Wort gekommen war, hielt Hermes den Fürsprechern das Mikro in die ungleich edleren Antlitze. Er erfuhr, dass das Maibaumaufstellen eine Tradition sei - und zwar schon lange. Aber hallo.
Historisch ungleich versierter zeigten sich die befragten Traditionalisten nach dem Hinweis, dass der 1. Mai ja auch der Hochzeitstag von Adolf Hitler und Eva Braun gewesen sei. Ein Namensvetter des "Führers" erklärte sofort, dass Hitler "eh nicht so schlecht" gewesen wäre, nur seine Kumpane:"Hintergangen hams ihn hint und vurn."
Ja, wer nicht nur "hint" , sondern auch "vurn" hintergangen wird, darf sich nicht wundern, wenn Historiker falsche Schlüsse ziehen. Zum Glück gibt es die Linzer Zeitzeugen, die derlei Missverständnisse ausräumen. Warum Hermes da so ungläubig schaute, blieb ein Rätsel. Wahrscheinlich ist er einer dieser Unbelehrbaren. (Karl Fluch, DER STANDARD; Printausgabe, 7./8.5.2011)