Paradiesisches Palais für Shopaholics

6. Mai 2011, 17:49
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Exakt 1960 Kunstwerke und Objekte wurden dieser Tage in den historischen Räumlichkeiten des Palais Dorotheum verteilt

Von 16. bis 20. Mai gelangen sie im Zuge der zweiten Auktionswoche zur Versteigerung.

Wien - Im Vorfeld der Auktionswochen des Dorotheums steht für manche Kunstwerke eine regelrechte Tournee auf dem Programm: Aus dem Angebot aller Sparten werden entsprechend jeweiligen regionalen Vorlieben Kandidaten ausgewählt, die sodann zu den Repräsentanzen transportiert und im Rahmen sogenannter Schaustellungen die Niederlassungen in Italien oder Deutschland schmücken.

Ein Anlass, der dann auch mit der obligaten Vernissage zelebriert wird: Bei Petra Schäpers in Düsseldorf machte die aktuelle Dorotheums-Roadshow Mitte April Station, wie stets reichte man aus diesem Anlass dann Häppchen, Wasser, französischen Sprudelwein und die frisch gedruckten Kataloge.

Anfang Mai traf sich Münchens Society standesgemäß im Hofgarten unter den Galerien. Wenn Franz Freiherr zu Rassler Einladungen verschicken lässt, dann leistet man diesen auch Folge, zumal bei Schönwetter bisweilen Würstel gegrillt werden, dann gibt's auch ein Bierchen, nicht nur Kir Royal, erzählt ein Prinz, der es aus Erfahrung wissen muss.

In den letzten Tagen trudelten im Dorotheum auch die allerletzten noch fehlenden Kunstwerke ein, die es noch vor dem Wochenende fix an die Stellwände zu montieren, davor zu arrangieren oder in Vitrinen zu verstauen galt. Samstag (7. Mai), Punkt neun Uhr werden hier die ersten Aficionados durch die historischen Räumlichkeiten stromern.

"Café Deutschland"

Exakt 1960 Kunstwerke und Objekte, die ab 16. Mai in insgesamt sieben Spartenauktionen (bis 20. Mai) versteigert werden, warten auf neue Besitzer: Artifizielle Köder der Kategorien Silber, Juwelen, Klassische Moderne, Jugendstil und Angewandte Kunst des 20. Jahrhunderts, Armband- und Taschenuhren - sowie die allein mit 545 Positionen bestückten Sektionen Design und Zeitgenössische Kunst.

Hier Jörg Immendorffs Café Deutschland-Großformat aus den 80er-Jahren (Hörerwunsch), an der Seite von Arbeiten Anselm Kiefers, Markus Lüpertz' oder von Konrad Klaphecks rätselhaftem Gesetz des Alltags, das sowohl die Nähe zum Realismus als auch zum Surrealismus offenbart. Dort Bruno Gironcoli, Franz West, Hermann Nitsch und vor allem Arnulf Rainer: ein rotes Energiebündel namens Prometheus auf der Flucht oder wild-charmante Handmalerei, die ironisch auf den Spuren eines Malertitanen geht, betitelt Rembrandts Tatzen.

Affirmative Bewunderung

Einen willkommenen Kontrastpunkt setzt Kunst aus China, mit Themen wie dem Konsumismus inmitten von Luxusmarken und Supermodels, von affirmativer Bewunderung bis zur Gesellschaftskritik: Chinese Portraits von Feng Zhengjie oder Han Yahuans Shopaholics in ungewöhnlicher Perspektive (Karaoke Warehouse). Dazu die Verlockungen der Sektion Design, ein internationaler Schaulauf von Adolf Loos (u. a. Theben-Hocker) über Jean Prouvé (u. a. Fauteuil Visiteur) bis hin zu Tom Dixon (Chaiselongue Bolide), Ross Lovegrove (herrlich, das Lautsprecherpaar Muon) und Daniel Libeskind (vier Prototypen). (Olga Kronsteiner/ DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.5.2011)

  • Kreuzwegstation von Hermann Nitsch (1990), nicht nur für Fans der Farbe 
Lila, 
davor Mario Ceccis (Schreib-)Tisch, der 1970 in limitierter Auflage 
produziert 
wurde
    foto: elwoods/dorotheum

    Kreuzwegstation von Hermann Nitsch (1990), nicht nur für Fans der Farbe Lila, davor Mario Ceccis (Schreib-)Tisch, der 1970 in limitierter Auflage produziert wurde

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