Gefeilsche um türkische Kunst

6. Mai 2011, 17:46
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Die Türkei im Fokus: In den letzten Jahren wuchs ihre Galerienszene - und parallel die Nachfrage für Zeitgenössisches. Ein Blick auf den Markt im Vorfeld der Viennafair

Auf dem internationalen Kunstmarkt ist türkische Kunst präsenter, als man hierzulande glauben würde: in Form von hochwertigem Kunsthandwerk aus Keramik oder Metall, wertvollen Kalligrafien oder auch im Bereich bildender Kunst und hier den einflussreichen Orientalisten.

Schon im 19. Jahrhundert galten diese osmanischen Artefakte als begehrtes Sammelgut, das vor allem bei der europäischen Bildungselite Gefallen fand. Jährlich kommen in der Auktionsbranche hunderte solcher Kunstwerke in verschiedenen Sparten in London oder New York zur Versteigerung. Sowohl Christie's als auch Sotheby's haben zur Betreuung lokaler Klienten und zur Akquisition vor Ort den Fuß in der Tür - in Istanbul, um genau zu sein, der führenden Kunstmetropole des Landes.

Internationale Player vor Ort

In der Türkei selbst gibt es mehrere Auktionshäuser unterschiedlicher Größe und Schwerpunktsetzung. Neben der Kunstmesse Artist Istanbul Art Fair, die 2010 ihr 20. Jubiläum feierte, zählt die seit 1987 abgehaltene Istanbul Biennial (Nr. 12 von 17. September bis 17. November 2011) zu den wichtigsten Publikumsformaten.

Parallel dazu wuchs die lokale Galerienszene jährlich - und das internationale Interesse an türkischer Gegenwartskunst stetig: Bedient wird der Sekundärmarkt hauptsächlich über Christie's, etwa in Dubai (Christie's, Middle East Auctions), und Sotheby's, die 2009 eine eigene Sparte (Contemporary Turkish Art) aus der Taufe hoben, der im Frühjahr stets eine eigene Versteigerung in London gewidmet ist. Während sich Christie's (seit 2005) in Istanbul nur eine Ansprechpartnerin leistet, eröffnete Sotheby's 2009 als ers-tes internationales Auktionshaus ebendort eine eigene Niederlassung. Die Bilanz dieser potenziell ausbaufähigen Nische bisher: 185 Kunstwerke, die für umgerechnet knapp zehn Millionen Euro einen neuen Besitzer fanden, darunter Fahrelnissa Zeids unbetiteltes malerisches Epos von 1954 für den vorläufigen Höchstwert von umgerechnet knapp 750.000 Euro.

Karawanserei bei Viennafair

In unmittelbarer Nähe zu Österreich war zeitgenössische Kunst aus der Türkei im klassischen Messeprogramm bislang nur sporadisch anzutreffen. 2010 im Rahmen der Munich Contempo etwa. Aktuell hat man dort eine Partnerschaft mit der Contemporary Istanbul im Visier, bestätigt Beirätin Bettina Krogemann, schon der kunsthistorisch interessanten Bereicherung wegen.

Vielversprechend klingt der im Zuge der diesjährigen Viennafair (12.-15. 5.) gesetzte und von OMV gesponserte "Diyalog: Art from Istanbul": Unter dem gleichnamigen Titel präsentieren u. a. vier führende Galerien ein Mehrfaches an Künstlern und künstlerischen Positionen: In der stilgerechten Inszenierung einer landestypischen Karawanserei, in der Feilschen ja zur obligaten Kommunikationsform gehört(e). (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Printausgabe, 7./8.5.2011)

  • Fahrelnissa Zeid: Untitled (1954), mit 750.000 Euro Auktionsrekord für türkische Kunst.
    foto: sotheby's

    Fahrelnissa Zeid: Untitled (1954), mit 750.000 Euro Auktionsrekord für
    türkische Kunst.

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