Aufregung und Gegenkundgebung gegen Totengedenken

6. Mai 2011, 15:41
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Gegenkundgebung "Wer heute nicht feiert, hat verloren" - Strache: "Honorige Persönlichkeiten"

Während Österreich am 8. Mai den Jahrestag der Kapitulations Hitler-Deutschlands und die damit verbundene Befreiung Österreichs vom Nationalsozialismus feiert, trauern Burschenschafter und mit ihnen die FPÖ beim Totengedenken auf dem Wiener Heldenplatz. Veranstalter des "Totengedenkens": Die Burschenschaftsvereinigung Wiener Korporations Ring (WKR). FPÖ-Chef Heinz Christian Strache wird die Totenrede "zu Ehren unserer toten Helden" halten (derStandard.at berichtete).

Gegendemonstrationen wird es auch in diesem Jahr wieder geben. Eine größere Allianz, bestehend aus der Israelitischen Kultusgemeinde, den Grünen Wien und der Sozialistischen Jugend, ruft zu Protesten auf: Um 19.30 Uhr startet eine Gegenkundgebung am Heldenplatz, die der Klubchef der Wiener Grünen, David Ellensohn, als "Grünes Befreiungsfest" bezeichnet.  Die Kundgebung steht unter dem Motto "Wer heute nicht feiert, hat verloren". Um 17 Uhr findet eine Demonstration bei der Universität Wien statt, die zum Heldenplatz weiterzieht, wo eine Kranzniederlegungan der Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus geplant ist.  Organisiert wird diese unter anderem von der ÖH.

Unterdessen hat sich Ehrenredner und FPÖ-Chef Heinz Christian Strache via Aussendung zu Wort gemeldet. Es werde am Sonntag allen militärischen und zivilen Opfern des Zweiten Weltkrieges gedacht. Die Teilnehmer der Veranstaltung seien alle "honorige Persönlichkeiten, die mit beiden Beinen fest auf der österreichischen Verfassung stehen". 

Wiener Grüne: Gedenken an Gestapo-Opfer

Die Wiener Grünen haben schon heute, Freitag, mit einer Kranzniederlegung am Denkmal der Opfer der Gestapo am Morzinplatz an die Befreiung von der Nazi-Herrschaft am 8. Mai erinnert. Der 8. Mai sei für die Grünen verbunden mit "Erleichterung und Dankbarkeit", erklärte Landessprecherin Silvia Nossek bei der Gedenkfeier. Man werde alles in der Kraft stehende tun, damit eine derartige Willkür und Gewaltherrschaft nicht wieder passiere, versprach sie. Rathaus-Klubchef David Ellensohn forderte ebenso wie Ariel Muzicant, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), dazu auf, den 8. Mai zu feiern.

IKG-Präsident Ariel Muzicant kritisert, dass in Österreich das Bewusstsein über die Bedeutung des 8. Mais fehle. "Wir wollen den Heldenplatz nicht den Nazis überlassen", sagt er bei der Gedenkverstaltung am Morzinplatz. Die Kapitulation sei das Ende des Schreckens gewesen. Er verstehe nicht, warum es noch so viele Menschen gebe, die anders denken. 

Muzicant fordert, dass man von reinen Gedenkveranstaltungen Abstand nehmen solle. "Man müsste am Heldenplatz singen, tanzen, feiern. Der 8. Mai gehöre als "Tag der Befreiung" begangen. (APA, red, derStandard.at, 6.5.2011)

  • Gedenkveranstaltung beim Denkmal der Opfer der Gestapo auf dem Wiener
 Morzinplatz. IKG-Chef Ariel Muzicant will den 8. Mai mehr feiern. "Man müsste am Heldenplatz singen, tanzen, feiern."
    foto: die grünen wien

    Gedenkveranstaltung beim Denkmal der Opfer der Gestapo auf dem Wiener Morzinplatz. IKG-Chef Ariel Muzicant will den 8. Mai mehr feiern. "Man müsste am Heldenplatz singen, tanzen, feiern."

  • Gemeinsame Kranzniederlegung mit dem Klubchef der Wiener Grünen, David Ellensohn.
    foto: die grünen wien

    Gemeinsame Kranzniederlegung mit dem Klubchef der Wiener Grünen, David Ellensohn.

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    Burschenschafter am 8. Mai 2010, Heldenplatz.

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