FSME

Von Zecken, Krankheiten und Impfmuffeln

8. Mai 2011, 16:58
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    foto: apa/patrick pleul

    Bis zu elf Tage lang saugt sich eine Zecke mit Blut voll: Sie kann dabei um das Hundertfache ihres Ursprungsgewichtes anwachsen.

Mit Erfolg wird in Österreich seit 35 Jahren geimpft - Ältere sind Impfmuffel, profitieren aber besonders vom Impfen

Die Zeckenschutzimpfung ist eine österreichische Erfindung. Seit 35 Jahren wird hierzulande gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die durch Zecken übertragen wird, geimpft und kampagnisiert. Mit Erfolg, wie Herwig Kollaritsch, Leiter des Instituts für spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der Medizinischen Universität Wien, sagt. Die Durchimpfungsrate habe in Österreich im Vorjahr 85 Prozent erreicht, so fleißig geimpft wird in keinem anderen Land. Warum? "Weil die Situation hier völlig anders ist als in den Nachbarländern. Einen ähnlich intensiven Zeckenbefall gibt es lediglich noch im Baltikum oder in Russland."

Während die Zahl der FSME-Infektionen bei den Nachbarn steige, sei sie in Österreich in den letzten 35 Jahren um 90 Prozent gesunken. Fast keine Fälle der durch Zecken übertragenen Hirnhautentzündung verzeichne man mehr bei Kindern und Jugendlichen, so Kollaritsch. In Österreich dürfen Kinder ab einem Jahr geimpft werden, in der Schweiz und Deutschland erst ab dem Schulalter. Kollaritsch erklärt das mit der starken Zeckenkonzentration in Österreich, "der ganz anderen epidemiologischen Situation im Vergleich zu Deutschland oder zur Schweiz".

Vorbehalte gegen Impfung

Impfschäden bei Kindern müsse man nicht befürchten. Nach Fällen von Fieberkrämpfen wurde der Impfstoff vor zehn Jahren verändert. Seither sind zwei Produkte auf dem Markt, "die Arzneimittelsicherheit wurde entscheidend verbessert" (Kollaritsch). Erich Schmutzhard, Leiter der Neurologischen Intensivstation der Med-Uni Innsbruck, sieht ebenfalls keine medizinischen Gründe, die gegen eine Impfung von Kindern sprechen würden. Auf 750.000 Geimpfte komme laut Statistik ein Impfschaden. Schmutzhard vermutet hinter den deutschen und schweizerischen Empfehlungen eher eine Folge der "Impfmüdigkeit, der auch niedergelassene Ärzte, die ja die Impfungen machen sollten, nachgeben". Gegen eine Impfung sprechen aus Sicht des Neurologen bei Kindern wie Erwachsenen einzig Unverträglichkeiten.

Impfskeptiker gibt es auch in Österreich. Besonders stark vertreten sind sie, so Herwig Kollaritsch, in der Generation 50 plus. Diese Altersgruppe agiere nach der Devise: Bis jetzt ist nichts passiert, es wird auch weiter nichts passieren". Bei älteren Menschen könne sich eine Infektion mit dem FSME-Virus aber sehr viel gravierender auswirken: "Es treten wesentlich häufiger schwerwiegende Folgen wir Gehirn- und Rückenmarksentzündung auf."

Nach der Grundimmunisierung durch drei Impfungen muss der Impfschutz regelmäßig aufgefrischt werden. Die erste Auffrischung ist nach drei Jahren fällig, dann soll im Fünf-Jahres-Rhythmus geimpft werden. Die Bereitschaft, sich wiederholt impfen zu lassen, sinke jedoch, bedauert Kollaritsch.

Laut Statistik führt jeder 25. bis 100. Zeckenstich zu einer Infektion. Nicht jeder Mensch reagiert auf eine Infektion mit Krankheitssymptomen. 30 bis 90 Prozent der Infizierten bleiben symptomlos. Anzeichen der FSME sind grippeähnliche Zustände wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Bei fünf bis zehn Prozent der Infizierten ist das zentrale Nervensystem beeinträchtigt. Hohes Fieber, Kopfschmerzen, Erbrechen treten in einem zweiten Krankheitsschub auf. Bewusstseinstörungen oder Lähmungen sind Folgen einer fortgeschrittenen Meningoenzephalitis. Leichte Formen der Erkrankungen heilen ohne Folgen aus.

Die Prognose hängt vom Alter der Betroffenen ab. Der Krankheitsverlauf ist bei Kindern und Jugendlichen wesentlich milder als bei älteren Menschen. Zehn bis 30 Prozent der Erwachsenen leiden unter dauerhaften neurologische Schäden wie Lähmungen, Störungen des Gleichgewichts, Hör-, Gedächtnis- oder Konzentrationsproblemen. In ein bis zwei Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich.

Wie kann man sich ohne Impfung schützen? Bei Wanderungen Unterholz meiden, die Kleidung sollte gut abschließen und dünnhäutige Körperpartien wie Kniekehlen, Innenseite der Oberschenkel, Achselhöhlen, Nacken, Hals bedecken. Bei kleinen Kindern wird auch oft der Kopf befallen. Nach Wanderungen sollte man Kleidung und Körper sorgfältig absuchen. Helle Kleidung ist dabei hilfreich. Zeckenschutzmittel sind, so die deutsche Stiftung Warentest, nicht unbedingt zu empfehlen. Von 18 getesteten Präparaten wirkten nur vier.

Pinzetten-Technik

Findet man auf der Haut eine Zecke, sollte man sie rasch entfernen, aber weder mit Öl, Alkohol noch Chemikalien beträufeln, weil der Parasit dadurch noch mehr Gift ausschüttet. Empfohlen wird die Entfernung der Zecke mit einer Pinzette, indem man sie direkt über der Haut fasst und herauszieht oder -dreht. Die Richtung der Drehung ist dabei unerheblich. (Jutta Berger, DER STANDARD Printausgabe, 09.05.2011)

Wissen:

Zecken lauern und jagen

Es gibt weltweit 800 Zeckenarten, in Österreich sind 17 Arten heimisch. Am häufigsten, nämlich zu 95 Prozent, ist hierzulande der gemeine Holzbock. Neu in Österreich ist die Braune Hundezecke, die über Tierimporte eingeschleppt wurde.

Die spinnenartigen Tiere leben in Laub- und Mischwäldern, haben es gerne etwas feucht, ihre bevorzugten Lebensräume sind Lichtungen, Waldwege und -ränder, Hecken, Gras- und Buschland.

Zecken lassen sich nicht, wie oft behauptet, von Bäumen fallen, sondern sitzen auf niedrigen Pflanzen und warten dort auf potenzielle Wirte. Das sind in der Regel kleine Nagetiere, Vögel, Wild- und Haustiere, manchmal auch der Mensch. Anders die Braune Hundezecke: Sie wartet nicht, sondern jagt ihre Wirte, diese Zecke kann bis zu drei Monate in geheizten Räumen überleben.

Um sich entwickeln zu können, brauchen Zecken in jedem Wachstumsstadium Blut. Sie saugen es mit ihrem Rüssel, den sie in die Haut bohren, in sich auf. Durch kleine Widerhaken hält sich die Zecke in der Haut fest. Der Saugvorgang dauert bis zu elf Tage, die Zecke kann beim Saugen von einem halben Millimeter auf das Hundertfache anwachsen.

Beim Stich sondert die Zecke eine betäubende Substanz ab, der Biss bleibt somit unbemerkt. Zecken können über das Bakterium Borrelia burgdorferi Borreliose übertragen und über das Zeckenenzephalitis-Virus die FSME-Krankheiten. (jub)

Veterinär Parasitologie Wien

 

Kommentar posten
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Dani Düsentrieb
 
00
22.12.2011, 14:29
so wie hier manche posten

könnte man meinen, dass man am besten wieder alle impfungen abschafft und darauf wartet was die nächsten 10 jahre passiert.
dann minimiert sich die weltbevölkerung schneller von allein!

Birgit 68
00
26.6.2011, 13:14

Ich finde es ein Skandal, dass man in Österreich junge Mütter bei einer Mutter-Kindpass Untersuchung überrumpelt und ungefragt ihr Baby fegen FSME impft!

NotUsed
00
26.6.2011, 11:15

das risiko einer ansteckung bei fsme ist genausogroß wie das risiko einen impfschaden davonzutragen.

dabei wird borreliose völlig außer acht gelassen die man ja trotzdem bekommen kann, auch der fakt das es bei impfungen nicht zwingend eine immunisierung geben muss wird verschwiegen.

unter dem strich ist diese impfung, sowie alle anderen auch völlig unnötig und dient nur den profit der pharmaindustrie.
die langzeigschäden solcher durchimpfungen können außerdem nur erahnt werden.

Fingerzeig
02
21.6.2011, 23:05

Zitat: "In Österreich dürfen Kinder ab einem Jahr geimpft werden, in der Schweiz und Deutschland erst ab dem Schulalter. Kollaritsch erklärt das mit der starken Zeckenkonzentration in Österreich, "der ganz anderen epidemiologischen Situation im Vergleich zu Deutschland oder zur Schweiz"."
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Was für ein fürchterlicher Schwachsinn, aber ich nehme an, der Mann ist gut gebrieft vom Impfstoffhersteller.
In der Schweiz ist das Impfen von Kindern verboten, weil man keinen Sinn darin sieht.

Über die Sinnhaftigkeit von FSME Impfungen generell kann man sich hier eine andere Meinung bilden:
http://www.impfkritik.de/fsme/

TheLight
01
22.6.2011, 11:19

Es hätte der Seriösität der Kritik um einiges besser getan wenn der Autor auf den homöopatischen Kommentar zum Schluss verzichtet hätte. So kann ich das nicht ernst nehmen.

fertigprodukt
12
12.6.2011, 18:52
impfmuffel = erfindung der pharmaindustrie, wenn zu wenig profit gemacht wird

zecken = spinnenartige wesen, die auch noch vampire sind (= eignen sich toll zur angstmache)
krankheiten = wenn man nicht gesund ist.

noch mehr fragen?

Barbarin
21
14.6.2011, 18:25
Vor allem...

...nur jeder 1000. Zeck überträgt FSME.

Marry
12
13.5.2011, 01:04

Arzt: "Borreliose? Was ist das?"

Chakotay
24
12.5.2011, 21:33
Fakten über den Mythos FSME Gefahr durch Zecken

1. Höchstens nur jede 100 Zecke trägt das Virus FSME in sich. Es gibt viele Orte wo es gar viel weniger ist. Seitens Pharmakonzernen in Auftrag gegebene Studien die von jeder 3. Zecke sprechen, sind eine bodenlose unverschämt.
2. Bei einem Biss des FSME-Zecks besteht lediglich 35-25% Risiko dass, das Virus überhaupt in die Blutbahn übertritt.
3. In 75% der Fälle einer Übertragung beseitigt es das Immunsystem, ohne dass es mitbekommt. Besonders wahrscheinlich bei Kindern!
4. 75% der Erkrankten genesen ohne bleibende Schäden.
5. Somit ist die Gefahr einer tötlichen verlaufenden oder stark behindernden Hirnhautentzündung so klein, dass man es durchaus vernachlässigen kann!

So müsste man sich gegen jede sonstige Virenerkrankung Impfen lass

Ehrlicher
14
16.5.2011, 21:55
die 90 Personen, die jedes Jahr an FSME erkranken

wird es trotzdem ärgern, dass gerade sie sich nicht geimpft hatten...

Aber stimmt schon, im Strassenverkehr stirbt es sich schneller, als in Wiese oder Wald. Die meisten realisieren dieses schon gar nicht mehr...

Samhain
10
30.5.2011, 23:14

Die 90 Personen sind dann für ihr Leben lang immun gegen FSME, also wirklich besonders schlimm.

Mike 23
00
13.2.2012, 16:59
Und die geimpften werden gar nicht krank

Auch nicht schlimm...
Michael

fertigprodukt
23
16.5.2011, 17:55

die zahlen sind sogar noch höher.

die meisten österreicher sind übrigens ganz ohne impfung gegen FSME immun, weil sie als kinder im wald gespielt haben.

mehr natur -> weniger impfungen -> mehr gesundheit.

Linek Karl
 
33
14.5.2011, 19:45

Noch eine Prozentzahl: 100 % der Dauergeschädigten bedauern sich nicht geimpft zu haben.

Noch ein Fakt: Viele nicken so verständnisvoll, wenn Alternativmediziner dozieren, dass die wissenschaftliche Medizin keine Vorsorgemedizin sei. Oft nicken auch dieselben Leute, wenn gegen Impfungen argumentiert wird.

Barbarin
31
14.6.2011, 16:46
Ich kenne 2...

...die waren FSME geimpft...Fazit trotzdem Borreliose!

marty fink
10
15.6.2011, 00:24
Aua...

Klarer Fall von
Selfowned!

Godesberg
10
14.6.2011, 19:04

Ich hab mich letztens im Auto angeschnallt und was ist passiert? Zack, Reifenpanne! Ich finde das unmöglich.

Linek Karl
 
10
14.6.2011, 17:05

Borreliose ist nicht FSME. Weiß man doch, dass man sich gegen Borreliose nicht impfen lassen kann.

Und ist das jetzt ein Argument gegen Impfungen? Man kann sich gegen irgendetwas nicht impfen lassen und deswegen verweigert man alle?

Barbarin
31
14.6.2011, 18:18
http://www.aerztezeitung.at/archiv/oe... liose.html

Jeder 4. Zeck überträgt angeblich Borreliose....nur jeder 1000. FSME...und diese ist zwar schwer aber doch behandelbar.

Also wozu impfen, wenn FSME so selten im Vergleich zu Borreliose, die tatsächlich gefährlich ist?

Antwort: Wegen dem Profit der Pharma!

Weil: Eine Titerbestimmung würde es auch tun, weil der Großteil der Menschen sowieso resistent ist!

Linek Karl
 
12
15.6.2011, 08:44

Ich trage immer einen Helm beim Radfahren. Aber Unfälle sind sehr selten. Ist das Ganze also nur wegen der Radhelmindustrie? Wenn ihnen ihre Gesundheit nichts wert ist, dann machen sie ruhig so weiter.

fertigprodukt
32
16.5.2011, 17:55

vollkommener blödsinn. du sprichst wohl von der baxter-gesponserten selbsthilfegruppe.

Godesberg
21
12.5.2011, 23:11

Komisch, dass es überhaupt Fälle gibt.

Vor der Impfung waren es wohl so um die 300 bekannte Infektionen, also welche, bei denen die Erkrankung so schlimm verlaufen ist, dass man dem auf den Grund gehen wollte und einen Nachweis durchgeführt hat. Heutzutage sind es 80 Fälle. Jedes Jahr werden also in Österreich immerhin 220 FSME-Infektionen verhindert, die nennenswert schwer verlaufen.

Jetzt muss man abwägen, ob das zu vernachlässigen ist, wenn man ein simples und sicheres Mittel hat.

fertigprodukt
01
16.5.2011, 17:57

man macht nicht nur bei schweren fällen einen test, sondern bei jedem verdacht. grund dafür ist die meldepflicht.

Chakotay
04
13.5.2011, 13:16
Komisch ist auch,

dass in Teilen der Schweiz, in denen ähnlich große "Zecken-Gefahr" besteht, wie den österreichischen Risiko-Gebieten, eine Schutzimpfung lediglich Forstarbeitern empfohlen wird.

Gelernt habe ich das im Rahmen meines Biotechnologie Studiems. Hier-zu Lande verdienen zu viele daran.

fertigprodukt
03
16.5.2011, 17:59

vor den 80-ern hatte niemand angst vor zecken und es ist auch nichts passiert.

mit der impfung kam plötzlich die angstmache vor den zecken. und es ging sogar ganz einfach. zecken sind immerhin spinnen und dann auch noch vampire. uuuuuh. böse. ;-)

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