Mit dem Rotstift durch die Verbrauchstabelle

10. Mai 2011, 17:00
  • Artikelbild
    foto: werk

    Herausforderung angenommen, könnte man sagen: Mercedes kontert den derzeitigen Effizienz-Zampano BMW, indem man bei den neuen V6- und V8-Motoren massive Verbrauchsoptimierungen hineinkonstruiert hat.

  • Artikelbild
    foto: werk
  • Artikelbild
    foto: werk

    Einen wesentlichen Part dafür, dass die damit bestückte E-Klasse erheblich sparsamer wird, leistet auch die 7-Gang-Automatik.

Mercedes senkt mit Akribie den CO2-Ausstoß seiner E-Klasse, jedenfalls auf dem Papier

Der Wettlauf um niedrigere Verbräuche ist voll im Gang. Kein Tag, an dem nicht ein Autohersteller eine Sensationsmeldung in Sachen verringerter CO2-Ausstoß rauslässt. Oft handelt es sich aber lediglich um eine bessere Anpassung der Motor- und Getriebecharakteristik an den vorgeschriebenen Verbrauchszyklus, eine Maßnahme, wirksam fürs Papier, für den Prospekt, für die Bürokratie, etwa die Normverbrauchsabgabe.

Die Hersteller großer schwerer leistungsstarker Autos stehen unter besonders hohem Kraftstoffsparstress, schließlich gilt es nicht nur, den Kunden niedrige NoVA-Einstufungen zu bieten, sondern auch Flottenverbrauchsvorgaben einzuhalten. Naturgemäß kämpft auch Mercedes vehement um niedrigere Verbrauchswerte und damit geringen CO2-Ausstoß, noch dazu angesichts eines Wettstreiters, der derzeit einen besonders guten Lauf hat in Sachen Effizienz, ja genau, BMW. So hat man den Antriebsstrang der E-Klasse unter die Lupe genommen und verbrauchstechnisch optimiert. Aus den erwähnten Maßnahmen ist abzulesen, dass es sich um mehr als bloß Normverbrauchskosmetik handelt.

Als zentraler Drehpunkt des kleinen Fortschritts sticht die 7G-Tronic-Plus-Automatik heraus. Sie steht jetzt auch für alle Vierzylinder-Varianten zur Verfügung (außer bei Erdgas). Die wichtige Neuigkeit hier ist eine neue Drehmomentwandlerüberbrückung, die den Schlupf wirklich annähernd gegen null senkt und somit Verbrauchswerte ermöglicht, die auch von einem sehr gut abgestimmten Schaltgetriebe nicht mehr geschlagen werden können. Ein nicht unerheblicher Teil des Fortschritts ist auch auf das nunmehr besonders dünnflüssige Getriebeöl zurückzuführen.

Vier Benziner und drei Diesel besitzen mittlerweile die Start-Stopp-Automatik serienmäßig. Warum dies Einrichtung nicht sofort eingeführt wurde und nicht in allen Fahrzeugen erhältlich ist, liegt darin, dass der technische Aufwand dafür doch ganz erheblich ist, so benötigt etwa das Automatikgetriebe eine eigene elektrisch angetriebene Ölpumpe, um bei den vielen Startvorgängen auch verlässlich Druck im System vorzuhalten. Dass der Startvorgang bei den Benzinern ganz besonders geschmeidig verläuft, liegt daran, dass beim Neustart immer zuerst in jenen Zylinder eingespritzt wird, der für den Startvorgang gerade am günstigsten positioniert ist.

Nahezu radikal ging man bei den großen Sechs- und Achtzylinder-Benzinern vor. Der 3,5-Liter-V6 hat jetzt einen Zylinderwinkel von 60 Grad. Ohne Turbolader erreicht man nun 306 PS und Verbrauchswerte, die um 20 Prozent unter dem Vorgänger liegen. Der 3,5-Liter-Motor besitzt leistungsmäßig naturgemäß großes Potenzial nach oben, Stichwort Aufladung. Das neue V8-Aggregat hat jetzt 4,6 Liter Hubraum (Vorgänger: 5,5) und bringt es mit Biturbo-Aufladung auf 408 PS. Immerhin auf dem Papier schrumpfte man den CO2-Ausstoß von 253 g/km auf 209 g/km.

Die neue E-Klasse kommt im Juni mit der Preiserhöhung daher, die sehr moderat ausfallen soll, jedenfalls angesichts der nunmehr häufig serienmäßigen Automatik namens 7G-Tronic-Plus. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/06.05.2011)

  • Gefährliche Elektroautos [136]

    Elektrische Spannungen und Ströme, aber auch die Elektromotoren selber bergen hohe Risiken

  • Konflikt Fahrrad versus Auto [268]

    Die Trennung von Rad- und Autoverkehr funktioniert nicht wirklich. Radwege mögen das richtige Symbol sein, aber nicht immer die richtige Lösung

  • Vom autonomen Autofahren [42]

    Autofahren ist vor allem in Ballungsräumen nicht mehr lustig und um das erste verdiente Geld auszugeben gibt es genügend Alternativen zum Auto

  • Start-Stopp: Es gibt längst Besseres [86]

    Die Zukunft gehört Systemen mit Starter-Generator, der unauffällig zwischen Stillstand, Elektro- und Verbrennungsmotorbetrieb wechselt

  • Verkehr in Megacitys [3]

    Die Autoindustrie liefert Konzepte für den Autoverkehr in künftigen Megacitys und denkt über besonders kleine und smarte Fahrzeuge nach

  • Zugfahren als Schnäppchenjagd [185]

    Die Bahn hält Neukunden konsequent fern. Alternativen sind die neue Westbahn - oder der private PKW

  • Radfahren: Fit, aber tot? [256]

    Je mehr Radfahrer sich auf den Straßen tummeln, umso mehr Unfälle gibt es auch

  • Autosalon als Spiegelbild [3]

    Die heurige Automobilausstellung in Frankfurt kehrt auf den ersten Blick wieder ziemlich auf den Boden der Tatsachen zurück

  • Das Auto braucht Straßen [86]

    Das Auto braucht eine Infrastruktur, nämlich Straßen, und die schenken uns die Autohersteller nicht dazu

  • Autofahren mit Biogas [39]

    Biogas wird im Wesentlichen aus landwirtschaftlichen "Abfällen" hergestellt, tritt also nicht in unmittelbare Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion

  • Pendlerpauschale ade? [379]

    Eine hohe Mobilität von Arbeitskräften ist eine Grundlage unseres Wirtschaftslebens. Die CO2-Diskussion betrifft vor allem auch die Pendler

  • Mit den Waffen der Gegner [99]

    Gijs Mom macht sich schon lange Gedanken, warum der Elektromotor vor 100 Jahren den Wettlauf mit dem Verbrennungsmotor verlor

  • Abgas-Erregungsakrobatik [19]

    Bis heute spielen die kompromisslosen Autoverteidiger eine lautstark polternde, aber ziemlich nutzlose Rolle

  • Feinstaubalarm beim Ottomotor [81]

    Die Regelung Euro 5 sieht eine Begrenzung der Partikelmasse vor. Aber nur mit der Partikelmenge lässt sich der Feinstaubanteil erfassen

  • Feindbild Automobil (III) [20]

    Die Existenz zu vieler Autos wird zwar beklagt, als Jobmoter sind Autofabriken aber nach wie vor gerne gesehen

  • Feindbild Automobil (II) [103]

    Fahrrad- und Automobilfahrer waren einst Freunde. Die Freundschaft hatte ein Ende, als das Auto dem Rad davonfuhr

  • Feindbild Automobil (I) [71]

    Das Auto hatte es Anfangs ganz und gar nicht leicht, sich durchzusetzen

  • Porsche-Preis fürs Lichtsparen [21]

    Der Prof.-Ferdinand-Porsche-Preis der TU Wien geht dieses Jahr an Wolfgang Huhn (Audi) und Kamislav Fadel (Automotive Lightning)

  • Gasgeben wörtlich genommen [12]

    Mit steigenden Kraftstoffpreisen werden Alternativen zu Benzin und Diesel zusehends interessanter, insbesondere Erdgas

  • Gummi braucht Straße

    Die Hoffnung der Autobranche lautet, in den derzeit noch weniger entwickelten Ländern im Laufe der Zeit auf über 500 wie bei uns aufschließen wird

  • Elektromotor rettet Verbrennungsmotor [41]

    Das diesjährige Wiener Motorensymposium prophezeite revolutionäre Zeiten im Automobilbau

  • Flexibler Motorenpapst [43]

    Es werden nur jene technischen Lösungen kommen, für deren Erforschung und Umsetzung in die Praxis sehr viel Geld ausgegeben wird

  • Auf ins Energiesparadies [8]

    Wahrscheinlich befinden wir uns jetzt im letzten Drittel des Erdölzeitalters - und auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger

  • Mit dem Rotstift durch die Verbrauchstabelle [60]

  • Automatik ohne Mehrverbrauch [197]

    Mit manuellem Schaltgetriebe, automatischem Doppelkupplungsgetriebe und Wandlerautomatik werden heute in etwa die gleichen Verbrauchswerte erzielt

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 60
1 2
gaisbock
00
19.5.2011, 00:31
I find des immer wahnsinnig interessant!

sovül PS und sovül CO2 und sovül Liter und sovül Potenzial nach ob´n - a wahnsinn, san´mir g´scheit, bist´du deppat.

FFluXXuSS
10
12.5.2011, 14:24
Pfooah! 20% weniger - wovon? Das ist sparsam, oder?

Raymond Domenech
00
12.5.2011, 16:14
Na 20% weniger Eiweiß

ist doch klar wenn man von Motoren spricht.

Marcel Baum
00
11.5.2011, 12:40
Der 3,5-Liter-V6 hat jetzt einen Zylinderwinkel von 60 Grad

Ja und? Außer dass er damit einen höheren Anteil von Momenten 2ter Ordnung hat, worin soll da der motorenbauerische Vorteil bestehen? Sicher ist das kein verbrauchsrelevantes Merkmal.
Eine deutliche Reduktion im Verbrauch erzielt man durch die Benzin Direkteinspritzung, allerdings laufen die zum Großteil mit dem teuren Superplus.
Und wenn da was kaputtgeht, kann man sich auf eine Austauschorgie freuen. Eine normale Saugrohreinspritzung konnte ich ja noch nachvollziehen und den Fehler eingrenzen, die Direkteinspritzer haben derartig komplexe last und drehzahlabhängige Arbeitsweisen, dass man nur mehr dem ausgeworfenen Fehlercode glauben muß. Und der liegt -wie man ja weiß- oft genug daneben.

NoComment
00
11.5.2011, 13:23

würd mich auch interessieren welches einsparungspotential in einer winkelveränderung liegen kann. gut, 180 grad versteh ich noch als problematisch (boxer), wegen der langen wege bzgl. nockenwellensteuerung, aber 60 grad im v-motor gegenüber 90 grad macht die steuerkette jetzt nicht wirklich merkbar kürzer.

Parkschwein
02
11.5.2011, 13:44

der 60° v6 braucht keine ausgleichswelle.

http://www.industrie.de/industrie... d=32374586

NoComment
00
11.5.2011, 13:53

da ist ein argument.

Peter aus Wien
00
11.5.2011, 09:32
BMW ist Weltmeister im "cycle beating", das muss man ihnen lassen

Rouschn
 
81
10.5.2011, 21:27
BMW Vorreiter

Vor ein paar Jahren noch belächelt, jetzt aber bewundert. Es vermag doch einen Vorteil gehabt zu haben, dass BMW als erster Autohersteller versucht hat, den Verbraucht ihrer Autos zu minimieren.

uni versalis
00
12.5.2011, 09:08
als erster "premiumhersteller",

nicht als erster hersteller - kleiner unterschied!

beim flottenverbrauch haben mercedes und bmw nach wie vor einiges aufzuholen. deswegen musste der eine laufend seinen dieselanteil forcieren und bei den minis (und teilweise 1ern) 7 jahre lang verbrauchsgünstige dieselmotoren importieren, der andere eine allianz mit renault unterschreiben, um zugang zum verbrauchsgünstigen kleinwagensegment zu bekommen.

NoComment
00
12.5.2011, 16:42

wie meinen's denn des mit dem "dieselmotoren importieren"? meinen's den toyota diesel für den mini? im 1er gabs meines wissen's nie einen nicht-bmw-motor.

uni versalis
00
12.5.2011, 18:36
ich mein den toyota und dann den psa-diesel für den mini

zuerst, bis 2006 den 75 ps von toyota, ab 2007 die 90 und 110 ps versionen von psa.
Seit irgendwann 2010 verbaut aber bmw einen eigenen neuen diesel.

NoComment
00
12.5.2011, 19:12

paaasst ich hab schon geglaubt ich hab eine wissenslücke bzgl 1er. wär ja auch gar net so einfach, einen motor für frontantrieb und querliegend in einen hecktriebler längsliegend einzubauen.

Parkschwein
12
12.5.2011, 09:11

wobei diese flottenverbrauchsrichtlinie ja wirklich äußerst hirnverbrannt ist ...

uni versalis
10
12.5.2011, 18:47
das stimmt sicher, vor allem das wie..

grundsätzlich sind verbrauchsreduktionen sinnvoll, nur kann man nicht den produktmix eines herstellers dafür verantwortlich machen. ziel der reduktionen sollten einfach für jeden motor in % angegeben werden und nicht für die flotte, ohne dass die anzahl bzw. gewichtung der jeweiligen verbauten motoren das bild verzerrt.

Parkschwein
11
13.5.2011, 12:45

das lässt sich meiner meinung nach sowieso nur über spritsteuern regeln - unter wegfall aller anderen kauf- stand- und besitzsteuern. es ist ja auch wurscht ob irgendein v10 im lambo jetzt 20% weniger braucht auf 100km, weil der ja auch nur 3000km im jahr bewegt wird, und das ist schon viel für so ein auto.

Raymond Domenech
01
12.5.2011, 15:53
Mich würde es ja brennend interessieren

woher die ursprüngliche Idee dafür kam.

Ich kann es mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, daß das Land von Porsche, Mercedes und BMW sich so etwas einfallen lässt.

Eher schon ein paar km westlich, die hätten ja auch beinharte wirtschaftliche Interessen den oben genannten Herstellern eine reinzuwürgen.

uni versalis
00
12.5.2011, 18:43
interessen gibts auf jeder seite

oder warum glauben sie hat frau merkel jahre lang alles unternommen, um flottenreduktionsziele überhaupt zu verhindern? sicher nicht weil gerade die deutsche automobilindustrie ein interesse daran hat.

zur info: solche maßnahmen werden nicht von einem staat im alleingang entschieden und gerade die betroffendsten konzerne bmw und daimler sind nicht gerade die direktesten konkurrenten der französischen hersteller. die lobbyingmacht dürften der deutschen konzerne dürfte nicht gerade die scxhwächste in brüssel sein.
freilich haben da emissionsvorgaben, kyoto etc. hineingespielt. ausserdem sind verbrauchsreduktionen immer zu begrüßen.

Raymond Domenech
01
13.5.2011, 11:39
Ja klar

wird das nicht von einem Staat entschieden, wenn es denn so wäre, könnte ja auch ein Staat opponieren.
Und es ist mMn in diesem Fall eher relevant, daß die Hersteller miteinander eben nicht konkurrieren.
Man sieht ja, daß BMW und Mercedes verzweifelt Know-How einkaufen müssen für Automobile, von denen sie keine Ahnung haben wie man sie richtig baut (Smart, oder das eigentlich beste Beispiel: Audi A1, ein Krapfen für die Statistik).
Während Hersteller wie PSA, Fiat oder VW mit ihren kleinen Diesel und Benzinern über die Flottenverbrauchsziele nur lachen können.
Diese Hersteller haben garantiert darauf gespitzt, den Premiumfirmen ihre Kleinwagen zum verwursten verkaufen zu können, nur waren die Japaner teilweise schneller.

Parkschwein
00
13.5.2011, 12:44

das ist der grund warums einen aston martin cygnet gibt ... als obs irgendwen interessieren was die für nen verbrauch haben bei AM.

(in österreich z.B. sind knapp 250 AMs zugelassen, von 4.4 mio kfz überhaupt)

Raymond Domenech
00
13.5.2011, 16:03
Ja der aufgepeppte IQ

wobei der ist schon wieder ein passender Beitrag zu dem Thema, so sinnlos ist der.

Ich glaube ja der A1 ist zT ernst gemeint, das macht den so traurig.

Hachigatsu
31
11.5.2011, 11:45

Nicht versucht - sondern geschaft. Im Vergleich "Leistung/Verbrauch" ist BMW weit weit vorne...

MovGP0
13
11.5.2011, 01:24

hoppala. hab ich das kommentar doch glatt als positiv bewertet. sorry ;)

tatsächlich ist BMW ja kein Vorreiter, sondern ein Nachzügler was die Einsparungen betrifft. Allerdings muss man BMW lassen, dass bei vielen Technologien ein Vorreiter sind.

Blutarsky
23
11.5.2011, 10:44
Vorreiter im Marketing

Keiner versteht es so gut die Einsparungen so gut zu vermarkten...

NoComment
01
11.5.2011, 11:33

was wiederum wurscht ist, weil die dinger in der realität, im gegensatz zu manch anderem hersteller, auch wirklich sparsam sind. und das bei motoren die gehen wie sau. ich hab u.a. einen 9 jahre alten diesel mit automatik, relativ viel ps und so ziemlich allen extras (gewicht), und das teil braucht etwas über 6l. einen neuen X3 mit 260 diesel-ps fahren's um die 7l. und dabei geht das teil aber dass ihnen hören und sehen vergeht. die autos werden ja auch selten wie ein rachitischer mercedes (nix gegen mercedes) durch die gegend getragen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 60
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.