Bisphenol A

Auch ohne Verbot kein Anlass zur Sorge

6. Mai 2011, 10:30

Die Entscheidung Bisphenol A in Babyflaschen zu verbieten, gründet nicht auf einem erwiesenen Risiko, sondern auf der Anwendung des Vorsorgeprinzips

Seit mehr als zehn Jahren wird kontrovers diskutiert, ob für Verbraucher eine Gesundheitsgefahr durch Bisphenol A (BPA) besteht. BPA ist ein Baustein zur Herstellung der weit verbreiteten Polycarbonat-Kunststoffe. Durch das jüngste Verbot der EU von Bisphenol A in Babyflaschen ist der Stoff erneut in die öffentliche Diskussion gerückt. Die Beratungskommission der Gesellschaft für Toxikologie hat vor diesem Hintergrund die aktuellen Forschungsergebnisse zu Bisphenol A kritisch geprüft und mögliche gesundheitliche Risiken bewertet. Die Ergebnisse wurden vor kurzem in den Critical Reviews of Toxicology publiziert (Hengstler et al., 2011).

Die Kommission kommt zu dem Schluss, dass bei der gegenwärtigen Höhe der Aufnahme von Bisphenol A über die verschiedenen Belastungspfade kein gesundheitliches Risiko für die Bevölkerung einschließlich Säuglingen und Kleinkindern besteht. Entscheidungen auch der EU, Bisphenol A in Babyflaschen zu verbieten, gründen nicht auf einem erwiesenen Risiko, sondern beruht auf einer Anwendung des Vorsorgeprinzips. Die Ergebnisse neuer Studien haben gezeigt, dass kein Anlass zur Sorge vor schädlichen Effekten auf die Entwicklung des ZNS, Verhalten oder auf die Prostata besteht. Damit wird erneut belegt, dass der in der EU gültige Grenzwert für die lebenslang tolerierbare tägliche Aufnahme (TDI) von 50 µg/kg Körpergewicht wissenschaftlich valide begründet ist.

Aussagen nicht haltbar

Kürzlich wurden gerade diejenigen tierexperimentellen Studien in Frage gestellt, aus denen die maximal tolerierbare tägliche Aufnahmemenge von Bisphenol A abgeleitet wurde. Die Beratungskommission hat in ihrer Publikation zahlreiche Kritikpunkte umfassend geprüft und kommt zu dem Schluss, dass die toxikologischen Prüfungen, auf denen der TDI beruht, sorgfältig geplant und durchgeführt wurden und damit zur Ableitung spezifischer Grenzwerte geeignet sind.

Von einigen Wissenschaftlern wurde angeführt, dass es auch bei Belastungen durch BPA unterhalb des TDI von 50 µg/kg Körpergewicht/Tag zu gesundheitlichen Schäden komme. Bei niedriger Konzentration könne sich sogar eine verstärkte Wirkung zeigen. Die Studien, aus denen diese Folgerungen abgeleitet wurden, erwiesen sich als nicht reproduzierbar oder waren unzureichend durchgeführt und/oder unvollständig dokumentiert. Die Beratungskommission kommt zu dem Schluss, dass diese Aussagen nicht haltbar sind.

Aufnahme zuverlässig abschätzbar

Beim Menschen ist die orale Aufnahme ein Hauptaufnahmeweg. Bisphenol A wird in der Leber zu nahezu 100 % verstoffwechselt; die unwirksamen Stoffwechselprodukte werden vollständig im Urin ausgeschieden. Daher kann durch die Bestimmung der Stoffwechselprodukte im Urin die Menge des oral oder über die Haut in den Körper aufgenommenen Bisphenol A zuverlässig abgeschätzt werden. Aus Biomonitoring-Studien geht hervor, dass die Belastung der Allgemeinbevölkerung gegenüber Bisphenol A mit unter 10 µg/kg Körpergewicht weit unter der tolerierbaren täglichen Aufnahme (TDI) von 50 µg/kg Körpergewicht liegt. Auch über die Haut kann BPA aufgenommen werden. Die Aufnahme über die Haut liegt neuesten Daten zufolge bei deutlich unter 1 µg/kg Körpergewicht.

Entgiftender Stoffwechselweg

Die effiziente entgiftende Verstoffwechselung von BPA führt zu einer sehr kurzen Verweildauer im Körper. Bei der Risikobewertung ist zu berücksichtigen, dass ein wichtiger Stoffwechselweg (die Glucuronidierung) beim Säugling in den ersten Lebensmonaten noch nicht die volle Aktivität wie beim Erwachsenen erreicht hat. Allerdings ist der zweite entgiftende Stoffwechselweg (die Sulfatierung) bereits voll aktiv. Studien unter Einsatz pharmakokinetischer Modellrechnungen haben ergeben, dass Bisphenol A von Säuglingen etwas langsamer verstoffwechselt wird als beim Erwachsenen. Aber auch unter Berücksichtigung dieser neuesten Arbeiten kann festgestellt werden, dass im Falle der Nutzung von Babyflaschen aus BPA-haltigem Kunststoff für Säuglinge kein gesundheitliches Risiko besteht.

Die Beratungskommission hat in ihrer Übersichtsarbeit die unterschiedlichen Reaktionen von Behörden in verschiedenen Ländern zusammengefasst. Die Entscheidung einiger Länder und auch der EU, Babyflaschen aus Polycarbonat zu verbieten, beruht auf einer strengen Anwendung des Vorsorgeprinzips. Wissenschaftlich begründet sind diese Verbote nicht. Die Beratungskommission stellt fest, dass auch ohne ein Verbot von Babyflaschen kein Anlass zur Besorgnis hinsichtlich einer gesundheitlichen Gefährdung der Bevölkerung inklusive der Säuglinge durch Bisphenol A besteht. Das gilt auch unter Berücksichtigung möglicher Effekte auf die Entwicklung, die Immunabwehr und die Tumorentwicklung beim Menschen, die bei der vorsorgeorientierten Entscheidung der EU-Kommission als „unsichere Bereiche" genannt wurden. (red)

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25 Postings
bisphenola
00

Kein gesundheitliches Risiko durch Bisphenol A:
Wer sitzt denn in der Beratungskommission, z. B. Dr.-Ing. Schweinfurth, Bayer Schering Pharma AG.

Mehr muss dazu doch nicht gesagt werden, vielleicht auch einmal diesen Beitrag lesen:

"It's just the same old industry nonsense,"...
Quelle: http://www.jsonline.com/watchdog/... 27289.html

Andreeeas
00
15.5.2011, 22:54

Haben's kein Sicherheitsdatenblatt zu Bisphenol A gefunden? Peinlich würde ich das nennen.

Barbarin
11
Gefahrgut Klasse 9...

...muss an Tieren getestet werden...darf in öffentlichen Geländen (Bahnhöfen) nicht zwischengelagert werden....giftig und sehr schädlich!
Fahrer braucht spezielles Fahrzeug mit Schutzkleidung und speziellen Löschgeräten und Kennzeichnung!

Sehr gefährlich, sehr giftig...daher auch Gefahrgut!

Bitte Zensi...das ist die Wahrheit! (2x Gefahrgutschulung hinter mir)

Andreeeas
00
15.5.2011, 23:05

In dieser Schulung dürften Sie geschlafen haben.

Ein bedenklicher Stoff ist es sicher, aber sehr giftig sicher nicht.

Barbarin
10
Zensi?

...bitte meine Antworten freigeben!

Barbarin
20
Nachtrag...

..ich schreibe hier von Kleinst(-mengen) und deren Gefährlichkeit, die ernorm und nicht zu abschätzen sind. (Atemorgane, Gene etc)

Wenn große Mengen austreten ist es Zeit für die Feuerwehr, Menschen (die es überlebt haben) evakuieren und goßzügig Erdreich entfernen und Beten!

Zensi...bitte das Gefahrgutblatt studieren!

Andreeeas
00
16.5.2011, 01:24

Sie selbst dürften das Gefahrenblatt falsch studiert haben. Lesen hilft!

Dirty Sanchez
 
00
Jepp,

wenn es sich um industrielle Mengen handelt, Gnädigste. Das trifft dann auch für Kraftreiniger auf Ammoniakbasis oder diverse Säuren zu, die man in der Drogerie kaufen und ohne jedweden Aufwand alleine selber nach Hause tragen darf. In Anlehnung an "Die Dosis macht das Gift" gilt hier "Die Menge macht die Gefahr".

Barbarin
30
...falsch...

...das Zeugs ist auch in kleinsten Mengen SEHR giftig, vor allem bzgl. der Atemorgane (auch Haut)

Austritt bei großen Mengen (wovon Sie sprechen): Wird die Gegend großräumig abgesperrt, die Menschen entfernt, mit Feuerwehr und Drama Wahnsinn...

Daher wird das Zeugs an Tieren getestet...die müssen nicht darin baden...kleinste Menge reicht!

LG
Barbara

Andreeeas
00
15.5.2011, 22:52

Die Spediteurin glaubt sich wieder auszukennen.

Bisphenol A wird zwar als gesundheitsschädlich, nicht aber als giftig deklariert. So wird es zwar mit dem Symbol Xn, nicht aber mit T markiert. Von SEHR giftig ist es dem entsprechend WEIT entfernt.

Es ist auch falsch, dass sie es oben als gefährlich für die Gene deklarieren, da es NICHT krebserzeugend ist. Sehr wohl allerdings ist es ein Reproduktionsgift, reizt Augen und Atemorgane - kurz unangenehm und schädlich.

All dies wurde übrigens einem Sicherheitsdatenblatt entnommen. So etwas ist hoffentlich auch Spediteuren bekannt. Zusammen mit der Fähigkeit zu Lesen sollten sich also Fehlinformationen, die Sie da auf Kronenzeitungs-Niveau verbreiten, vermeiden lassen.

metall81
00
13.5.2011, 10:44
Was sind...

..."kleinste Mengen"?

ken_park
12
mein gott ist das baby süss

The_new_number_2
02

Das Baby ist aber auch süss:

http://www.youtube.com/watch?v=m71U2jJp09w

Lilith Boessse
 
00
es frühlingt ;O)

Wolfgang.A.As
00
Selten hat der Körper nur mit einem Gift zu tun

Anbei Links zu unterschiedliche Interpretationen zu diesem Thema EU und Ärztezeitung...
http://www.aerztezeitung.de/panorama/... aputt.html

http://www.dge.de/modules.p... le&sid=908

http://www.ewg.org/minorityc... fullreport
Bei dieser Studie fand man bei Neugeborene 232 Gifte..

Rumo von Zamonien
02
Sehr schön.

Wir verzichten im Namen unserer Tochter trotzdem gerne ganz, mit 0 Verweildauer.

Lilith Boessse
 
01
a bißl grenzwerte hier, a bißl höchstwerte da

wird irgendwo die SUMME der menge an (gift)stoffen und deren gerade-noch-ungiftigen (höchst)werte eruiert?

Fried Locust
04

Hm, wenn man sich die arte-doku, die im april lief, "unser täglich gift" angesehen hat, mag man es nicht so recht glauben, dass bisphenol a nur wegen dem vorsorgeprinzip verboten wird.

http://www.youtube.com/watch?v=OXS6CyVp9dc 8 teile.

El-Salato
00

allein der anfang is schon so reißerisch...oh nein, 400 Mio Tonnen Chemie...soll die Welt schaun, wo sie ohne das Haber-Bosch-Verfahren (allein 100 Mio Tonnen Ammoniak) wär...

und schon mal überlegt, dass die leut heutzutage vl mehr krebs haben, weil sie älter werden?

natürlich sind synthetische gifte mit schuld, aber die präsentation in den medien is doch etwas einseitig

Fried Locust
00

Zuerst mal, die ganze doku ansehen und dann urteilen.

Und nur nebenbei, ich war in der chemischen industrie tätig (htl-absolvent), ich hab keine angst vor chemikalien. ;)

El-Salato
00

nagut, sollte ich in den nächsten tagen die zeit finden, schau ichs ma an und meld mich dann wieder...

ich reagier nur allergisch auf die art der berichterstattung über jegliches was mit chemie zu tun hat, seit ich in der Krone von "Titandioxid, welches beim Trocknen radioaktiv wird" gelesen hab...

schönen tag noch

Fried Locust
00

Grins, nein, diese dokumentation hat mit dem typischen kronestil nichts am hut.
Dass ein gewisser alarmistisch grundton darin vorhanden ist, muss klar sein. Eine solche doku wird nicht gemacht, wenn man nicht besorgt ist. *g*

Wappen hea
03
Unser täglich Gift

auch hier in voller Länge zu finden:

http://dokujunkies.org/dokus/men... -xvid.html

Fried Locust
00

Ah, danke. In der arte mediathek war die doku leider nicht mehr abzurufen.

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