Tunnelparadies Österreich

9. Mai 2011, 11:39
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In jüngster Zeit sind den Weltverbesserern in Verkehrsministerium und Asfinag die Ideen aus- und die Zusammenhänge verlorengegangen

Was waren das für Zeiten! Kaum den grünen Warnhinweis "Nach Kärnten" auf der Südautobahn hinter sich gelassen, begann der fürsorgliche Staat, sich um die Sicherheit seiner Vignettenzahler zu sorgen. Wohl kann man über die zu diesem Behufe ergriffenen Mittel trefflich streiten. Denn ein Totenkopf verhindert Verkehrsunfälle vermutlich ähnlich wirkungsvoll wie die geteerte Raucherlunge auf dem Zigarettenpackerl.

Über das Schild "Abstand halten" lässt sich ebenso witzeln wie über weiße Halbkreise, die im Nebel Orientierung bieten (angeblich). Angesprochen fühlen sich aber stets die Bedrängten, sie geben notorischen Dränglern und Zwänglern Bahn frei. Viel Blech und noch mehr PS machen den kleinen Mann zum Söldner

Trotzdem: Im Mittelpunkt derartiger Aktionen stand immer das Aufrütteln, die Warnung vor überhöhter Geschwindigkeit, quasi der gute Wille fürs (sündteure) Werk.

In jüngster Zeit sind den Weltverbesserern in Verkehrsministerium und Asfinag allerdings die halbwegs originellen Ideen aus- und vor allem offensichtlich die Zusammenhänge verlorengegangen. Die "Gib acht im Tunnel"-Schilder zum Beispiel sehen aus wie Wegweiser zum Maulwurfshügel. Das passt wenigstens zu ihrem Standort, so unmotiviert stehen sie in der Gegend herum. Der erste Tunnel ab Wien ist - erraten - im Semmering, aber nicht bei Guntramsdorf und definitiv auch nicht bei Amstetten.

Der Clou: Vor der Semmeringtunnelkette mahnt kein Schild vor wildgewordenen Tunneln. Der gemeine Steuerzahler fragt sich nun, ob im Tunnelparadies Österreich jetzt schon unschuldige Ortschaften eingehaust werden, damit sich die staatlichen Tunnelbauer vor ihrem Tunnelblick nicht fürchten. (Luise Ungerböck/DER STANDARD/Automobil/06.05.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Wo ein Tunnel, da kein Schild - und umgekehrt.

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