Psychologe: Gratis-Spiele im Netz für Kinder Vorstufe zum Glücksspiel

6. Mai 2011, 08:09
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Britischer Professor findet es "verantwortungslos", wenn Kids um Geldpunkte spielen - "Auch Kaugummi-Zigaretten haben wir verboten"

Glücksspiel wird digital. Im Internet schießen legale und illegale Pokersites wie Schwammerln aus dem Boden, auch auf dem Handy kann mittlerweile munter gezockt werden. Für spielsuchtanfällige Personen - insbesondere Kinder - kann dies gefährlich sein, sagte der bekannte britische Spielsuchtexperte Mark Griffiths im Gespräch mit der APA. Denn der virtuelle Roulettetisch ist 24 Stunden am Tag zugänglich, das Smartphone immer dabei. Das gelte auch, wenn nicht um echtes Geld gespielt wird. Kinder würden mittels Gratis-Spielen auf Facebook und Co. auf die Gambling-Kultur vorbereitet.

"Ich habe einen zehnjährigen Buben in meiner Verwandtschaft, der Online-Poker für Punkte spielt. Er gewinnt so einiges und kann es kaum erwarten, wenn er erwachsen ist und für echtes Geld spielen kann", so Griffiths, Professor an der Nottingham Trent University.

Bebo

Auch harmlos anmutende Spiele auf Social-Network-Sites können nach Ansicht des Psychologen als eine Art Vorstufe zum Glücksspiel gesehen werden. Als Beispiel nannte Griffiths ein bei britischen Volksschulmädchen besonders beliebtes Spiel im Netzwerk Bebo, bei dem Haustiere entworfen werden können. "Um den Tieren Dinge zu kaufen, brauchen sie 'Munny'." Zudem können die Figuren an Wettrennen teilnehmen, wobei ihre Besitzer viel virtuelles Geld darauf setzen können, dass ihr Tier gewinnt.

Verantwortungslos?

Griffiths nennt derartige Spiele "Pseudo-Gambling". Man könne nämlich auch abhängig werden, wenn nicht um echtes Geld gezockt wird.

"Ich persönlich finde es verantwortungslos, achtjährigen Mädchen zu erlauben, für Geldpunkte zu spielen", sagte Griffiths, der im Rahmen der "Responsible Gaming Academy" der Casinos Austria und Lotterien in Wien war. "Auch Kaugummi-Zigaretten haben wir verboten, weil wir nicht wollen, dass unsere Kinder so tun, als ob sie rauchen würden."

Angebote

Glücksspielanbieter sind seit einiger Zeit dabei, ihr Portfolio auszubauen, um neue Zielgruppen - speziell Frauen - anzusprechen. Griffiths spricht von einer "Feminisierung" des Glücksspiels. Viele Frauen fühlten sich online sicherer als in echten Casinos. "Frauen setzen aber nicht auf ein Manchester-Fußballspiel, sondern eher darauf, wer als nächster aus dem Big-Brother-Container fliegt oder wer den Oscar gewinnt. (APA)

  • Freundlicher Zeitvertreib für Kinder, oder die erste Vorstufe zum Glücksspiel: Online-Games in der Kritik.
    grafik: farmerama

    Freundlicher Zeitvertreib für Kinder, oder die erste Vorstufe zum Glücksspiel: Online-Games in der Kritik.

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