Austellung zur Habsburgermonarchie in der ÖNB

5. Mai 2011, 20:07
posten

Schau im Prunksaal zeigt einstige Versuche, Menschen, Länder und Völker der Donaumonarchie umfassend zu dokumentieren

Wien - Multikulturalität ist kein neues Thema. Das zeigt eine Ausstellung, die am Donnerstag von Bundespräsident Heinz Fischer im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) eröffnet wurde: "Altösterreich. Menschen, Länder und Völker in der Habsburgermonarchie" spannt einen Bogen von 1790 bis 1916 und zeigt verschiedene Versuche, die in der Donaumonarchie vertretene Vielfalt an Nationen, Ethnien, Sprachen, Traditionen, Religionen und Landschaften zu dokumentieren.

Von einer "Ausstellung für das Herz und den Verstand", sprach Hans Petschar, Direktor des Bildarchivs und der Grafiksammlung der ÖNB und Kurator der Schau, bei der Presseführung. Einerseits sind die gezeigten historischen Fotos und Kunstwerke durchaus kulinarisch und sind als Dokumente einer vergangenen Epoche ebenso zu genießen wie als Beweis der enormen Größe des einstigen Vielvölkerstaates. Andererseits erzählen die Ausstellung und der dazu erschienene Katalog auch von den Herausforderungen und vielfältigen politischen Implikationen der ambitionierten Projekte.

Statistische Daten als Staatsgeheimnis

So ereilte etwa der "Versuch einer Darstellung der österreichischen Monarchie in statistischen Tafeln", den Johann Nepomuk Freiherr von Metzburg 1829 unternommen hatte, ein ungewöhnliches Schicksal. Kaiser Franz I. zeigte sich in höchstem Maße erstaunt und angetan über die Fülle der auf 104 Tafeln aus allen Teilen des Reiches zusammengetragenen Daten - und erklärte sie sogleich zum Staatsgeheimnis. Das umfangreiche Zahlenmaterial erwies sich etwa für fiskalische Zwecke ebenso brauchbar wie für militärische, sollte jedoch keineswegs Unbefugten in die Hände fallen. Gedruckt wurden ganze sechs Exemplare, über deren Verteilung der Kaiser persönlich wachte.

Da war das "Kronprinzenwerk" schon ein ganz anderes Unternehmen. Die 1883 von Kronprinz Rudolf in Auftrag gegebene erste landeskundliche Enzyklopädie über die Kronländer, Völker und Landschaften der österreichisch-ungarischen Monarchie war das größte publizistische Unternehmen seiner Zeit und wurde zum Bestseller: Bis 1902 erschienen 24 Bände mit über 16.000 Seiten und 4.500 Illustrationen, mehr als 430 Autoren, 260 Künstler sowie die besten Wissenschafter der Monarchie widmeten sich dem Vorhaben, das Leben der Bevölkerung in allen Teilen des Reiches ebenso festzuhalten wie die Landschaft und Natur.

"Die Probleme der kulturellen Diversität sind von bemerkenswerter Aktualität", betonte ÖNB-Generaldirektorin Johanna Rachinger den aktuellen Bezug der bis 30. Oktober laufenden Ausstellung. Schließlich gehe es heute darum, "kulturelle Vielfalt in einer multikulturellen Europäischen Union als Chance zu sehen". (APA)

  • Kronprinz Rudolf bei einer Redaktionssitzung; Holzstich nach einer Zeichnung von Wilhelm Gause aus dem Jahr 1886. Der einzige Sohn von Kaiser Franz Joseph I. gab 1883 die erste landeskundliche Enzyklopädie über die Kronländer, Völker und Landschaften der österreichisch-ungarischen Monarchie in Auftrag.
    foto: österreichische nationalbibliothe

    Kronprinz Rudolf bei einer Redaktionssitzung; Holzstich nach einer Zeichnung von Wilhelm Gause aus dem Jahr 1886. Der einzige Sohn von Kaiser Franz Joseph I. gab 1883 die erste landeskundliche Enzyklopädie über die Kronländer, Völker und Landschaften der österreichisch-ungarischen Monarchie in Auftrag.

Share if you care.