Das Unbegreifliche

5. Mai 2011, 19:42

Es jährt sich die Niederlage des Dritten Reiches - Im Parlament sprach Autorin Ruth Klüger

Es jährt sich wieder die Niederlage des Dritten Reiches. Im Parlament sprach die Autorin Ruth Klüger, eine Überlebende, die mit zwölf ins Lager kam und in einem weltberühmten Buch - "weiter leben" - darüber berichtet hat. Für sie ist der "Kern der Sache" nach wie vor "unbegreiflich" - "Wie kam es zum Völkermord?" "Wirtschaftliche Gründe reichten nicht hin, denn es gab ärmere Länder, wo so etwas nicht passierte. Unwissenheit erklärt die Handlungsweise der Täter nicht, denn sie hatten ein relativ hohes Bildungsniveau. Sie hatten entweder eine religiöse oder eine humanistische Erziehung gehabt, die leider nicht standhielt."

"Weder andächtiges Schweigen noch Reue, Andacht oder auch Hass und Verachtung geben uns Antwort. Und so belassen wir es bei der festen Überzeugung, dass jetzt alles anders ist. Das stimmt sogar, ich muss mich nur umschauen und an das Wien meiner Kindheit denken." Jedoch: "Wir sind nicht vorprogrammiert, ein Rechtsstaat bleibt nicht unbedingt ein Rechtsstaat, seine Bewohner können ihre Vorstellungen und Absichten jederzeit auch anders überlegen." Sie habe keine Erklärung - "und gewiss keinen Trost" - gefunden.

Aber es bleibe die Hoffnung, "dass weiteres Forschen, Dichten, Nachdenken und Diskutieren zu einer Erhellung unseres Tuns und Lassens und der Möglichkeiten und Grenzen unse-rer zwielichtigen, zweideutigen und zwiespältigen menschlichen Freiheit führen mögen".(RAU, DER STANDARD; Printausgabe, 6.5.2011)

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Das Problem ist leider, dass der durchschnittliche Wiener FPÖ-Wähler

mit diesen schöngeistigen Reflexionen nichts anzufangen weiß. Der interessiert sich auch nicht für Nationalsozialismus oder Faschismus, sondern leidet einfach nur an einer gesellschaftlich tradierten und von ihm vollkommen unreflektierten Xenophobie sowie einer generellen Angst vor Veränderungen.

Und eigentlich will er nur, dass in seinem Grätzel alles so bleibt, wie er es gewohnt ist und dass ihm bitte bloß niemand in sein Schrebergarten-Weltbild spuckt. That's it.

Der intellektuelle Zugang zu diesem Problem ist von vornherein zum Scheitern verurteilt, weil die handelnden Personen (Wähler) nicht einmal lesen, was wir hier von uns geben, geschweige denn es verstehen könnten.
Und das weiß auch ein Herr Strache...

waehrend die intelletuelle elite noch gebannt in die vergangenheit blickt, hat sich laengst eine wesentlich gefaehrlichere bewegung gebildet, die abermals von den intellektuellen verharmlost wird. ihre mystische symbolfigur wurde vor einigen tagen beseitigt, waehrend ihre organisation von tag zu tag staerker wird. heute gehoert ihnen pakistan und morgen die ganze welt.

Schlecht könnt einem werden, wenn man Ihr Geschwurbel liest!!

http://tinyurl.com/6gy4k83

Immer wenn der Neonazi-Freund Winerib

sich zu NS-Themen äußert, wünsche ich mir eine Verschärfung des NS-Verbotsgesetz:

http://derstandard.at/plink/129... 8/19307760

Was sagt der Winerib eigentlich dazu, dass sein Kumpel gerade wieder wegen Wiederbetätigung einsitzt?

Den Nationalsozialismus als "Unbegreifliches" zu titulieren, als "Nicht-Darstellbares", oder mit einem Bilderverbot zu belegen, ist ja eine mittlerweile schon lang anhaltende Tradition im intellektuell-kritischen-philosophischen,

sogar im ästhetischen Diskurs. (Darf man ein Gedicht über Auschwitz schreiben?)

Ruth Klüger ordnet sich nur in diese Tradition ein, wenn sie es hier noch einmal sagt.

Trotzdem haben sich die Philosophen die Finger wund geschrieben mit Erklärungen des Faschismus, von Popper bis Adorno, links und rechts, außerdem gibt es zuhauf soziologische, ökonomische, psychologische und psychoanalytische Erklärungen.

Inwieweit ist diese Rhetorik vom "Unbegreiflichen", der auf der NS-Zeit lastet, also gerechtfertigt?

Ist die Rhetorik des "Unbegreiflichen" nicht eher nur als ein symbolisches Ritual zu verstehen, das an unsere Schuld erinnern soll?

In Wahrheit ist der Faschismus auch nicht schwerer zu begreifen als andere Grausamkeiten der Menschen.

"Wir sind nicht vorprogrammiert, ein Rechtsstaat bleibt nicht unbedingt ein Rechtsstaat, seine Bewohner können ihre Vorstellungen und Absichten jederzeit auch anders überlegen."

gerade jetzt wieder schön zu beobachten. wenn's nur die "richtigen" trifft, nimmt man es mit den hehren prinzipien halt nicht mehr so genau.

Un am nächsten Sonntag wird Strache am Heldenplatz eine Rede halten, bei der er der vermeintlichen Helden des Endsiegs gedenkt. Darauf drei Bier.

ernsthaft?

und keiner verbietet das? unglaublich!!!!

Meinen Sie das ernst?

Ich denke wenn sie sich öffentlich zum Kasper machen, dann reduziert das den Zulauf.

solche Reden sind gefährlich

Wenn man den Faschismus und Holocaust als "Unbegreiflich" erklärt, macht man ihn gefährlich, weil er wird dann so dargestellt als sei er plötzlich ohne Genese in der Welt gewesen.
Damit beraubt man sich von vorn herein der Möglichkeit etwas dagegen zu tun, da er in seinem Werden nicht erkannt werden kann. Damit sabotiert man die gesamte Forschung.
Auch wenn die ökonomischen, soziologischen und politologischen Begründungen nicht ausreichen mögen, so geben sie Hinweise und die Aufmerksamen Beobachter des Weltgeschehens können diese auf aktuelle Entwicklungen beziehen und deren gefährliches Potential darstellen.
Wenn aber alles Unbegreiflich ist, dann kann man auch die Augen verschließen und warten bis sich der Faschismus wiederholt.

Ich finde dennoch, dass es trotz der gut erforschten Ursachen einen inneren Kern gibt, der unerklärlich bleibt.

Es ist mir, der ich mich mit dem Stalinismus beschäftige, zB nicht erklärlich, warum es 1937/38 zu diesem Blutrausch kommen musste. Und ich kenne keinen,der mir dies letztgültig erklären könnte.

Auch im Falle des NS "verstehe" ich nicht, warum das, was nicht hätte passieren dürfen (H. Arendt), alles "nötig" war. Ich denke schon, dass es eine gewisse Grenze des Verstehbaren gibt - einfach aus dem Grund, weil wir heute andere Menschen sind als damals.

Das heißt noch lange nicht, dass man faschistoide Tendenzen übersieht oder die seriöse Forschung sabotiert.

Mir scheint, Ruth Klüger sprach über diesen Punkt.

wenn das so gemeint ist

mag ich Ruth Klüger und Ihnen gerne zustimmen.

Ich denke aber so betrachtet bleibt alles Handeln von Individuuen und Gemeinschaften letzlich unbegreiflich.
Warum habe ich mich für zwei Kinder entschieden? Warum arbeite ich in diesem Job? Warum vertrauen die Menschen dem Geldsystem?

dh es geht dann um die Unerklärlichkeit des menschlichen Rätsels selbst.

Naja, auf diese elementare Stufe der individuellen Lebensgestaltung in Friedenszeiten würde ich es dennoch nicht herunterbrechen.
Zweifellos aber leitet das menschliche Handeln ein je unterschiedlich strukturierter Glaube. Aber darum ging es mir nicht primär.
Ich wollte nur den, wie Sie ja richtig schreiben, potentiell gefährlichen Begriff des Unbegreifbaren resp Nichtsagbarn im Fall von Ruth Klüger etwas kontextualisieren, weil ich nicht davon ausgehe, dass sie ein unterkomplexes Verständnis der Terrorgeschichte hat.
Es ist natürlich immer eine Schwierigkeit, Strukturanalysen mit Mentalitätsgeschichte und kollektiver Psycholgie zu verbinden. Man muss es wohl immer wieder versuchen,um mehr zu erfahren.

Zu welchem Blutrausch kam es 1937 - 1938???

Der Große Terror in der UdSSR

Sie sprechen mir aus der Seele

"Unbegreiflich" - ist das alles nicht, wenn man sich mit der Geschichte nur ein wenig befasst.

Die ganze "Hitlerei" kam nicht aus dem Nichts.
Da ist vorher sehr viel schief gelaufen, damit "die breite Masse" dem "Führer" gefolgt ist.

Und jetzt zum "Jetzt":
Die Skandale in Österreich werden immer größer. Dass offensichtliche Verbrecher jahrelang frei herumlaufen können, hat den Ruf der Ö-Justiz fast unwiderruflich ruiniert.

Der Lügen in der (EU-)Wirtschaftspolitiker sind nicht mehr zu vertuschen.

Die Lügen der USA-Administration - alleine der letzten Woche - durchschauen bereits die Dümmsten. Nachsatz: Manche Kommentatoren verteidigen sie (noch immer).

Ein Ruf nach einem "starken Mann" ist daher nicht "Das Unbegreifliche".

teil2

wenn ueberhaupt, dann als mensch ist eine armselige kreatur. und wer andere klein machen muss wird selber nie gross werden. stattdessen sollten wir danach streben jeden tag besser zu werden, als menschen, als freunde, als arbeiter, als partner, als elterteil, als sohn oder tochter, als mitglied seiner umgebung, und natuehrlich auch nicht zu letzt als liebhaber/oder in. wer dann noch zeit hat (dazu muss man schon eine menge haben) kann dann noch versuchen christ, moslem oder budhist zu sein. und bleibt dann noch zeit (die meisten schaffen schon eines nicht) kann noch versuchen ein besserer oesterreicher zu werden. aber wenn er das vorher jeden tag gemeistert hat, ist das dann das wenigste.

nun das der natinallismus und seiner folgen

aufgrund der nachsicht der aliierten und der selbstluege der deutschen (dolchstosslegende) noch starke blueten getrieben hat ist schwer verstaendlich aber begreifbar. das es aber eine vernichtungsmaschinere und eine pseudorelgion mit ihrem wahn aufgerufen hat ist unbegreiflich. systematisches ausloeschen von menschen ohne grundlagen. wer jemals mein kampf gelesen hat oder als hoerbuch (am besten von somuncu) fragt sich wie das witzbuch jemand ernst nehmen konnte. und der nationalsmuss ist NICHT ueberwunden. die EU ist ein weg dazu, ein agieren von berlusconi und sakozy, merkel und dem der vor kurzem da die wahl im norden gewonnen hat. sorry aber wer sich zuerst als oestereicher oder deutscher oder sonst was fuehlt und erst in 2ter line

Hitler war keine Antwort auf Verbrechen und Lüge

Er war selbst ein Verbrecher und ein Lügner.
Es ist allerdings unbegreiflich, warum dieser Unterschied von so manchen noch immer nicht begriffen wird.

Ein Ruf nach einem "starken Mann" ist daher nicht "Das Unbegreifliche".

der ruf nach dem "starken mann" ist nicht "unbegreiflich" - der ist unbegreiflich dämlich, sonst nix.

abgesehen von ihrer litanei über gott & die welt, was sollte dieser "starke mann" besser machen? und warum sollte er es besser machen?

und de ganz wesentliche punkt: wie wird man den starken mann wieder los, wenn sich zeigt, dass er genau so ein depp ist wie seine vorgänger?

Ich wünsche mir "bei Gott" keinen "starken Mann",

Aber durch eine "Trottel-Politik" - wie derzeit - wird er nicht zu verhindern sein.

Wenn man die Vergangenheit betrauert - was ja ok ist - aber die Probleme "des Heute" nicht wirklich sieht / sehen möchte, nicht dagegen kämpft, ist die Gefahr sehr groß, dass sich die Geschichte eines Tages wiederholt.

Ich bin vollkommen bei Ihnen, dass es fast unmöglich ist, einen "starken Mann" wieder loszuwerden. Darum helfen Sie mit, dass das Volk nicht nach so einem Typen schreit.

Fordern Sie auch Ehrlichkeit und Gerechtigkeit - auch wenn es ein Kampf gegen Windmühlen ist.

Und wiederum senkte Österreich sein Haupt in Demut und bekannte seine Schuld, seine Schuld, seine übergroße Schuld.

Bestaunt ob dieser Kuriosität von aller Welt, die sich einst oder derzeit in gleichen Taten und Plänen üben, und nicht im Geringsten ihr Gewissen belastet fühlen.

Landläufig wird es immer so dargestellt

Das es so weit kommen konnte lag vor allem an den wirtschatlichen Vorraussetzungen und einer großen Massenarmut.

Und überwunden ist der Faschismus im Westen noch lange nicht, oder wie soll man das interpretieren wenn die deutsche Kanzlerin sich über den Tod bin Ladens freut oder der niederösterreichisch Landeshauptmann von artfremden spricht...?

schaffen sie auch den spagat vom faschismus zu nicht-veganern?

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