Gaddafi kann warten

5. Mai 2011, 18:09

Die Libyen-Allianz spricht sich in Rom Mut zu, aber ihr läuft die Zeit davon

In Libyen müsste es jetzt vor allem schnell gehen. Das Mandat der Vereinten Nationen zum Schutz von Zivilisten sei, wenn nötig, auch etwas extensiver auszulegen. Die Intervention müsse ein rasches Ende finden. Das sagte der Vorsitzende der renommierten Münchener Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, zuletzt sinngemäß im Standard-Interview. Denn die Gefahr, dass die Allianz gegen das libysche Regime zu bröckeln beginnt, werde mit jedem Tag größer.

Die Signale allerdings, die am Donnerstag von der sogenannten Libyen-Kontaktgruppe aus Rom kamen, lassen nicht viel Hoffnung auf eine kurzfristig erreichbare Entscheidung in Libyen aufkeimen.

Viel Neues fiel der Anti-Gaddafi-Allianz beinahe zwei Monate nach Beginn der Militäraktion nicht ein. Die allgemeine Formel lautete: "Der diplomatische und der militärische Druck müssen erhöht werden." Wie genau das gehen soll, blieb ebenso im Vagen wie die exakte Dotierung jenes Sonderfonds, der die Kosten der Aufständischen in Bengasi decken soll.

Nach dem Angriff auf die Machtzentrale Gaddafis in Tripolis vom Wochenende sind keine weiteren Schläge gegen dessen Kommando- und Kommunikationsinfrastruktur erfolgt. Nato-Bodentruppen in Libyen stellen vorerst weiter keine realistische Option dar. Und die militärische Aufrüstung der Aufständischen scheitert an deren Unvermögen und dem verständlichen Misstrauen, dass der Westen ihnen gegenüber hegt. Sie mit "nicht-tödlichen Mitteln" (Hillary Clinton), also nicht mit Waffen, zu unterstützen mag weise sein. Geld aus Katar und Kuwait alleine allerdings entscheidet noch keine Kriege.

Insofern mag die Einschätzung der französischen Regierung, dass diese Intervention noch einige Monate dauern wird, überoptimistisch sein. Muammar al-Gaddafi und seine Leute können nicht nur warten, sie müssen auch ausharren. Eine andere Option haben sie derzeit nicht.

Aus dieser Sicht kann sich das Patt in dem nordafrikanischen Land noch lange hinziehen. Und Ischingers Befürchtungen könnten sich in der Tat schneller realisieren, als dem Libyen-Bündnis lieb ist. In Russland und China wird die Kritik ohnehin schon lauter, die Araber und ihre Liga sind unsichere Kantonisten. Sobald sie sich aus der Allianz verabschieden, ist an einen Erfolg für die Mission kaum noch zu denken.

Die Einzigen, die die Lage entscheidend beeinflussen können, sind die Amerikaner. Mit ihrer Strategie der Zurückhaltung wollten sie bisher nicht nur ihre Kräfte schonen, es ging auch darum, den Europäern - allen voran den Franzosen - vorzuführen, dass die europäische Sicherheitspolitik noch immer von den US-Streitkräften abhängt. Das ist ihnen nach nur wenigen Wochen Militärkampagne eindrucksvoll gelungen. Wie bei den Balkankriegen in den 1990er-Jahren sind die Europäer nicht imstande, in ihrer unmittelbaren Interessensphäre für Ordnung und Sicherheit zu sorgen.

Die Frage ist, wie lange die Operation "Odyssey Dawn" noch dahinplätschern kann, ohne dass Europa und letztlich auch die Vereinigten Staaten eine schmerzhafte Niederlage erleiden. Und die Frage ist weiter, wie lange die eigentlichen Adressaten der Intervention, die Zivilisten etwa in Misrata und Zintan, dem Druck der Gaddafi-Schergen noch standhalten können. Gibt es einen größeren Zynismus, als einem Massaker unter einer Flugverbotszone tatenlos zuzusehen? (Christoph Prantner/DER STANDARD Printausgabe, 6.5.2011)

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1 2
Mops
01
Scheinbar gibt es schon Bodentruppen

“Troops are already on the ground there, but this has not been revealed,” claims Claude Moniquet, from the European Strategic Intelligence and Security Center.

Die westlichen Demokratien schauen auf ihre Bevölkerung :-)

“France says it doesn’t have enough funds for retirement [funds], pensioners must tighten their belts. But it now spends over 30 billion euros a year on defense,” says Pauline Imbach from the Committee for the Abolition of Third World Debt.

Quelle RT.com
http://rt.com/news/fren... n-defense/

Bedenkenträger
00
10.5.2011, 22:24
Wurde ja schon von langer Hand...

...vorbereitet. Aber wer glaubte das damals schon...

http://www.doppelklicker.de/NATO-Bode... 776.0.html

Die Ente Lippens
02
Die Rebellen sind alle Mini Ghaddafis, die bis vor drei Monaten von ihm durchgefüttert wurden und eifrig mitgefoltert haben. Jetzt die grossen Freiheitshelden, denen man milliarden hinterherwerfen soll.

Hans Vogel
01
Eine Bande

bekämpft die Andere.
Es ist nur die Frage ob die Rebellen besser sind. Wahrscheinlich wollen sie jetzt die große Diktatoren spielen. Demokratie wird es dort nicht so schnell geben.

Bruno Flex
01
"... sind die Europäer nicht imstande, in ihrer unmittelbaren Interessensphäre für Ordnung und Sicherheit zu sorgen"

Die Europäer haben offenbar zu wenig Übung im Töten und Bombenwerfen, um für "Ordnung" zu sorgen.

Wird schon werden. Europa wird nicht nur am Hindukusch, sondern auch in Tripolis, demnächst auch in Damaskus verteidigt, gell? Da ist noch viel Platz und Zeit fürs Bombentraining.

elento
 
00
Niederlage?

Bei allem was im obigen Artikel wahr ist. eine Niederlage der USA bzw. der EU-Protagonisten wird es wohl kaum geben.... Lybier im weißen Haus und in der Downing Street?

elento
 
00

Libyer ..... wieder mal verwurxelt

skyrock
00
Muammar al-Gaddafi und seine Leute können nicht nur warten, sie müssen auch ausharren

falls er noch lebt

Jean Rosjcni
03
Mir tut sie ja soooo leid, die Allianz

Ob sie's nur aushält, die Allianz, das ist die wirklich drängende Frage. Denn der mächtige Gadaffi mit seinen unermeßlichen Resourcen ist ja den kleinen USA und der winzigen EU haushoch überlegen. Mittel ohne Ende, Personalreserven ohne Grenzen, die neuesten Waffen, Geheimdienste auf der ganzen Welt, nicht zu reden von den vielen Militärbasen allüberall, er beherrscht die Meere und den Luftraum, Ob die USA und die EU diesem furchtbareb Druck standhalten ist natürlich mehr als fraglich. Unsere Herzen und Sinne stehen aber allemal beim David der gegen den Goliath Gadaffi kämpft.

Fritz Wunderlich
33

die "europäer"
tatsache ist, dass frankreich und deutschland über libyen völlig zerstritten sind
italien hat sich für sarközys vorpreschen gerade mit den visa für tunesier revanchiert
usw.
es geht um den führungsanspruch in der eu, und frankreich versus deutschland heißt das game
überzogen antiimperialistisch formuliert osteuropäischer hinterhof versus afrikanischer

Quartz1
03
Kommentare hui - Artikel pfui

Die Kommentare vieler Zeitungs-Onlineausgaben sind weitaus informativer und zeugen von mehr Weitsicht als altbackene Journalistenartikel, deren Autoren weder Recherche noch Ernsthaftigkeit ihrer sogenannten Berichterstattung einen Pfifferling wert ist.

Bestes Beispiel: Hier. Es reicht, die Kommentare zu lesen, der Artikel ist bestenfalls Zier.

Und jedem seine eigene Busspur
33
Umgekehrt, nicht schnell sondern Behutsam!

Und der Schlange einmal den Kopf abschlagen!
Jeder Tag den es dauert, kostet den irren Zeltbewohner Millionen. Seine Einnahmen dürften nahe Null sein. Die Zeit arbeitet für die Rebellen. Allerdings widerhole ich: Bitte nicht überrascht sein, wenn es vorerst einmal schlimmer kommt (siehe frz. Revolution) bevor es besser wird....

Martin Müller10
 
54
Die NATO hat sich vor den Karren der Rebellen spannen lassen

deren Legitimität mindestens so Fragwürdig ist wie die Gaddafis. Jetzt müssen sie die Suppe eben auslöffeln. Leider am Rücken der libyschen Bevölkerung.

Franz Kohlegger
35
Am zynistischen ist der Journalist

Zitat: "Gibt es einen größeren Zynismus, als einem Massaker unter einer Flugverbotszone tatenlos zuzusehen? "

JAWOHL!

Es gibt noch einen viel groesseren Zynismus, und zwar in Syrien bei den echten Massakern die Augen zumachen und nur ueber "potentielle" Massaker in Libyen zu schreiben.

Soviel Zynismus wie bei Prantner gibt es auch selten.

Prof Bingo Bongo
20
Der Westen sollte Truppen nach Libyen schicken

Und Gaddafi festnehmen, damit ihm wie Saddam der Prozess gemacht werden kann.

Austronaut
04
Richtig !

Unser Bundesheer hat momentan sowieso ein Problem sich zu positionieren. In Lybien kann es zeigen welch Potential drin steckt. Und sie können gleich mitfahren. Es lebe Lybien, es lebe die Freiheit und es lebe die österreichische Befreiungsarmee unter Ihrer Führung.

santa fe
 
49

der westen setzt auf panislamischen bürgerkrieg und holt in syrien und pakistan bereits weiter zu einem als entscheidend eingeschätzten schlag gegen das regime im iran aus, das ebenfalls mit bürgerkrieg sturmreif geschossen werden soll. die komplette destabiliserung der region zwischen mittelmeer und indien soll die kontrolle über die wichtigsten erdöllager der erde ermöglichen.

seit der wirtschaftskrise hat die finanzindustrie und insbesondere die ölbranche ihre gewinne vervielfacht und droht trotzdem endgültig zu kollabieren. sie setzt auf rohstofferoberung, kriegs-und nachkriegskonjunktur.

die ärmsten bezahlen mit weiterer verelendung und im kampfgebiet auch mit ihrem leben.

sozialer/globaler friede:

BEDINGUNGSLOSES GRUNDEINKOMMEN

Fritz Wunderlich
61

glauben sie wirklich, dass der "westen" (seltsames konstrukt - ein rassistisches oder ein politisches, auf jeden fall ignoriert es die "vielfältigkeit") ein so rationales, weitreichendes, kostspieliges programm zur herrschaftssicherung erstellen und durchführen kann?
welche indizien außer ihrer spekulation können sie dafür anführen?
wenn man sich das deutsche verhalten in libyen ansieht, dann sind auch sie von dieser "westlichen" strategie kalt erwischt worden
und dass obwohl sie an die meisten der regime in dieser region waffensysteme liefern, bei einigen geben sie sogar personelle unterstützung

papst benedikt
07

"der westen" ist vor allem anderen ein "ökonomisches konstrukt" mit politischer absicherung desselben. eine interessensgemeinschaft kapitalistischer prägung. seine "vielfältigkeit" spielt sich innerhalb enger ideologischer grenzen ab, die vom wirtschaftlichen system kontrolliert, und die mittels idealistischer abstraktionen schöngeredet werden.
indizien? "scheinbar" andere ideologisch-politische systeme von china bis russland, von saudi arabien bis indien sind tatsächlich längst im selben boot, - es besteht einigkeit über die grundsätzliche richtung.
nur wer sich dieser hegemonie substantiell verweigert, läuft gefahr, "bestraft" zu werden.

papst benedikt
05

zur "substantiellen" verweigerung kann man beispielsweise nachoogeln, welche staaten mitglied der WTO sind und welche nicht. und es ist sicher nur zufall, dass ausschliesslich nichtmitglieder in den letzten jahrzehnten bis zum heutigen tag "sanktioniert" oder "attackiert" wurden/werden...

Fritz Wunderlich
10

russland als nichtmitglied wurde sanktioniert? aha
kuba als mitglied wurde nicht sanktioniert? aha

so ist das, wenn leute wie sie in idealistischen feindkonstruktionen hausen, aber nicht in der materialistischen realität
sie produzieren müll, keine analysen

Fritz Wunderlich
40

schöne phrasen, wenig substanz zu meienr frage

Fritz Wunderlich
10
10.5.2011, 13:15

bebedictus und der zensor bilden wohl eine landserheftlesegemeinschaft
:-))
zwischen achtmal und zehnmal zensuriert
das wird rekord

ff ff1
 
00
Ich würde gerne lesen, wieviele bewaffnete Rebellen mit den Schiffen ankommen, wieviele Granaten und Mörser, etc..

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