Moskitosound und juvenile Gickser

5. Mai 2011, 17:42
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Tatjana Lackner, Politiker-Profilerin, analysiert die politische Rhetorik der ÖVP-Neuzugänge

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Beteuerungsarien und Stehsätze

Johanna Mikl-Leitner besitzt ein etwas gewöhnungsbedürftiges Organ. Die Stimmauffälligkeit war auch bei ihrer Antrittsrede im Nationalrat für jedermann bemerkbar. Über einhundert Muskeln sind für die gelungene Bildung eines einzigen Lautes erforderlich. Um stimmhafte Töne zu produzieren, muss Luft die Stimmlippen in Schwingung bringen wie beim Rohrblatt und der Klarinette. Je entspannter die Stimmlippen sind, desto langsamer schwingen sie. Auch die Spontansprache wird durch die richtige Verwendung des Sprechapparates tiefer und angenehm voll. Gerade bei Frauen klingen dunkle Stimmen stets kompetenter, überzeugender und schaffen leichter Vertrauen.

Die gelernte Wirtschaftspädagogin Mikl-Leitner erinnert sowohl körpersprachlich als auch rhetorisch an eine jener ehrgeizigen Lehrerinnen, die stets zu laut und krächzend hoch reden. Dieser "Moskitosound" macht Zuhörer unruhig und lenkt vom Inhalt ab.

Nachdem die neue Innenministerin an Worten nicht spart, fällt ihre Stimmschulung unter ÖVP-Wählerbindung. Auch ihr eindringlich mahnender Rededuktus passt zur Hardlinerin für Inneres. Die politische Rhetorik klingt bekannt und erinnert auch inhaltlich an den Kurs der Vorgängerin Maria Fekter. Mikl-Leitners Beteuerungsarien und Stehsätze wirken wenig bildhaft.

Die neue Innenministerin versteht sich als "Sicherheitsministerin" und mag bestimmt eine emsige Arbeiterin sein, Elegance und kosmopolitisches Auftreten sind jedoch nicht die Steckenpferde der Niederösterreicherin.

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