Bankenhilfe kostete bisher 1,4 Milliarden Euro

5. Mai 2011, 17:55
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2,4 Milliarden an Mehrkosten sind Österreich bis Ende 2010 entstanden, Frankreich hat hingegen ebensoviel verdient

Wien - Bankenhilfspakete müssen nicht zwingend Mehrkosten verursachen. Wie eine aktuelle Auswertung des EU-Statistikamtes Eurostat zeigt, haben die Franzosen in den Jahren 2007 bis 2010 rund 2,4 Milliarden Euro mehr aus den Bankenpaketen lukriert als sie dafür ausgegeben haben. Im Plus sind laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung auch die Spanier, Dänen und Griechen.

Möglich ist das, weil die Staaten die Mittel am Markt zu günstigeren Konditionen aufnahmen als sie den Hilfe suchenden Instituten verrechneten. So haben in Österreich fünf Banken (Raiffeisen, Erste, Volksbanken, Bawag, Hypo Kärnten) Partizipationskapital vom Staat bekommen - dafür müssen sie aber zwischen acht und 9,3 Prozent Zinsen bezahlen.

Die Bankenhilfen sind hierzulande bisher trotzdem ein Verlustgeschäft. Die Mehrkosten lagen Ende 2010 nach Angaben von Eurostat bei 1,4 Milliarden Euro. Der Grund dafür ist, dass Hypo und Volksbanken AG bisher ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen konnten und auch durch die Zwangsverstaatlichung der Hypo sowie der "Bad Bank" der Kommunalkredit erhebliche Mehrkosten angefallen sind. Ob die Hilfen für Österreich noch zum Geschäft werden, hängt also wesentlich davon ab, zu welchem Preis Hypo und Kommunalkredit verkauft werden können.

In Relation zur Größe des Landes fallen die Mehrkosten in etwa gleich hoch aus wie in Deutschland. Der Bundesrepublik, die vor allem für die Hypo Real Estate, die Commerzbank und einige Landesbanken einspringen musste, kosteten die Hilfsmaßnahmen bisher 16,6 Milliarden Euro.

Profiteure der Bankenhilfen

Die mit Abstand größten Kosten hatte weniger überraschend Irland. Der "keltische Tiger" musste nicht zuletzt wegen der massiven Bankprobleme unter den Euro-Rettungsschirm flüchten.

Gemessen an der Wirtschaftskraft des Landes ist übrigens die dänische Regierung größter Profiteur der Bankenhilfen - mit 0,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). In Frankreich, Belgien, Spanien, Slowenien und Schweden waren es jeweils 0,1 Prozent des BIP.

Eurostat hat in seinem Vergleich freilich nicht die sogenannten Opportunitätskosten berechnet, die aus Ökonomensicht dadurch entstehen, dass das der Staat das Geld für eine andere Verwendung hätte ausgeben können. Bis auf Bulgarien, Tschechien. Estland. Malta, Polen, Rumänien und die Slowakei haben alle anderen EU-Mitgliedsländer Hilfspakete geschnürt. (go, DER STANDARD,Print-Ausgabe, 6.5.2011)

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