Mondsüchtig

5. Mai 2011, 17:55
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Das kalifornische Moon Duo zieht auf "Mazes" mit einfachsten Mitteln mächtig dröhnende psychedelische Soundwände auf

Wenn es einem dort, wo man wohnt, gefällt, kann man sich einen Umzug sparen. Luftveränderung wird überwertet. Man kann ja schlecht vor sich selbst weglaufen. Das US-Paar Ripley Johnson und Sanae Yamada beherzigt diese vermeintliche Lebensweisheit nicht unbedingt im geografischen Sinn. Immerhin ist man gerade von San Francisco nach Colorado umgezogen. Auf den Instrumenten und bei der Kunstausübung verzichtet man allerdings sehr gern auf vermeintliche Überraschungen wie Stilwechsel oder sensationistisches Umgreifen von A nach B mit dem Umweg C. Wer sich in der Grundschule der Gitarre gut aufgehoben weiß, kann auf solch zirzensisches Larifari gut und gern verzichten.

Wo bei Johnsons Stammband, den kalifornischen Wooden Shjips (sic), eher die Abwechslung regiert, hat sich der Mann am Abend nach der Arbeit als psychedelischer Neusichter und Testimonial für die Verbindung chemischer Hirnnebel-Erreger mit zeitgenössisch fetzender Rockmusik daheim mit der Ehefrau auf kontemplative Blockbauweise verlegt. Die mit viel Hall und Phaser und Distortion und Wahwah und anderen Effektgeräten zu einem nur schwer durchbringbaren mächtigen Dröhnen aufgeladenen Ein- bis Zweiakkordlieder, die das Moon Duo auf seinem Debütalbum Mazes vorlegt, klingen nicht unbedingt originell. Die britischen Spacemen 3, aus denen später etwa die Einakkordforscherformationen Spectrum und Spiritualized hervorgingen, stahlen für diese Kunst der harmonischen Schlichtheit schon Ende der 1980er-Jahre für ihre Meisterwerke Playing With Fire und vor allem für das vom Titel her richtungsweisende Demo-Album Taking Drugs To Make Music To Take Drugs To ihrerseits von Altvorderen, die auch dem Moon Duo nicht unbekannt sein dürften. Velvet Underground, vor allem aber die legendären Duos Silver Apples und Suicide standen alle zusammen schon ab Ende der Sixties Pate.

Mit dem Manko der Kopie wissen Herr und Frau Moon Duo dennoch brillant umzugehen. Immerhin verliert man im Gegensatz zu Johnsons Stammband Wooden Shjips nie das Ziel eines Songs aus dem Auge. Man weiß also, dass sich nach dem Anfang die Musik ruhig steigern kann, tut aber dann nicht so, als könnte sich keiner an den Schluss erinnern - oder daran, dass überhaupt einer sein sollte. Das Moon Duo zieht mit Gitarre, Keyboardgebrauch und Handclap-Effekten lieber drogenfrei durch den LSD-Sumpf. Toll, toll, toll. (Christian Schachinger / DER STANDARD, Printausgabe, 6.5.2011)

Moon Duo - "Mazes" (Souterrain Transmissions / Rough Trade)

  • Ripley Johnson und Sanae Yamada alias Moon Duo glauben an die einfachen Dinge im Leben und in der Musik.
    foto: souterrain transmssions

    Ripley Johnson und Sanae Yamada alias Moon Duo glauben an die einfachen Dinge im Leben und in der Musik.

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