Pacult ist in Leipzig glücklicher als Rapid in Wien - Edlinger will Trainerfrage klären
Wien/Leipzig - Was bei RasenBallsport Leipzig (kurz RB Leipzig) bereits am Donnerstag passiert ist, soll bei Rapid in der nächsten Woche geschehen: die Präsentation des neuen Trainers. Peter Pacult hat tatsächlich den Sprung von der ersten österreichischen in die vierte deutsche Liga geschafft. Zunächst für zwei Jahre. Dank Red Bull. Er trug bei seiner Präsentation einen roten Pullover und blaue Jeans, bei Rapid hatte er die Farbe Grün bevorzugt.
Deutsche Journalisten, es waren rund 50 erschienen, berichteten, Pacult sei entspannt, nahezu charmant gewesen. Gesagt hat er: "Ich will den Verein nach vorne bringen und schaue nicht auf die Liga. Sportlich handelt es sich in Leipzig um eine höchst interessante Aufgabe." Er ersuchte die Medienvertreter, ihm eine faire Chance zu geben. "Ich weiß, mir eilt nicht der beste Ruf voraus. Ich lasse mich halt nicht verbiegen, werde meinen Wiener Dialekt behalten. Bitte um Verständnis."
Der Rauswurf bei Rapid habe schon wehgetan. "Er kam überraschend. Ich bin froh, dass ich gleich wieder eine Aufgabe gefunden habe." Und er behauptete tatsächlich, erst nach der Entlassung die Verhandlungen mit Red Bull und Dietrich Mateschitz aufgenommen zu haben. Pacults Assistent ist übrigens Tom Stohn, den kennt er aus der gemeinsamen Zeit bei Dynamo Dresden. Um die Fitness der Leipziger kümmert sich Christian Canestrini, den hat Pacult aus Wien mitgenommen.
Dort bedauerte derweil Präsident Rudolf Edlinger Rapids Scheitern im Cup an Ried (1:2 nach einer 1:0-Führung). "Die zweite Halbzeit war leider ein Katastrophe. So ist der Fußball." Zur Teilnahme am Europacup muss nun in der Liga Platz drei erreicht werden. "Schwierig, aber machbar." Zuletzt wurde Europa 2006 von Rapid im Stich gelassen. "Finanziell planen wir immer ohne den internationalen Bewerb. Fürs Image wäre es schlimm." Pacults Engagement in Leipzig hat Edlinger amüsiert. "Der massive Vertrauensbruch war doch keine Einbildung." Ob die Causa arbeitsrechtliche Folgen für Rapid hat, weiß Edlinger nicht. "Ich weiß nur, dass wir nix zahlen."
In der nächsten Woche soll der neue Trainer präsentiert werden. Der lizenzlose Zoran Barisic dürfte keine Dauerlösung werden. "Aber noch schließe ich nichts aus." Als Favorit gilt Peter Schöttel. Edlinger: "Ich bestätige keine Gerüchte. Erst wenn alles geregelt ist, gehe ich an die Öffentlichkeit. Man muss mit allen Beteiligten offen reden, zum Beispiel mit dem bisherigen Arbeitgeber." Mit der Bestellung des neuen Sportdirektors lasse man sich nicht stressen. Edlinger. "Wir vom Präsidium kommen eher aus der Wirtschaft, sind keine Fußballexperten. Ich brauche zwei Fachleute, die sich auskennen und gemeinsam Wünsche äußern und begründen. Sind sie leistbar, erfülle ich sie." (Christian Hackl, DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 6. Mai 2011)