Österreich soll Luftraumblock mit Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Tschechien, Ungarn, Slowakei und Slowenien bilden
Brüssel - Österreich, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Tschechien, Ungarn, die Slowakei und Slowenien haben ein Abkommen zur Schaffung eines funktionalen Luftraumblocks unterzeichnet und damit einen wichtigen Schritt zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Luftraums gesetzt. Damit gibt es in Europa vier derartige Luftraumblöcke, bis Ende 2012 sollen es neun werden, die zusammen einen "einheitlichen europäischen Luftraum" bilden sollen.
"Mit diesem Vorhaben sparen wir Zeit, Geld und Treibstoff. Die Passagiere profitieren von kürzeren Flugzeiten und kürzeren Wartezeiten, der CO2-Ausstoß wird deutlich verringert", betonte Verkehrsministerin Doris Bures (S). "Damit wird eine bessere Verwaltung des Luftraums ermöglicht und die Bereitstellung von Flugsicherungsdiensten optimiert, um so den Erfordernissen der Luftraumnutzer gerecht zu werden", erklärte EU-Verkehrskommissar Siim Kallas.
Fünf weitere Blöcke bis 2012
Die Ausgestaltung und Einrichtung der einzelnen funktionalen Luftraumblöcke obliegt den EU-Staaten, die EU-Kommission stellt Durchführungsvorschriften und Leitlinien bereit, mit denen der Prozess geregelt wird. Bisher wurden drei "Funktionale Luftraumblöcke" auf Basis von zwischenstaatlicher Abkommen eingerichtet, nämlich zwischen Großbritannien und Irland, zwischen Dänemark und Schweden sowie zwischen Frankreich, Deutschland und den Benelux-Staaten und der Schweiz.
Bis 4. Dezember 2012 sollen noch fünf weitere Blöcke dazukommen: Zwischen Litauen und Polen, zwischen Estland, Finnland, Island, Lettland und Norwegen, zwischen Bulgarien und Rumänien, zwischen Italien, Griechenland, Zypern und Malta und Albanien, Ägypten, Tunesien als assoziierte Staaten, und zwischen Portugal und Spanien.
Derzeit ist der europäische Luftraum nach wie vor nach nationalen Grenzen fragmentiert. Es gibt 36 einzelne Lufträume. Dies führt zu Umwegen, Wartezeiten und hohem Koordinierungsbedarf der Flugsicherungen. Der Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull in Island blockierte im vergangenen Frühjahr massiv Europas Luftfahrt und hat die Notwendigkeit der Schaffung eines einheitlichen europäischen Systems aufgezeigt. Aufgebrachte Passagiere und Airline-Betreiber sowie Milliarden-Verluste waren die Folgen.
Kürzere Flugzeiten, weniger Kerosin
Nach Angaben des Verkehrsministeriums in Wien führt die Schaffung des funktionalen Luftraumblocks für den durchschnittlichen Flug in Europa zu acht bis 14 Minuten kürzeren Flugzeiten, zu 300 bis 500 Kilogramm weniger Treibstoffverbrauch, was etwa zehn Prozent des durchschnittlichen Gesamtverbrauchs eines Fluges entspricht, und zu 948 bis 1.575 Kilogramm weniger CO2-Ausstoß.
Derzeit ist jeder Flug in Europa nach Schätzung der Experten durchschnittlich um rund 49 Kilometer länger als notwendig. Dadurch würden allein aufgrund von Umwegen 5 Mio. Tonnen an vermeidbarem CO2-Emissionen pro Jahr verursacht. Warteschleifen vor Landungen und Verzögerungen verursachen den Schätzungen zufolge weitere 11 Mio. Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr. Ein Verkehrspilot, der von Sofia nach Dublin unterwegs ist, muss mit 35 Fluglotsen sprechen, bis seine Passagiere am Zielort aussteigen. (APA)