Antikapitalistischer Kaffee aus Studentenselbstverwaltung

5. Mai 2011, 10:07
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Einmal Espresso ohne Profit: Am Samstag eröffnet das Café Rosa - In das selbstverwaltete Café wurde bisher ein Fünftel des Budgets der rot-grünen ÖH der Uni Wien investiert - Das stößt bei den Konservativen auf Kritik.

Wien - Ein Blindenleitsystem, Wickelplätze auch am Männerklo, günstige Bio-Getränke und Diskussionsraum für Studierende - das Café Rosa, neuestes Projekt der ÖH der Uni Wien, öffnet übermorgen, Samstag, in der Währinger Straße 18 seine Pforten. Der UniStandard hat es vorab besucht.

Die Idee eines selbstorganisierter Freiraums - einzig die Geschäftsführerin Angela Einsiedler ist keine Studentin mehr -, bestehend aus einem Café, einem Lern- und Ruhebereich sowie Veranstaltungsort, ist nicht neu, sondern wurde bereits vor sechs Jahren angedacht. Flora Eder, ÖH-Chefin der Uni Wien (Gras), erklärt die Verzögerung mit der kurzen, zweijährigen ÖH-Exekutivperiode und den vergangenen Studierendenprotesten.

Da die Studierenden das Café Rosa ähnlich wie im Tüwi basisdemokratisch mitgestalten sollen, wird im Juni ein Plenum organisiert. Die zukünftige Planung soll im Einklang mit den Grundsätzen - darunter "antiklerikal", "feministisch" und "antikapitalistisch" - stehen. Wer nun denkt, hier werden nur Mitarbeiter eingestellt, die sich gegen den Kapitalismus verwahren und auf ihr Gehalt verzichten, der irrt. Vielmehr soll mit dem antikapitalistischen Grundsatz eine Diskussion erreicht werden, "ob sich ein System finden lässt, das sich nach den Bedürfnissen der Menschen und nicht nach Kapitalakkumulation richtet", erklärt ÖH-Spitzenkandidatin Janine Wulz (Gras), die als Kassiererin fungieren wird, denn: "Auch das Studibeisel kann man nicht vom kapitalistischen System ausschließen." Antikapitalistische Elemente finden sich dennoch: Es herrscht "kein Konsumzwang".

350.000 Euro für linkes Café

Gerade die Ausgaben, die bis jetzt getätigt wurden, werden von der ÖVP-nahen Aktionsgemeinschaft (AG) jedoch heftig kritisiert. "Ich finde es problematisch, dass 350.000 Euro für ein dezidiert linkes Café aus den ÖH-Beiträgen verwendet werden", erklärt AG-Chef Jan-Philipp Schifko. Das ist immerhin ein Fünftel des Jahresbudgets.

Das Geld greift jedoch das laufende Budget nicht an, sondern kommt aus Ersparnissen. "Von den Rücklagen haben die Studierenden nichts", meint Wulz. Zudem rechnet sie damit, dass sich das Studibeisl bald von allein trägt.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Stellenausschreibungen, in denen die Bereitschaft zur Umsetzung der Grundsätze erwartet wurde. Besonders "antiklerikal" hat den katholischen Cartellverband, der die Ausschreibung als diskriminierend einstuft, veranlasst, sich an die Gleichbehandlungsanwältin zu wenden - Dauer bis zum Urteil unbekannt.

"Antiklerikal" drücke jedoch das Hinterfragen der Einflüsse der Kirche auf die Gesellschaft aus, meint Wulz: "Welches Bekenntnis jemand hat, haben wir bei den Bewerbungen nicht gefragt."(Sophie Niedenzu, UNISTANDARD, Printausgabe, 5.5.2011)

Das Café Rosa wird übermorgen, Samstag, um 13 Uhr mit kreativen Workshops und DJ-Line in der Währinger Straße 18, 1090 Wien, eröffnet.

  • Letzte Woche noch Baustelle, übermorgen wird das Café Rosa eröffnet. Janine Wulz, Angela Einsiedler und Flora Eder beim Ausmalen.
 
    foto: standard/urban

    Letzte Woche noch Baustelle, übermorgen wird das Café Rosa eröffnet. Janine Wulz, Angela Einsiedler und Flora Eder beim Ausmalen.

     

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