Den Kahn wieder flott machen

5. Mai 2011, 10:54
  • Der Nationalpark Donauauen soll wieder stärker vom Hauptstrom durchflutet werden - hier ein Bild aus der Au bei Stopfenreuth, wo anno 1985 Umweltaktivisten ein Kraftwerk verhinderten.
    apa-foto: herbert neubauer

    Der Nationalpark Donauauen soll wieder stärker vom Hauptstrom durchflutet werden - hier ein Bild aus der Au bei Stopfenreuth, wo anno 1985 Umweltaktivisten ein Kraftwerk verhinderten.

  • Einige Testprojekte für die Anbindung von Seitenarmen wurden bereits durchgeführt, wie hier bei Haslau.
    apa-foto: kovacs

    Einige Testprojekte für die Anbindung von Seitenarmen wurden bereits durchgeführt, wie hier bei Haslau.

Multimillionen-Europrojekt gegen Eintiefung der Donau östlich von Wien steckt fest - Umwelt-NGOs reagieren unterschiedlich

Die Situation gleicht folgender: Ein Riesenfrachter ist im Schlamm stecken geblieben und es wird mit voller Motorenkraft versucht, den Kahn gleichzeitig vorwärts und rückwärts aus dem Morast heraus zu manövrieren. Es geht um die Donau östlich von Wien, die sich zusehends eintieft, wodurch dem Nationalpark Donauauen langsam aber sicher die ökologisch so notwendigen Zuflüsse abhanden kommen und langfristig auch die Schifffahrt darunter leiden könnte. Noch dazu betrifft es unter anderem eine der sensibelsten und historisch gewichtigsten Nationalparkgegenden Österreichs: die Auen auf der Höhe zwischen Bad Deutsch-Altenburg und Hainburg. 

Ende Februar war das heftig diskutierte Pilotprojekt Bad Deutsch-Altenburg vom niederösterreichischen Umweltlandesrat Stephan Pernkopf vorerst auf Eis gelegt worden - mit der Begründung, dass sich das Unterfangen nicht im geplanten Zeitraum bis Ende 2011 umsetzen lasse und gewisse Details überarbeitet gehörten (siehe Bericht). Dabei handelt es sich bei diesem Projekt "nur" um den letzten von sieben Testversuchen für jene aufwändigen Umbaumaßnahmen, die unter dem sperrigen Überbegriff "Flussbauliches Gesamtprojekt (FGP)" firmieren und womit eine Serie von Eingriffen auf der rund 50 Kilometer langen Strecke der Donau östlich von Wien gemeint ist. 

Das FGP ist mit rund 250 Millionen Euro budgetiert und könnte ab etwa 2015/16 über zehn Jahre hinweg umgesetzt werden. Das gestoppte Pilotprojekt würde 11,2 Millionen kosten. Finanziert wird das Ganze von der via donau (eine 100-Prozent-Tochter des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie), die für die Erhaltung der Wasserstraße zuständig ist.

Umwelt-NGOs mit unterschiedlichen Zugängen

Während der WWF Österreich mittlerweile mit der via donau Gespräche aufgenommen hat, um das Pilotprojekt Bad Deutsch-Altenburg zu adaptieren, fordern vier andere Umweltschutz-NGOs (Umweltdachverband, Forum Umwelt und Wissenschaft, Bundesinitiative Donau sowie Virus) einen kompletten Neustart und präsentierten unlängst den "Naturversuch Hainburg". Kurz zusammengefasst setzt sich dieses Projekt aus drei Teilen zusammen, die bereits von der via donau geplant, aber entweder noch nicht umgesetzt worden sind oder erst in der Phase des FGP realisiert werden sollen. "Der Hintergedanke ist, wenn man rasch etwas machen will, dass man Vorhandenes in einem neuen Kontext umsetzt", meint Wolfgang Rehm von der Umweltschutzorganisation Virus.

Einer der wesentlichen Kritikpunkte der vier NGOs am gestoppten Pilotprojekt Bad Deutsch-Altenburg ist die sogenannte Granulometrie. Dabei wird - vereinfacht gesagt - gröberer Schotter in besonders gefährdete Sohlbereiche eingeschüttet, um die zunehmende Auswaschung zu unterbinden (siehe Hintergrundbericht). "Wir lehnen diese Methode zwar nicht grundsätzlich ab, aber Grobschotterzugaben sind keineswegs das Non-Plus-Ultra zur Bekämpfung der Sohleintiefung - die Donau hat das gelindere Mittel verdient", so Rehm. Zusätzlich sei bei dem neuen Projekt auch tatsächlich gewährleistet, dass es als Naturversuch eingestuft werden könne. Offen bleibt jedoch die Frage, wer es finanzieren soll.

WWF zieht internationalen Experten bei

Der WWF hingegen will dem Thema Granulometrie zumindest eine Chance geben. "Wir arbeiten an keinem eigenen Projekt, sondern wollen, dass die Granulometrie einmal getestet wird - weil sie durchaus eine erfolgreiche Methode sein kann, um die Sohleintiefung zu bekämpfen", skizziert der Stellvertretende Geschäftsführer Andreas Wurzer die Strategie seiner NGO. Die Granulometrie wurde auch bereits ausführlich in einem eigenen Strömungskanal an der TU Wien getestet. Jetzt sei es an der Zeit, dass man die Methode im "Feld" anwende, um daraus weitere Schlüsse zu ziehen, erklärt Wurzer und fügt hinzu: "Denn so wie das Projekt der via donau grundsätzlich konzipiert ist, kann man es ruhig Naturversuch nennen." Um dem ganzen Vorhaben noch mehr Nachdruck zu verleihen, habe der WWF auch den deutschen Donau-Experten Georg Rast beigezogen, der "die Situation an manchen Stellen der Donau bereits als dramatisch einstuft - Zeitdruck für Handeln ist also gegeben", so Wurzer. 

Für das Pilotprojekt Bad Deutsch-Altenburg wurde auch bereits eine EU-Förderung genehmigt, die aber erst dann schlagend wird, wenn dje Flussbaumaßnahmen tatsächlich angegangen werden - diese Frist läuft ebenfalls mit Ende des Jahres ab. "Es wäre schade, wenn diese Mittel nicht für die Verbesserung der Donau genutzt werden", so Wurzer, der aber auch nicht mit Kritik an der ursprünglichen Vorgangsweise der via donau bei der Durchsetzung des Pilotprojekts spart: "Das öffentliche Beteiligungsverfahren war extrem schwach aufgestellt. Darüberhinaus muss endlich ein unabhängiges wissenschaftliches Begleitforum geschaffen werden." 

Eine Forderung, die auch von den vier NGOs unterstützt wird. "Es kann ja nicht sein, dass der Nationalpark-Verantwortliche und manche beteiligten Wissenschafter auch noch im Lenkungsausschuss der via donau sitzen", polterte etwa Gerhard Heilingbrunner, Präsident des Umweltdachverbands, bei der Präsentation des Naturversuchs Hainburg. Der Jurist will daher weiterhin sämtliche rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um das gestoppte Pilotprojekt auch wirklich zu verhindern. Heilingbrunner betrachtet den Testlauf bei Bad Deutsch-Altenburg als "Hintertürchenaktion", um für das FGP schneller an jene Umweltverträglichkeitsprüfung zu kommen, die noch von den Ländern Wien und Niederösterreich ausständig ist.

Land Niederösterreich in Warteposition

Von Seiten des Landes Niederösterreich zeigt man sich vorerst abwartend. So wurde auf Rückfrage von derStandard.at aus dem Umfeld von Umweltlandesrat Stephan Pernkopf mitgeteilt, dass die via donau in erster Linie einmal den nächsten Schritt setzen und um Fristverlängerung für das Pilotprojekt Bad Deutsch-Altenburg ansuchen müsse - inklusive Adaptierung der geforderten Details.

Die via donau wiederum versichert, dass die nötigen Schritte dazu bereits mit voller Kraft in Angriff genommen worden seien. Einmal mehr betont Geschäftsführer Hans-Peter Hasenbichler, dass man alle Interessens- und Standesvertretungen zum konstruktiven Dialog geladen habe: "Wir wollen alle Beteiligten an einen Tisch bringen - von den Umweltschutzorganisationen bis zu den Wissenschaftern, von Fischerei- bis Schifffahrtsvertretern." Wann und ob der stecken gebliebene Kahn wieder in Fahrt kommt, bleibt abzuwarten. Im Sommer wird hauptsächlich an Konzipierungen gearbeitet werden, denn Umbauarbeiten an der Donau können immer nur im Winter durchgeführt werden, wenn der Wasserspiegel niedrig genug ist. (Martin Obermayr, derStandard.at, 5.5.2011)

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Eigentlich

gehts hier nur um die Frage wie die Donau östlich von Wien flussbaulich ausgestaltet werden soll, unter der Prämisse freie Fließstrecke und Verträglichkeit mit dem Nationalpark. Da liegen Einreichungen vor, bzw. laufen Genehmigungserfahren (bzw. manchmal auch notwendige Verfahren nicht) wo fachliche und rechtliche Defizite aufgetreten sind. Nicht zuletzt aus diesem Grund wurden nun neue Planungsgrundsätze und ein erster Vorschlag für einen echten Naturversuch (NV Hainburg) präsentiert. Im Standard unvermeidlich kommt trotzdem immer die Themenverfehlung in Richtung auf ein dort weder mögliches noch sinnvolles Kraftkwerk. Das würde nebenbei deutlich mehr Probleme schaffen als es lösen könnte.

Auch wenn man mich jetzt dafür steinigen wird, ich wäre trotzdem für ein möglichst naturnahes Donaukraftwerk bei Hainburg.

Ein Donaukraftwerk bei Hainburg wäre DIE Lösung.
Stromerzeugung und Flusseintiefung mit einem Bauwerk gelöst.

Die Stockerauer Au ist auch nicht durch das Kraftwerk Greifenstein verschwunden - genauso wäre das bei der Stopfenreuther Au.

Meinungsfreiheit

Wir haben Meingungsfreiheit, also wird sie niemand steinigen. Geben wirds es allerdings ebensowenig wie es "naturnah" sein könnte.

sie meinen so ein kleines, mit viel lianen verstecktes? eines wo man nicht weiss ob man auf einem bieberdamm oder auf einem betonbrücke steht? eines das so ein bissl überflutet wenn die fischerln was zum atmen brauchen?

ja, sowas wäre ideal!

ps.: die biber sind in meine wiener heimat eingedrungen und zernagen reichenweise die bäume am donaukanal, mitten im dichtverbauten, bewohnten gebiet - sollten wir sie wieder in die au zurückbringen?

Ein Donaukraftwerk ist nicht naturnah. Es verwandelt ein Fließgewässer in einen Stausee. Klar, rundum kann man einen netten, ordentlichen Park gestalten, mit gepflegtem Rasen und Sitzbankerln die Ausssicht auf die Staumauer bieten... aber keine Naturlandschaft.

naja - mit dem aufwand der stromabwärts von wien betrieben werden muss können sie schon sehr naturnahe parks gestalten.
wie ist eigentlich die situation oberhalb greifensteins? ist dort wirklich nur ein "park"?

Überraschung! Ganz Mitteleuropa ist eine *Kulturlandschaft*! Naturnah ist das Beste was sie daher erwarten können, wenn sie Natur wollen schauen sie in nach Sibirien

sie vergessen den rothwald! :-)

Inmitten der ausgeräumten Kulturlandschaft gibt es jedoch ein paar Fleckerln, die es wert sind erhalten zu werden, was auch gesetzlich verankert wurde. Die Donau-Auen östlich von Wien sind eins davon.

Das ist ein Irrtum, denn auch diese Auen sind natürlich kein Urwald sondern Sekundärwald

tlw. erst seit der nationalpark besteht - davor wurde ganz normal forstwirtschaft betrieben.

Auf Flächen die durch Umlagerung neu geschaffen werden entsteht grad wieder Urwald, sprich menschlich nicht beeinflusster oder genutzter... dauert halt ein bissl, bis die forstlich veränderten Bestände sich umwandeln...

Primärwald, also Urwald, ensteht nie mehr solange sie die Flächen noch irgendwie nutzen und sei es nur touristisch. Würde der Mensch schlagartig verschwinden, würde es *mindestens* 400 Jahre dauern, bis wir in Mitteleuropa wieder einen Urwald hätten

Wenn die Ausführungen gehaltvoll sind dann brauchts keinen durchgehendenFettdruck, wenn der Gehalt nicht ausreicht, dann hilfts auch nix.

400 jahre warten:
und 400 jahren zuvor ist denmnach ein urwald in der entstehung begriffen gewesen. ist das so schwer zu verstehen..

Sie glauben im Ernst für 400 Jahre vorrausplanen zu können? Klingt ein bisschen lächerlich und ist es auch. Schauen sie mal wie Wien und Umgebung vor 400 Jahren ausgesehen hat

??? sag ich das??? ich schreibe nur dass die aussage "es entsteht urwald" im prinzip nicht falsch sein muss (so wie jener poster es meint).. verstehen sie das? - würde mich freuen

hää? wo spricht er von Urwald???
er ist sehr,sehr naturnahe und hat einen lebensraum der einer au entspricht. zusätzlich kann er sich auch so entwickeln. das haben sie in einer kulturlandschaft nicht.

DIe Au dort ist nur 'sehr sehr naturnah' in den Augen der Stadtbevölkerung :)

Diese Au ist ein relativ junger Sekundärwald und natürlich Teil unserer Kulturlandschaft. Im Zuge der Donauregulierung und durch die Nutzung als Holzlieferant wurde das ursprüngliche Augebiet im 18 und 19Jhdt völlig zerstört.
Was sie jetzt dort finden, ist das, was nachgewachsen ist und was auch wieder nachwachsen würde, wenn sie die Au heute komplett schlägern und dann 30-50 Jahre in Ruhe lassen.

sind sie nun für oder gegen das kraftwerk? schwer rauszulesen. sie kennen sich zwar mit den definitionen gut aus, aber es ist nicht klar ob sie meinen, ein "naturnahes" kraftwerk (was für ein schwachsinn!!! "naturnah" und kraftwerk in einem satz, mir ist schlecht!) wäre eine möglichkeit.

teil2

so ganz natürlich geht es ja auch in hainburg nicht. s. schotter/gesteineinbringung. wobei ich es nicht benennen kann - wieviele lkw fuhren im jahr sind es, wieviele km transport, wieviele liter treibstoff.
kann man das zeug in hainburg rausbaggern und per schiff nach oben bringen?
vielleicht kann man vor dem oberen kraftwerk rausbaggern und dahinter reinschütten - bei allen durchgeführt käm auch in hainburg was an, oder?

IN Hainburg wird nicht Schotter eingebracht sondern gebaggert (wasserstraße und so), verklappt wird auf 11 km unterhalb Freudenau und das ist verbindliche Auflage und daher Bestandteil der Ökobilanz des Kraftwerks.
Das mit dem oben rausbaggern und unten reinschmeissen funktioniert deshalb nicht einfach so, weil die Geschiebeaufbereitung durch kontinuierlichen Weitertransport und Zerkleinerung nur in der Fließstrecke funktioniert aber nicht in Stauräumen und von denen gibts an der Donau ne Menge.

s.anderes post - und das wird auch nicht ewig gehen, stichwort korngrösse.

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