Vorsorgen für die Zukunft der Kleinen

18. Mai 2003, 19:31
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Kinder verändern auch das Geldleben radikal - Im täglichen (und nächtlichen) Gerangel suchen auch neue Fragen der Vorsorge für die Zukunft der Kleinen ihre Antworten

Der Vermögensberater will wirklich viel wissen: eine gesamte Bestandsaufnahme der Geldanlagen - von den Bausparern über die Depots bis zu den Lebensversiche- rungen der Eltern. Dann die laufenden Einkommen der Eltern. Depotauszüge und Polizzen will er sehen, dann verlangt er einen genauen Überblick über sämtliche Ausgaben der Familie: laufende Kosten für alle Versicherungen, Wohnungskosten, Lebensaufwand, sämtliche Verpflichtungen.

Dazu füllt er auch Checklisten aus, testet die Risikobereitschaft der vorsorgewilligen Eltern. Das dauert fast zwei Stunden - und ist sehr aufschlussreich, weil ein ziemliches Durcheinander an verschiedensten Anlageformen in der Familie besteht. Zuvor war geklärt: Diese Erhebung des Finanzprofils ist kostenlos - auch wenn sie nicht in den Produktkauf mündet. Den Ausweis konzessionierter, daher von der Finanzmarktaufsicht kontrollierter Berater hat er auch dabeigehabt, über seine Ausbildung, Expertise und die AWD, Europas größten Beraterverbund, gibt er auch bereitwillig Auskunft. Zwar kann er nicht global alle Produkte vermitteln, mit 100 Vertragspartnern klingt die theoretische Auswahlmöglichkeit aber breit.

Kinder-Produkte

Geldanlage ist ja schließlich Vertrauenssache - und da die "Chemie" zwischen uns gepasst hat, haben wir ordentlich den Status erhoben. Denn: Wahllos eines der fast zwei Dutzend in Österreich angebotenen Kinder-Produkte zu kaufen, macht keinen Sinn. Auch wenn sie noch so nette Namen haben. Die Vorsorge für den Nachwuchs muss in das bereits vorhandene Anlageuniversum passen.

In unserem Fall war klar: Wir brauchen nicht unbedingt Produkte mit verschiedenstem Risikoschutz, der ist mit den bestehenden Polizzen ausreichend abgedeckt. Das schränkt in diesem Fall die Attraktivität der fast zwei Dutzend "Kinder"-Produkte der Versicherungen ein.

Obwohl: Flurer erzählt, dass diese Zukunftsbausteine für die meisten jungen Eltern die besten seien, weil meist "nur" Bausparer und Sparbücher vorhanden seien, die am Markt befindlichen Produktkonstruktionen also wirklich dem Bedarf entsprächen. So erklärt sich auch die ansehnliche Palette (siehe nebenstehende Liste).

Kein Risiko

Weiter geht's im Beratungsgespräch zum Thema Risiko, Ertrag und Verfügbarkeit des Geldes. Für die Kinder wollen wir vernünftigen Ertrag, so vier bis fünf Prozent pro Jahr. Da die Zwillinge gerade zwei Jahre alt sind, brauchen wir das Geld erst in frühestens 16 Jahren, wenn wir so etwas wie eine bestandene Matura haben und dann große Pläne für die weitere Ausbildung wälzen wollen.

Langfristiges Anlegen soll uns dabei außerdem das "achte Weltwunder", nämlich den Zinseszinseffekt, also die nicht bloß lineare sondern exponentielle Geldvermehrung durch wieder investierte Zinsen sichern.

Gut, sagt Flurer und testet jetzt noch ab, von welchen Produkten die Eltern bis jetzt gehört hätten. Dann erklärt er Vor- und Nachteile von Einmalerlag und Ansparplänen mit deren Durchschnittspreiseffekt. Wir wollen monatlich (möglichst mit flexiblen Beträgen) rund um die 200 Euro ansparen.

Kosten

Dabei kommt sofort das Thema Kosten zur Sprache. Flurer berät ja nicht aus Nächstenliebe. Wie viel kriegt Herr Flurer an Provision aus meiner Einzahlung? "Die Kosten sind genau so hoch wie bei einem direkten Kauf beim Anbieter." Mehr ist nicht zu erfahren. Geschätzt ist das eine, vielleicht bis zu zwei Jahresprämien, wie man vermuten darf.

Zwischenergebnis: Die wegen ihrer Kapitalgarantie mit noch höheren Kosten ausgestatteten klassischen Garantieprodukte kommen auch nicht infrage. Fonds? Nein, zu wenig lineare Verzinsung, zu hohes Risiko. Vielleicht doch eine garantierte Fondspolizze, die (abzüglich Kosten) zumindest das Kapital garantiert und etwas Raum für Mehrertrag eröffnet? Oder ein Produktmix? Nein, zu viel Managementaufwand, den wollen wir bei dieser Vorsorge nicht haben. Übrig bleibt: Das passendste Produkt in unserem Fall hat keinen Namen aus Kinderbüchern oder Märchen, sondern ist eine klassische Pensionsversicherung mit 16 Jahren Laufzeit.

Die Berechnung:

16 Jahre Prämie je 200 Euro im Monat ergibt eine garantierte Ablaufleistung von 42.074 Euro. Zuzüglich erwarteter (nicht garantierter!) Gewinnzuteilungen von zusammen 11.626 Euro sollten in 16 Jahren 53.700 Euro zusammengekommen sein. Das entspricht einer Nettorendite von 4,28 Prozent. Außer der vierprozentigen Versicherungssteuer fällt bei Auszahlung keine Steuer an. Gut, darüber tagt der Familienrat. (Der Standard, Printausgabe, 19.05.2003)

Karin Bauer hat AWD-Berater Christian Flurer zum Gespräch über die Zwillingsvorsorge gebeten
  • Ein möglichst sorgenfreies Laben für die " großen Kleinen" sollte möglichst früh geplant werden. Und: Das  Produkt muss ins Anlageuniversum der Eltern passen.
    foto: photodisc

    Ein möglichst sorgenfreies Laben für die " großen Kleinen" sollte möglichst früh geplant werden. Und: Das Produkt muss ins Anlageuniversum der Eltern passen.

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