Sportdirektor Linke ergreift "aus persönlichen Gründen" die Flucht
Leipzig - Ex-Rapid-Coach Peter Pacult steht seit Mittwochabend als Trainer des deutschen Fußball-Viertligisten RB Leipzig fest. Wie der Club des Getränkekonzerns Red Bull bekanntgab, unterzeichnete der 51-Jährige beim aktuellen Regionalliga-Tabellenvierten, wo er die Nachfolge von Tomas Oral antritt, einen Zwei-Jahres-Vertrag und wird bereits am Donnerstag präsentiert. Die Spekulationen um den Wiener, der am 11. April von Rapid unter dem Hinweis auf "massiven Vertrauensbruch" fristlos entlassen worden war, sind damit beendet.
Pacult schließt an einen Teil seiner sportlichen Historie an. Schon als Spieler hatte er für 1860 München gekickt, bei den "Löwen" später auch als Trainer (2001 bis 2003) gearbeitet. Unmittelbar vor seinem Rapid-Engagement 2006 betreute er zudem mehrere Monate Dynamo Dresden. "Ich freue mich auf diese sportlich sehr interessante Aufgabe und bedanke mich für das entgegengebrachte Vertrauen", wird der 24-fache ehemalige ÖFB-Kicker auf der Club-Homepage zitiert.
Linke geht
Die Meldung von Pacults Verpflichtung in Leipzig folgte nur eineinhalb Stunden, nachdem der Verein die Trennung von Sportdirektor Thomas Linke bekanntgegeben hatte. Der ehemalige Salzburg-Profi hatte sich Medienberichten zufolge in der Trainerfrage gegen Pacult ausgesprochen und für einen deutschen Kandidaten stark gemacht.
Pacult soll mithelfen, den erst 2009 gegründeten Club in die erste Bundesliga zu bringen. Schon für heuer war eigentlich der Aufstieg in die dritte Liga angepeilt worden. Der ambitionierte Verein, der offiziell unter dem Namen RasenBallsport Leipzig firmiert, ist nur eines von mehreren Fußball-Projekten des Konzerns, zu denen auch Red Bull Salzburg und Red Bull New York gehören. Die "Red Bull Arena" in Leipzig fasst rund 45.000 Zuschauer.
Erste mediale Spekulationen um einen Wechsel Pacults nach Leipzig waren am 9. April aufgetaucht. Anlass dazu hatte auch ein Treffen zwischen Pacult und Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz bei einem Wiener Heurigen zwei Tage zuvor gegeben. Eine "Weinverkostung, ein netter Abend, ein gemütliches Beisammensein", wie der mit den Gerüchten konfrontierte Pacult es damals nannte.
Nachdem der Rekordmeister seinem Coach vorerst noch den Rücken stärkte, zog er zwei Tage später die Reißleine: Pacult, dessen Vertrag noch bis zum Sommer 2012 gelaufen wäre, wurde mitsamt seinem Trainerstab entlassen. Seine Ära, in der er Grün-Weiß 2008 zum Meistertitel geführt hatte, war nach rund viereinhalb Jahren zu Ende gegangen, Zoran Barisic wurde zum interimistischen Nachfolger ernannt.
Team wird zusammengestellt
Laut eines Berichts der "Bild"-Zeitung vom vergangenen Samstag habe Pacult auch schon Personalwünsche geäußert. Demgemäß solle Tom Stohn, sein Ex-Co-Trainer bei Dynamo Dresden, auch in Leipzig sein "Co" werden. Offen ist, ob auch Konditionstrainer Christian Canestrini nach Leipzig geht. Noch dazu sollen die Ostdeutschen an der Verpflichtung von Rieds deutschem Torhüter Wolfgang Hesl interessiert sein. Dieser ist von den Innviertlern vom HSV nur ausgeliehen. (APA)