Müttern in Blumenfarmen wird nichts geschenkt

4. Mai 2011, 19:32
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Hungerlöhne und Gesundheitsgefährdung in der internationalen Rosenproduktion

Wien - Der Naivasha-See im Westen Kenias trocknet langsam aus: Drei geothermische Kraftwerke, vor allem aber die intensive Blumenproduktion, haben seinen Wasserstand drastisch gesenkt.

Und das restliche Wasser ist in einem erbärmlichen Zustand: Mit den Abwässern der Blumenproduktion, die sich bereits über 1900 Hektar erstreckt, gelangen Dünger und Pflanzenschutzmittel in den See. "Untersuchungen zeigen, dass das Wasser von Menschen nicht mehr genützt werden sollte - aber natürlich wird das trotzdem getan", berichtete Sophie Veßel für das Food First Informations- und Aktionsnetzwerk (FIAN) und das Flower Label Program (FLP) am Dienstag in Wien.

Aber nicht nur die Umwelt, auch die Menschen bekommen die Produktionsbedingungen in den Blumenfarmen voll ab: "Während wir uns hier zum Muttertag Blumen schenken, wird den Arbeiterinnen und Arbeitern dort nichts geschenkt", berichtet Philip Doyle vom Südwind-Konsumentennetzwerk "I shop fair".

Horrortag Valentinstag

Hungerlöhne, fehlende Schutzkleidung, etwa beim Ausbringen hochgiftiger Pestizide, und sexuelle Belästigung durch Vorgesetzte gehören in den Blumenfarmen von Kenia zum Alltag. Gerade vor Festen wie Valentinstag oder Muttertag müssen massiv Überstunden geleistet werden - die nicht bezahlt werden.

Ähnlich das Bild in Guatemala. Dort hat der Arbeitsrechtsexperte José Gabriel Zelada Ortiz die Arbeitsbedingungen der Blumenindustrie untersucht. Das Ergebnis ist ernüchternd: Rund die Hälfte der Blumenfarmen zahlt weniger als den gesetzlich vorgeschrieben Mindestlohn von umgerechnet rund 150 Euro. Saisoniers bekommen gar nur zwischen 69 und 102 Euro. Eine fünfköpfige Familie bräuchte rund 195 Euro, allein um sich ausreichend ernähren zu können.

Bei Kündigungen zahlen 90 Prozent der Unternehmer keine oder zu wenig Abfertigungen. In der Hochsaison muss bis zu 15 Stunden pro Tag gearbeitet werden - erlaubt sind nur zwölf Stunden, Überstunden inklusive.

Auch hier gibt es nur kaum oder unzureichend Schutzkleidung. Informiert über die Gefahren des Chemieeinsatzes werden einzelne Arbeiterinnen schon - aber nur Schwangere. Damit sie kündigen.

"Faire und sichere Arbeitsverhältnisse aber auch nachhaltige Produktionsbedingungen sind zentrale Punkte bei unseren Zertifizierungen", schildert Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich das Gegenmodell mit fair gehandelten Blumen. Und dieses Anliegen teilen immer mehr Konsumenten: In Österreich wird bereits jede vierte importierte Rose unter dem Fairtrade-Siegel verkauft. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe, 5.5.2011)

  • Nur Schwangere werden über die Gefahren der Pestizide informiert - damit sie kündigen

    Nur Schwangere werden über die Gefahren der Pestizide informiert - damit sie kündigen

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