Primus inter Pares

4. Mai 2011, 19:20

Wenn Töchterle als Wissenschaftsminister Erfolg haben will, muss er eigentlich nur der bleiben, der er ist

Karlheinz Töchterle hat ein Atout: Er war Rektor. Und zwar einer, von dem man annehmen darf, dass gilt: einmal Rektor, immer Rektor. Auch als Wissenschaftsminister. Er kennt die Leiden der Universitäten, und er kennt die Freuden, die Universität in ihrer gelungensten Form bieten kann: die Lust am Denken, die Leidenschaft des Diskurses, die Sehnsucht nach Erkenntnis.

Töchterle ist quasi der "Primus inter Pares" unter den Rektoren, der Erste unter Gleichen. Wenn er als Wissenschaftsminister Erfolg haben will, muss er eigentlich nur der bleiben, der er ist. Das sagen, was er immer gesagt hat. Und das als Minister auch tun. Dann hat er das wertvollste Gut, das ein Politiker haben kann: Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit. Das wird die Verantwortung des Ministers sein, den sich die ÖVP als grünes oder liberales oder intellektuelles Federchen an den schwarzen Hut stecken wollte.

Ob Töchterle grandios scheitern oder furios amtieren wird, hat aber vor allem die ÖVP (und ihre Finanzministerin) in der Hand. Sie kann aus dem erfolgreichen Rektor einen erfolgreichen Minister machen - oder ihn, den Parteifreien, dem politischen System zum Fraß vorwerfen. Ohne die nötigen Finanzmittel muss er ein Gescheiterter werden. Es sei denn, die ÖVP wird gescheiter und alimentiert den Hochschulbereich endlich so, wie es ihr Töchterle und die anderen Rektoren seit Jahren sagen. Denn an diesem Standpunkt kann kein Standortwechsel etwas ändern. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.5.2011)

töchterle gestern in der zib2

ich hab mir - wieder einmal - gedacht, wie wohltuend es ist, wenn ein Politiker auf Fragen echte Antworten zu geben versucht. Tun die das immer nur beim ersten Interview? Irgendwie verlernen das Politiker offensichtlich mit der Zeit: nach ein paar Monaten im Amt kommt dann dasselbe Wischi-Waschi wie bei allen anderen. Nie einen einzigen ehrlichen Satz auf eine gestellte Frage. Auf jeden Fall hat der neue Wissenschaftsminister einen guten, einen sehr guten Eindruck gemacht - hoffentlich bewahrt er sich diese Art und wird nicht allzu schnell "verÖVPisiert".

ich halte naturgemäss

da ich im selben bereich arbeite (universität) von töchterle deutlich mehr als von allen anderen övp-erfindungen. was man bisher hören konnte (antrittsbesuch bei der ÖH aus eigeninitiative, widerstand gegen das unsägliche medien-coaching für die neuen regierungsmitglieder) bestätigt mich auch darin. trotzdem wird es - genau wie bei kurz - nicht von ihm abhängen wie erfolgreich er als fachminister sein wird, sondern vom politischen willen in der övp und der gesamten koalition. und was övp und spö von wissenschaft und forschung halten wissen wir alle - nichts.

töchterle hat im grunde keine chance. schade.

Firnberg hatte Recht - Frühstücksdirektor im Clownkostüm

ist das einzige, was ein Rektor sein darf.
Alles andere ist massiv schädlich für die Universitäten.

Die gar nicht so knappen öffentlichen Mittel fließen in ein unnötiges Prestigeprojekt nach dem anderen, die Diktatoren im Rektorat müssen schließlich die Freunderln der Universitätsräte und ihre eigenen bei Laune halten.

Zum Studentenquälen gibt es unstudierbare Studienpläne und viel Elitephantasien. Für die Lehre bleibt da, leider, leider, kein Platz, man versucht ja (sehr erfolgreich, haha) mit der Ivy League zu konkurrieren.
Die Rolle der eigenen Massenuni im Vergleich zu winzigen amerikanischen Privatunis für Superreiche zu reflektieren, dafür reichts nicht.

Und jetzt ist einer von denen Minister.

Wir die ÖVP nicht gescheiter, wird Töchterle, ein Gescheiterer zum Gescheiterten

und wahrscheilich auch klüger.
Irgendwie verstehe ich diesen Eiertanz nicht mehr bzw. wieso wir das akzeptieren:
Sowohl Politiker, als auch Denker sind sich einig, daß Österreich mehr Akademiker braucht.
Was tut die Politik, um das zu erreichen?
Sparen !!!!
Es gibt einen Regierungsbeschluss, die Ausgaben für Bildung und Forschung auf zumindest EU-Niveau zu erhöhen.
Was tut die Politik?
Sparen !!!
Auf Kosten unser aller Zukunft!
Um den wahrhaft Reichen, die halt das Pech hatten, in die falschen Papiere zu investieren, aus der Patsche zu helfen.
Und um die Landesfürsten und deren unproduktiven Hofstaat weiterhin mästen zu können.
Wer braucht schon AkademikerInnen?
Politiker beweisen: Einfalt schützt vor Reichtum nicht.

primus inter parias

Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

Schade,

Ihre Meinung wäre sicherlich emminent wichtig gewesen....

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