Wollt ihr den totalen Onkel?

4. Mai 2011, 19:14

Entenhausen in der österreichischen Innenpolitik

Den eigenen, vom Schicksal ohnehin gebeutelten Neffen zu schikanieren - weil man gerade schlechte Laune hat aufgrund eines verlorenen Glückstalers oder ähnlicher Nichtigkeiten - ist eine Verhaltensweise, wie man sie aus den Geschichten von Onkel Dagobert kennt. Dass sich derartige familiäre Abgründe auch in der Landschaft der heimischen Innenpolitik auftun, zeigt die selbst Entenhausener Demütigungsrituale überbietende Art, wie Josef "Donald" Pröll in den letzten Monaten von seinem Onkel Erwin gemobbt wurde.

Schon im September des Vorjahres konnte man den Landeshauptmann beobachten, wie er lächelnd neben dem damaligen Vizekanzler saß und genüsslich mitanhören konnte, wie diesem bei einer Klausur vom Obmann des niederösterreichischen ÖVP-Landtagsklubs offen das Misstrauen ausgesprochen wurde. Dem vorangegangen war der Beschluss eines Zahlungsboykotts seitens der schwarzen Landesgruppe gegen die Bundespartei. Als sich der Finanzminister schließlich daran machte, die Länder im Zuge einer geplanten Verwaltungsreform in die Pflicht zu nehmen und Strafzahlungen für Defizitsünder ankündigte, reagierte sein Onkel mit der finalen Erniedrigung: Er verbündete sich mit Werner Faymann und erklärte, nach dem Motto "Jetzt reden einmal die Erwachsenen", die ganze Reform sei abgesagt.

Nach dem erwartbaren W. o. des entnervten Neffen musste er dann auch keine Trauer heucheln und nützte die Gelegenheit zur endgültigen "Erwinisierung" der Partei, indem er mit Johanna Mikl-Leitner (interner Nom de guerre: "Prölls Frau fürs Grobe"), dem ehemaligen Strasser-Adlatus Johannes Rauch und Michael Spindelegger (Zitat Erhard Busek: "Der Erwin hat schon oft potenzielle Konkurrenten als Landeshauptmann auf andere Posten weggebracht") neues Führungspersonal nach seinen Wünschen installierte.

Nun regen sich innerhalb der Volkspartei sachte Stimmen, denen zwei Fragen am Herzen liegen: Sollte es zwischen einer Partei und einem Fanklub nicht feststellbare Unterschiede geben? Und sind für eine Gesinnungsgemeinschaft, die zum Wohl der Republik wirken möchte, nicht dringend notwendige Reformen in den Bereichen Bildung und Verwaltung ein wichtigeres Ziel als der Machterhalt?

Dramatischerweise gibt es nur einen Mann, der die ÖVP aus diesem Dilemma befreien kann: Heinz Fischer. In einem Akt beispielloser Selbstaufopferung müsste der Bundespräsident seinen Rücktritt erklären und das Amt Erwin Pröll überlassen - ohne eine Volkswahl, die außer enormen Kosten nur die in diesem Fall unerwünschte Erkenntnis bringen könnte, dass die Beliebtheit des niederösterreichischen Landesvaters westlich von Amstetten möglicherweise nicht ganz seinen Erwartungen entspricht.

Sofort könnte sich die ÖVP wieder auf ihre eigentliche Verantwortung besinnen, der Onkel wäre am Ziel seiner Träume, und falls ihm eines Tages Zweifel kämen, ob der Empfang beim kirgisischen Botschafter tatsächlich spannender ist als die Eröffnung des Feuerwehrheurigen in Großkrut, könnte ihn Christian Konrad mit einem zugeraunten "Ich hab's dir immer schon gesagt" trösten. (Florian Scheuba, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.5.2011)

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Posting 1 bis 25 von 89
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dunkelhaar
00
es gilt die Vermutung

der Erwin ist die pröllitarische Version von Bush Sr.

tt7
00
23.5.2011, 11:59
Genialer Artikel. Leider bleibt einem das Lachen im Munde stecken....

h k
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Solo für O.N.K.E.L

erst verblasst der Neffe, dann das ganze Land

rm2000
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Erwin the one and only!

Der LH von NÖ ist mit Abstrichen OK. Urteilen werden die Bürger denen das Lachen vergeht.

The Ghost in the Machine 2.0
 
01
der Onkel Erwin ist immerhin DOPPELTER AKADEMIKER ...

... kein Wunder dass er sogar den Pfaffen die Leviten liest (youtube stichwort: Entgleisung Pröll) ... da fallen dann auch die letzten Katholen auf die Knie vor dem erwerten Pröllo.

roundabout
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Da sich in einer

Generation von Nesthockern keiner wirklich auf die eigenen Füsse stellen will, kommt dies nicht überraschend.

pago1
02
altersstarrsinn bekommt bei erwin eine neue bedeutung

didi111
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Einen grossen Vorteil hat die Sache trotzdem (incl. einem Nachteil)

Durch diese Dumpfbacken, die grossteils mit sich selbst beschäftig sind, haben wir grossteil Ruhe.

Der Nachteil dabei ist, daß wir die ganze Sache zahlen müssen.

Mir erzählte vor längerem ein hochraniger Gewerkschaftler, warum die damalige schwarz/blau/orange-Regierung gut war für die ÖBB-Bedienstete:

Bis zu dieser (schwarz/..) Regierung war damals Draxler der Chef der ÖBB, griff ordentlich durch und war wirklich gefährlich für die Mitarbeiter. Haberzettel soll ein Intimfeind von Draxler gewesen sein.

Dann kamen die Blacks und in ihrer Dummheit wurde gebaut (der Koramtunnel, ..), wurde diversifiziert..

Dadurch wurde die ÖBB ein finanzieller Moloch und war "to big to fail"..

Und die pragmantisierten Mitarbeiter sind happy

josef nudlsuppn
02

tja, da landeserwin... gruselig...

Laandaks
31
Kommt mir total bescheu(b)ert vor - ein Gleichnis der Generation Comic Strip...

..., weiß schon, daß das eine satirische Kolumne sein soll, aber die Entenhausener Parallele ist für mich eher schwach-sinnig als satirisch-lustig.

Darüber hinaus, einmal im Ernst:

1. Ist die Frage, welche personellen Alternativen hätte die VP denn: Man nenne bekannte (!) ministrable Leute aus dem VP-Bereich. Hier rächt sich, daß die Abgeordneten zum Stimmvieh degenerierten und daß praktisch kein Nachwuchs in Sicht ist. (Stichwort: Kurz...)

2. Hat der komische Erwin (es ist erstaunlich, welche Landespolitiker von ihren "Untertanen" immer wieder-gewählt werden, nicht nur in Ktn...) kaum ein Interesse daran, Bundespräsident zu werden: Als solcher könnte nicht einmal er viel ausrichten...

3. Am Rande: NÖ war in der VP immer schon stark...

anton-aus-tyrol
 
00
Being Onkel Erwin!

Ich denke in seiner Gedankenwelt geht es so zu, wie in dem Film Being John Malkovich.

Und die Stimme in seinem Kopf sagt ständig: Onkel Erwin, Onkel Erwin, Onkel Erwin...

Deß Dr. Gonzo Merck=Wuerdige Meynungen & Merckungen
 
02

mir kommt der emir von st.pröllten mehr wie isnogud vor, der fortwährend daran scheitert, bundespräsident/kanzler anstelle des bundespräsidenten/kanzlers zu werden.

KomaPoster
64
na, und, wieder mal leicht verdientes Zeilenhonorar für rein gar nix.

Wen juckts. Wir alle wissen eh wer Herr Erwin ist und was er darstellt. Aber es gibt nirgendwo einen Anlass das zu thematisieren. Herr Scheuba könnte auch über den Direktorenwechsel bei irgendeinener ländlichen Kabarettbühne schreiben. Es wäre genauso interssant, wichtig oder wurscht.

URKNALL
00
also ich bin ja kein scheuba fan, aber den artikel fand ich amüsant.

warum in gottes namen sollte sowas nicht veröffentlicht werden?!?!

karakal
26
Hallo?

Bei dem großmächtigen Auftreten des Herrn Erwin ist das IMMER ein Grund es zu thematisieren.
Ich finde NÖ und OÖ schrecklich provinziell und mitverantwortlich für die Blockade der Politik in Österreich.
Dass die Herren das anders sehen muss ja kein Grund sein, darüber zu schweigen, oder?

josef nudlsuppn
03

habens in herrn platter in tirol vergessen?

Norbert Dichand
34
Gut geschrieben!

Tino67
 
39
Hervorragender Artikel, nur eine Frage bleibt offen:

wer in der österreichischen Innenpolitik ist nun Gundel Gaukeley?? Jene Damen die geradezu prädestiniert für diese Rolle wären (Fekter und Mikl-Leitner) sind nämlich Erwin Dagobert treu ergeben und wollen ihm den Glückstaler sicher nicht abjagen. Und weder Glawischnig noch Vassilakou, weder Heinisch-Hosek noch Bures passen für diese Rolle, die sind alle viel zu wenig fies dafür. Mag mit ein Grund sein warum Rot-Grün österreichweit keine Chance hat - der österreichische Wähler mag Fieslinge!

steter Topfen höhlt das Sein
01
rein optisch

Laura Rudas

Ender Wiggin
34
Heinz-Christa Strache

kontrapt
01

Wieso finden das alle nicht lustig? Ich schon!

EUphoriker
014

Barbara Dosenpfand?

der elch mit dem kelch
18
Ganz recht Herr Scheuba

was der Erwin, der Pepi, der Werner mit Ihren Organisationen aufführen und nebenbei die Republik immer mehr in ein Textilgewerbe verwandeln, das kann Kabarett und Satire gar nicht leisten; gleichzeitig werden alle intellektuellen Niveaustufen werden bedient: Aktuell sind wir beim "anbrunzen" des anderen.

Für Sie, Herr Scheuba und Ihre Zunft brechen harte Zeiten an; besser als die Originale können Sie nicht werden. So gesehen kann sich ganz Österreich glücklich schätzen: Wir bekommen Theater, Posse, Satire und Drama jeden Tag über die Medien frei Haus geliefert.

Wäre da nur nicht der Preis den wir alle dafür bezahlen müssen.

steter Topfen höhlt das Sein
01

die neue tätigkeit scheubas deutet darauf hin: journalismus ist der neue kabarettismus. es geht nurmehr darum, wer die besten zuckerl aus dem riesenfundus der realsatire pickt.

alpentiger
21
Der Artikel hat mich amüsiert, weil er ziemlich logisch ....

die Befindlichkeit der "Verwandtschaft" unter Stammesbrüdern darstellt.

Man muss aber auch bedenken, dass es in der ÖVP nicht wenige "Grand(t)en" gibt, die dem Egomanen aus St. Pölten nicht unähnlich sind oder es ihm gleichtun würden, hätten sie soviel Hausmacht.

Eigentlich ist es ein schauderhaftes Beispiel, wie es zugeht auf einem sinkenden Schiff. Ruhe ist wohl erst, wenn die Wasserlinie das Oberdeck erreicht. Und das wird so leicht nicht passieren, denn der kleinste gemeinsamen Nenner in der ÖVP ist noch immer die bestehende strukturelle Macht in Verbänden, Bünden und in der Beamtenschaft. Dies sind einerseits die Steine um den Hals des Obmannes andererseits der Rettungsring vor dem Sinken.

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