"La Nana – Die Perle": Ein Dienstmädchen sieht rot

5. Mai 2011, 07:25
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Hauptdarstellerin und Erzählverlauf machen "La Nana - Die Perle" unbedingt sehenswert

Raquel (Catalina Saavedra) hat schon ihr halbes Leben im Dienst einer inzwischen sechsköpfigen, großbürgerlichen chilenischen Familie verbracht. Sie schupft die Villa und den Haushalt, macht den Schulkindern morgens ihr Jausenbrot und trägt den Eltern das Frühstück ans Bett, saugt, wischt, kocht, wäscht.

Über die zwanzig Jahre und die viele Arbeit ist ihr Körper müde und ihr Gesicht hart geworden, der andauernde nahe Umgang mit der Familie hat die Grenzen verwischt und verschoben. In einer Mischung aus Erschöpfung und Enttäuschung hat Raquel ihr eigenes Regime errichtet. Sie intrigiert und manipuliert. Als ihre Arbeitgeberin ein zweites Dienstmädchen einstellt, um Raquel zu entlasten, droht die Situation zu eskalieren.

La Nana - Die Perle heißt der zweite Spielfilm von Sebastián Silva, der bereits 2008 vorgestellt wurde und erst jetzt in Österreich ins Kino kommt. Die widerborstige Titelfigur, der die ursprünglich vom Theater kommende Catalina Saavedra in beeindruckender Weise die müde Haltung und die undurchdringlich-angefressene Mimik gibt, ist sein Zentrum. Die Kamera bleibt in den leicht elliptisch montierten Sequenzen, die großteils im Haus spielen, immer nah an ihr dran. Zunächst scheint sich Raquel zu einer Wiedergängerin von Genets Zofen zu entwickeln - dann jedoch erfolgt eine Intervention mit höchst überraschender Wirkung. Neben der Hauptdarstellerin macht auch der ungewöhnliche Erzählverlauf La Nana unbedingt sehenswert. (irr, DER STANDARD - Printausgabe, 5. Mai 2011)

  • Raquel (Catalina Saavedra), eine "Perle" auf der Suche nach passenderer Dienstkleidung.
    foto: polyfilm

    Raquel (Catalina Saavedra), eine "Perle" auf der Suche nach passenderer Dienstkleidung.

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