Österreich als Krisenverursacher

4. Mai 2011, 17:22
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Hohe Leistungsbilanzüberschüsse tragen zum Schuldendilemma in den südlichen Euro-Staaten bei

Stolz hat die Nationalbank am Mittwoch die Leistungsbilanz des Landes für 2010 verkündet: 7,8 Milliarden Euro beträgt der Überschuss. Das ist zwar kein neuer Rekord und etwas weniger als 2009, aber doch wieder ein sehr hoher Wert.

Für die Nationalbank ist diese Zahl, die sich aus einem Defizit im Güterverkehr und einem riesigen Überschuss bei den Dienstleistungen ergibt, ein Leistungsbeweis der österreichischen Volkswirtschaft. Das sagt ja bereits der Name.

Was wie eine tolle Nachricht wirkt, ist in Wirklichkeit ein kleines Alarmsignal für die gesamte Eurozone. Denn die großen Exportüberschüsse von Staaten wie Deutschland, die Niederlande und Österreich sind eines der Hauptursachen für die Schuldenkrise in Südeuropa. Und solange sich die Überschussstaaten mit ihren Überschüssen brüsten, ist kein echter Ausweg in Sicht.

Zwei unbestreitbare Fakten liegen dieser Analyse zugrunde:

1)      Nicht jedes Land kann Exportüberschüsse generieren.

2)      Jedem Land mit einer positiven Leistungsbilanz muss ein Land mit einer negativen Bilanz gegenüber stehen.

Da der Großteil des europäischen Außenhandels innerhalb der EU stattfindet, ist es unvermeidlich, dass einige Länder Jahr für Jahr Leistungsbilanzdefizite generieren. Und diese lassen sich nur durch eine ausländische Verschuldung finanzieren – nicht unbedingt des Staates, aber der Volkswirtschaft.

Diese Milchmädchenrechnung versteht jeder erstsemestrige Wirtschaftsstudent. Bloß Politiker und Wirtschaftskapitäne wollen einfach nicht der Realität ins Auge sehen, dass ihre Exporterfolge genau jene Probleme mitverursachen, die das gesamte wirtschaftliche Gefüge Europas ins Wanken bringen.

Nun kann man sich nicht wünschen, dass österreichische Unternehmen auf Markterfolge im Ausland verzichten. Genauso sinnlos wäre es, ausländische Touristen an den Grenzen abzuweisen.

Österreichs Wirtschaft braucht keine Selbstbeschränkung. Aber beständige Leistungsbilanzüberschüsse – und Österreichs Bilanz liegt seit 2002 stets im Plus – sind ein klares Zeichen für eine zu schwache Binnennachfrage.

Die Österreich produzieren mehr als sie konsumieren. Das ist schlecht für jene Länder,  denen Jahr für Jahr Defizite auf indirekter Weise aufgezwungen werden, und auch schlecht für Österreich.

Denn in Wirklichkeit subventionieren wir den Lebensstandard der anderen, die mehr konsumieren als sie produzieren. Im Gegenzug erhalten wir Staatsanleihen und andere Schuldenpapiere, die sich am Ende vielleicht nicht als werthaltig erweisen.

Binnennachfrage lässt sich nicht per Knopfdruck ankurbeln, aber einige Rezepte dafür gibt es: etwas mutigere Lohnabschlüsse, leichtere Unternehmensgründungen und vor allem eine weitere Deregulierung der Produktmärkte und des Handels. Das geht nicht von einem Tag auf den anderen. Aber die jüngsten Außenhandelszahlen machen zumindest den Handlungsbedarf klar.

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