Von "Plastik-Duft" angelockt: Das Mäuschen als Bestäuberin

4. Mai 2011, 17:51
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Die parasitäre Pflanze Cytinus visseri lebt in Symbiose mit Mäusen und Spitzmäusen

Bayreuth - Blütenpflanzen sind mit den verschiedensten Spezies Symbiosen eingegangen und haben sich ihren Bestäubern sowohl in Form als auch Duft angepasst. Die gewaltige Titanwurz etwa, die vor kurzem Schlagzeilen machte, verströmt einen Aasgeruch, der Menschen zum Würgen bringt, aber dafür Käfer unwiderstehlich anlockt. Doch es müssen nicht immer Insekten sein - auch verschiedenste Vogel- und sogar Säugetierspezies können als Bestäuber fungieren.

Cytinus visseri

Eine internationale Forschungsgruppe hat nun erstmals Duftstoffe analysiert, mit denen es Pflanzen gelingt, nicht-fliegende Säugetiere für die Bestäubung gezielt anzulocken. Denn nicht nur Fledermäuse können Pflanzen bestäuben, manchmal leisten auch kleine Krabbler den erforderlichen Job. Cytinus visseri, eine im südlichen Afrika beheimatete seltene Pflanzenart, verströmt mit ihren dunkelroten Blüten einen Duft, dem Mäuse und Elefantenspitzmäuse instinktiv folgen.

Diese malvenartigen Pflanzen sind Parasiten, die keine eigene Photosynthese betreiben können. Sie leben in den Wurzeln ihrer Wirtspflanzen, nur die Blütenstände werden außerhalb des Wirtes gebildet. Cytinus visseri wächst meistens unter einem dichten Gestrüpp von Strohblumen verborgen. In den späten Nachmittagsstunden enthalten ihre Blüten reichliche Mengen eines süßlichen Nektars, den Kleinsäugetiere dann vorzugsweise nachts fressen.

Stefan Dötterl von der Universität Bayreuth ist mit chemischen Analysen der Frage nachgegangen, wie zwei körperlich ähnliche, aber keineswegs miteinander verwandte Tiere gleichermaßen rekrutiert werden können: Mäuse sind Nagetiere, Spitzmäuse hingegen Insektenfresser und somit mit Maulwürfen und Igeln verwandt. Am Lehrstuhl für Pflanzensystematik der Universität Bayreuth wurde der streng nach altem Plastik riechende Duft analysiert. 

Duftkomponenten

Mittels Gaschromatographie und Massenspektrometrie konnten dabei mehr als 30 Substanzen nachgewiesen werden. Nur zwei dieser Stoffe kommen in größeren Mengen vor: Der eine Stoff, das 3-Hexanon, löst zumindest bei Mäusen ein angeborenes Verhalten aus: Instinktiv wollen die geruchsgesteuerten Tiere der Duftquelle auf die Spur kommen. Der andere Stoff, das 1-Hexen-3-on, ist für den strengen Geruch verantwortlich. Er würde für sich genommen die Mäuse abschrecken, in Verbindung mit dem 3-Hexanon bleibt dieser Effekt jedoch aus.

Wie das 3-Hexanon auf Elefantenspitzmäuse wirkt, ist bisher noch nicht nachgewiesen worden. Auffallend ist aber, dass auch sie im Labor äußerst ungeduldig werden, sobald sie den Duft von Cytinus visseri riechen. Mit den Hinterbeinchen "stampfen" sie auf den Boden, selbst wenn sie die Pflanzen nicht sehen können. Daher liegt die Vermutung nahe, dass das 3-Hexanon auch bei ihnen ein instinktives Verhalten auslöst.

3-Hexanon ist auch von Pflanzen bekannt, die von Fledermäusen bestäubt werden - Pflanzen, die auf Insekten als Bestäuber setzen, haben hingegen ganz andere Duftstoffe entwickelt. Die Forscher vermuten daher, dass sich im Lauf der Evolution in verschiedensten Pflanzengruppen unabhängig voneinander Signale für die Anlockung von Säugetieren entwickelt haben. (red)

  • Eine Elefantenspitzmaus leckt Nektar 
aus den Blüten von Cytinus visseri heraus.  Die Tiere haben einen kleinen Rüssel, mit dem sie die 
Blütenblätter zurückklappen, so dass sie an den Nektar herankommen.
    foto: steven d. johnson

    Eine Elefantenspitzmaus leckt Nektar aus den Blüten von Cytinus visseri heraus. Die Tiere haben einen kleinen Rüssel, mit dem sie die Blütenblätter zurückklappen, so dass sie an den Nektar herankommen.

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