Ein Liter Milch und zwei Bio-Paprikapflanzen, bitte!

17. Mai 2011, 10:29
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Die alteingesessenen Anbieter sehen den Einstieg der Lebensmittelketten ins Biopflanzen-Geschäft durchaus positiv

Bio und Rares boomt - nun auch im Blumentopf. Waren bis vor einigen Jahren vor allem Raritäten- und Tauschbörsen, Biokistllieferanten sowie die Arche Noah Quellen der besonderen Pflanzen, so sind nun auch die großen Lebensmittelketten - 2010 REWE mit Billa, Merkur und Adeg und heuer auch Spar - ins Geschäft mit dem Bio-Grünzeug eingestiegen, der Heimwerkermarkt Hornbach wirbt derzeit ebenfalls mit seinem Biosortiment. Die bereits länger in diesem Segment tätigen Biopflanzenvermarkter stört die Konkurrenz bis jetzt kaum.

So hat der Biokistllieferant Adamah bereits seit zwölf Jahren Jungpflanzen im Angebot, die via Hauszustellung im Kistl und dem alljährlichen Frühlingsfest unter die Biogärtner gebracht wurden. Die Supermarktkonkurrenz habe man zwar ein wenig mit Sorge gesehen, der Pflanzenmarkt am 30. April sei aber besser besucht gewesen als je zuvor, erzählt Ines Scheiblhofer vom Biohof Adamah. Die Kunden schätzten die Beratungsmöglichkeit und die Vielfalt sowie die besonders gut abgehärteten Pflanzen. Mehr als 120 Sorten an Kräutern und Jungpflanzen finden sich im Angebot, bewusst bezieht man auch die Stadtgärtner mit Balkonen und Terrassen ein, die Paradeiser im Topf pflanzen möchten.

Auch der Gartencenterbetreiber Bellaflora führt bereits seit 2006 Biopflanzen, seit 2010 kooperiert man mit der Arche Noah. "Das Segment wächst zweistellig, der Anteil an Bioprodukten liegt bei ca. 20 Prozent", erklärt Bellaflora-Geschäftsführer Alois Wichtl. "Wir haben 120 Biosamen und 50 Biokräuter im Sortiment, im Vorjahr wurden rund 550.00 Biokräuter-Töpfe verkauft". Der Boom sei ungebrochen und die Kunden würden auch zu Bio-Erde, Bio-Düngern und Bio-Pflanzenschutzmitteln greifen. Zwar sei der Wettbewerb spürbar, aber das sei nicht nur ein Nachteil: Werde doch durch die Konkurrenz ein großer Werbeaufwand für die Bioware betrieben, der das Bewusstsein für Biopflanzen insgesamt erhöhe.

Essbare Balkonblumen

Der REWE-Konzern ist nach dem - laut Unternehmenssprecherin Corinna Tinkler "sehr erfolgreichen Beginn im Vorjahr" - heuer massiv auf die Bio-Pflanzenschiene aufgesprungen und bewirbt diese auch in großen Kampagnen. Insgesamt finden sich rund 70 Artikel im Pflanzensortiment: Von "normalen" Biojungpflanzen, Wildkräutern und essbaren Balkonblumen bis zu biologischen Pflanzenschutzmitteln gegen Läuse und Schnecken. Zusätzlich bietet REWE in seinen Supermärkten Raritäten-Biosamen in Kooperation mit der Arche Noah an. 

Nach dem REWE-Einstieg hat nun auch Spar in diesem Frühling mit 40 Biopflanzenprodukten nachgezogen. Ab Ende Mai wird - wohl auch vordringlich für die städtische Klientel, die wenig bis keinen eigenen Grünraum besitzt - Naschgemüse im Topf verkauft und man setzt ebenfalls auf Rares: Seit dieser Woche gibt es in Kooperation mit Erich Stekovics sechs seltene Paradeiserspezialitäten. 

"Raus aus dem Nischendasein"

Im Vorstand der Arche Noah, die sich seit 21 Jahren für die Erhaltung der Pflanzenvielfalt einsetzt, hat man lange diskutiert, ob man mit einem großen Lebensmittelkonzern zusammenarbeiten soll, und hat sich letztendlich dafür entschieden. Primäres Ziel der Zusammenarbeit mit Ja! Natürlich war für Beate Koller, Geschäftsführerin der Arche Noah, das Thema Vielfalt an einen breiteren KundInnenkreis heranzutragen. Zusätzlich finanziert REWE die Erhaltung von 200 Sorten - dies sei ein wichtiges Grundprinzip bei der Kommerzialisierung alter Sorten. "Es muss ein Rückfluss stattfinden, mit dem die Sortenerhaltung als Grundlage für vermarktbare Produkte unterstützt wird", so Koller.  Die Zusammenarbeit hätte bis jetzt nur positive Auswirkungen gezeigt.

Um den vielen Mitgliedern und Pflanzeninteressierten die weite Anreise nach Schiltern zu ersparen, hat die Arche Noah begonnen, Pflanzenmärkte in den Bundesländern aufzubauen, die auch den Austausch mit Mitgliedern und Partnern in der Region stärken sollen. So ist die Arche Noah jedes Jahr auch bei der Raritätenbörse im botanischen Garten Wien vertreten - einer Veranstaltung, die gut zeigt, wie stark das Interesse an ausgefallenen Sorten wächst. Jedes Jahr strömen mehr Menschen in den botanischen Garten, und der Stand der Arche Noah ist gut besucht. Neben den Kooperationen mit Rewe und Bellaflora sind selbstverständlich auch die Direktvermarkter wichtige Arche-Noah-Partner so Beate Koller, derzeit werde gerade am Aufbau von Projekten mit dem Naturkosthandel gearbeitet. (derStandard.at, 16.05.2011)

  • Von seltenen Stekovics-Paradeisern...
    foto: derstandard.at/ped

    Von seltenen Stekovics-Paradeisern...

  • ...bis zu Biopaprika: Die Supermärkte setzen auf Bio und Raritäten.
    foto: derstandard.at/ped

    ...bis zu Biopaprika: Die Supermärkte setzen auf Bio und Raritäten.

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