Freiluftoperette einmal in Damenhand

4. Mai 2011, 15:38
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Die deutsche Kammersängerin Dagmar Schellenberger wird Intendantin in Mörbisch.

Wer in Mörbisch Gräfin Mariza oder Hanna Glawari war, also seine Operettenkünste unter von "Regisseur Wetter" geprägten Bedingungen erstrahlen ließ - der hat Format wie auch Gelassenheit im Repertoire. Die Entscheidung, sie ab September 2012 als Nachfolgerin von Harald Serafin zu erwählen, sie also zur kommenden Intendantin der Mörbischer Seefestspiele zu bestellen, dürfte bei Kammersängerin Dagmar Schellenberger jedoch spezielle Euphorie ausgelöst haben.

Zum ORF meinte die in der DDR Geborene (1958, Oschatz) jedenfalls in einer ersten Reaktion: "Ich könnte die ganze Welt umarmen, so wie es der Operette entsprechend ist. Mir geht es fantastisch, ich habe es eben auch erfahren und muss jetzt meine Gefühle noch ordnen. Ich freue mich wahnsinnig. Hallo Burgenland, ich komme!"

Hört man die Begründung der Jury, ist man indes gar nicht so überrascht über den Ausgang einer Wahl, an der 35 Bewerber teilnahmen. Schellenberger habe sich "überaus überzeugend und professionell" präsentiert, auch ein "beeindruckendes Konzept" vorgelegt. Zudem habe sie den Eindruck hinterlassen, "das Publikum auch langfristig begeistern" zu können.

Das wird allerdings auch nötig sein. Harald Serafin hat aus dem verschlafenen Operettenfest, aus einer ehemaligen musikuntermalten Gelsenreitschule nicht nur ein stetig wachsendes Entertainmentunternehmen gebastelt, das im vergangen Sommer an die 170.000 Menschen begrüßen konnte. Serafin war und ist vielmehr dessen stimmungshebende Dauerattraktion.

Verständlich, dass die Verantwortlichen bescheiden anmerkten, jemanden gesucht zu haben, der Serafin zumindest "einigermaßen nachfolgen kann". Von der Theaterpraxis her kann es Schellenberger indes mit dem Bühnenprofi aufnehmen. Sie ist ebenso ein solcher. Sie war Mitglied der Komischen Oper am Rhein und als Oper-, Musical- und Operettensängerin international auf Reisen. Dabei arbeitete sie mit Dirigenten wie Riccardo Muti, Zubin Mehta und Franz Welser-Möst. In Wien war sie, die eine Tochter hat, etwa im Theater an der Wien in der Oper I hate Mozart! zu erleben.

Ob es gutgeht, muss sich ab 2012 weisen. Serafin jedenfalls ist optimistisch: "Ich kenne die Dame. Sie ist eine tüchtige Person, stark im Auftreten. Sie bringt die Berliner Luft hierher. Wir werden uns an sie gewöhnen müssen und sie sich an uns. Das ist eine gute Mischung." (Ljubisa Tosic / DER STANDARD, Printausgabe, 6.5.2011)

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    foto: arte
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