Kritik von Grünen, SPÖ und Israelitischer Kultusgemeinde: "Unverschämte Provokation"
Am Sonntag jährt sich die Kapitulation Hitler-Deutschlands zum 66. Mal. Das rechte
Lager versammelt sich zum alljährlich stattfindenden "Totengedenken" des Wiener
Korporationsringes (WKR) am Wiener Heldenplatz. Auch heuer dürfte es wieder zu
Gegendemonstrationen kommen. Von der Rampe der Wiener Universität
soll der Fackelzug zur Krypta auf dem Heldenplatz gehen, hieß es
vonseiten der Organisatoren. Dort soll schließlich FPÖ-Chef
Heinz-Christian Strache reden. Auch die umstrittene Neonazi-Seite "alpen-donau.net" wirbt für die Veranstaltung.
Die Israelitische Kultusgemeinde kritisiert das Totengedenken samt dem Auftritt Straches in einer Aussendung: "Diese unverschämte
Provokation zeigt die Verbindung zwischen Politikern, die
man per gültigen Gerichtsbeschluss als Kellernazis ob der Nähe ihres
Gedankengutes zum Nationalsozialismus bezeichnen kann und jenen, die
solches Gedankengut offen vertreten."
Es sei erschütternd, dass die politische Ebene Österreichs, statt
sich gemeinsam mit den überlebenden Verfolgten des
Nationalsozialismus beim Mahnmal für die Opfer für die Befreiung am
Heldenplatz zu versammeln, ein Heldengedenken für die Täter zulässt.
Der Grünen-Nationalratsabgeordnete Karl Öllinger meint in einer Aussendung: "FPÖ-Obmann Strache, der stets wenig glaubhaft jede Verbindung zu Neo-Nazis wie alpen-donau und Rechtsextremisten bestreitet, macht mit seiner Trauerrede am 8. Mai 2011 klar, wo er steht: Jedenfalls nicht auf der Seite einer demokratischen, rechtsstaatlichen, auf Grund- und Freiheitsrechte fußenden Republik. Alle Parteien, die zu dieser Republik stehen, müssen sich davon deutlich distanzieren."
"Alarmglocken läuten"
Auch SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas kritisiert das Totengedenken: Dass sich ein kleiner Kreis von ewig Gestrigen zusammenfindet sei bedauerlich. "Wenn dieses Stelldichein durch Straches Rede von einer Parlamentspartei unterstützt wird, lässt das alle Alarmglocken läuten", so Rudas in Richtung Strache. Sie mahnt zur Wachsamkeit und fordert Strache auf, seine Teilnahme bei der Veranstaltung abzusagen.
FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl wies die "pseudomoralische Empörung der Linken" über das Totengedenken zurück. Bei dieser Veranstaltung werde aller Opfer gedacht, betonte er. Es finde "keinerlei Verherrlichung oder Verharmlosung von Nationalsozialismus und Krieg" statt. Stattdessen gehe es darum, "die entsetzlichen Ereignisse jener Zeit als Mahnung für die Gegenwart und die Zukunft zu begreifen".
Es sind zahlreiche Gegendemonstrationen angekündigt. (red, derStandard.at, 5.5.2011)