Schuldenabbau

Wirtschaft wirbt für neue Privatisierungswelle

4. Mai 2011, 13:23

WKÖ-Leitl und IV-Sorger sehen 20 Milliarden Euro Potenzial in Börsegängen, vor allem bei den Energieversorgern

Wien - Die Wirtschaft tritt für die weitgehende Privatisierung aller österreichischen Energieversorger sowie anderer öffentlicher Unternehmen ein und glaubt damit über die Börse rund 20 Mrd. Euro erlösen und dabei rund 10 Prozent der österreichischen Staatsschulden abbauen zu können. In einem ihrer seltenen gemeinsamen Auftritte plädierten Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl und Industriellenpräsident Veit Sorger dafür, Privatisierungen vorzubreiten, die man dann "zum richtigen Zeitpunkt" starten solle.

Es sollten nur bis zu 25 Prozent privatisiert werden, der Vorgang sei nicht mit einer Leistungseinschränkung für die Konsumenten verbunden, erklärte Sorger: "Das ist keine ideologische Frage, sondern eine der leeren Staatstöpfe."

Auf der Privatisierungsliste der Arbeitgeberorganisationen stehen zunächst die Energieversorger (Verbund, Ländergesellschaften), die den Löwenanteil der Privatisierungserlöse bringen sollen. Dazu will die WKÖ die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) und die Bundesforste (ÖBf) verkaufen. Die Vorschläge der IV unterscheiden sich davon geringfügig: die Industriellen würden auf die Privatisierung der Bundesforste verzichten, und möchten dafür aus einem Börsegang der Nationalbank-Tochter Münze Österreich rund 800 Mio. Euro erlösen.

Kein Potenzial bei ÖBB

Ferner warf Sorger die österreichischen Flughäfen (Erlöspotenzial: 400 Mio. Euro), den Hafen Wien (50 bis 100 Mio. Euro), die Wiener Garagengesellschaft Wipark und Wohngesellschaften der Kommunen (mehrere hundert Millionen Euro) in die Privatisierungsdiskussion. In den ÖBB wird derzeit kein Privatisierungspotenzial gesehen.

Auch bezüglich der Verwendung der Erlöse sehen Wirtschaftskammer und IV die Dinge nur in Nuancen anders: Während die Industriellen die Erlöse teilweise für einen Schuldenabbau und teilweise für einen Zukunftsfonds (Ausbildung und Forschung) nutzen will, plädierte Leitl dafür, mit dem Geld die Staatsschulden abzubauen und die Zinsersparnisse in "Zukunftsinvestitionen" zu stecken. Die einzige Garantie, dass Privatisierungserlöse zum Schuldenabbau verwendet würden, sei der "politische Wille", meinte Leitl.

Die Zinsen, die auf Staatspapiere gezahlt werden müssten, würden weiterhin steigen "und wenn sie nur um zwei Prozentpunkte höher liegen, müssen wir um 4 Mrd. Euro mehr Zinsen zahlen." Nach dem Ende der Finanzkrise habe sich die Situation "jetzt normalisiert", weswegen man jetzt mit den Privatisierungsvorbereitungen beginnen sollte.

Die von der Industriellenvereinigung favorisierte Privatisierungsliste könnte nach einer Modellrechnung des IV-Ökonomen Christian Helmenstein (inklusive Münze) rund 21 Mrd. Euro Erlöse bringen. Dem stehen aktuell 557 Mio. Euro Dividenden gegenüber, die 2009 an die staatlichen Eigentümer gezahlt wurden (inklusive EVU-Dividenden an Bundesländer). (APA)

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Posting 1 bis 25 von 66
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Jake Gittes
10

Mehr Privat, weniger Staat hat uns diese ganze Schei*e eingebrockt. Lösung: Mehr privat weniger Staat.

Die ewig gleiche verlogene Strategie der ewig gleichen verblendeten Ideologen.

Gegenflieger
00

Was machen die wohl,wenn es nichts mehr zu Privatisieren gibt?

Plato
14
Familiensilber verscherbeln !

1. Eigentum der Staatsbürger wird, ohne diese zu fragen, verscherbelt, mit Provisionen für Lobbyisten.
2. Jeder Investor will eine Rendite für sein investiertes Kapital haben, also wird's für den Konsumenten teurer, sofern nicht ausreichend Wettbewerb vorliegt (z.B. ÖBB, Energieversorger, etc.)
3. Wenn's schief geht, kauft's der Staat mit Steuergeldern inclusive Verbindlichkeiten zurück (siehe Hypo Alpe Adria)

Motto:
mehr privat, weniger Staat - für profitable Betriebe
nur Staat, nie privat - für Verlustbetriebe

Kalvarienberg
02
Eh kloa: Der Sorger kennt sich schliesslich aus beim Mitschneiden bei solchen Deals !!!!!

Kleinhirn
05

"SOLL 21 Mrd. Euro Erlöse bringen."
Verwaltungskosten für den Verkauf werden ca. 2,5 Mrd betragen, Schmiergelder in der höhe von 3-6 Mrd. Dh davon kommen max. 15Mrd im Steuertopf an.
Jedes Jahr wird ein Unternehmen privatisiert, und zufällig wirds in dem Jahr dann immer einen Grund geben warum man das Geld nicht zur Schuldentilgung nehmen kann.
Z.B. Jahrhunderthochwasser, Bankenkrise, Wirtschaftskrise, Wahljahr, Pensionsloch, Ozonloch, Umweltmaßnahmen, EU-Kredite für PIGS, unvorhersehbare Steuerrückgänge usw.

Kein Cent würde jemals für eine Rückzahlung verwendet werden, aber Berater ala Meischi und Lobbyisten ala Strasser dürften sich wieder goldene Nasen verdienen.

thommerrillin
31
Wir haben es ja

bei Flughafen, ÖBB, AUA oder bei den Landehypos von Kärnten bis Niederösterreich gesehen, wie grossartig der Staat als Unternehmer agiert. Während die privatisierten Unternehmen wie Voest oder Böhler-Uddeholm Schandflecke der heimischen Wirtschaft darstellen. Das muss dem Steuerzahler schon ein paar Milliarden pro Jahr wert sein.
Für das ÖBB-Defizit allein könnte man die Bildungsausgaben auf die erträumten 2 % des BIP bringen und das langfristige Forschungsziel von 3,76 % des BIP auch finanzieren. Aber wer braucht schon Bildung und Forschung, wenn wir auch dafür Tunnel graben und Frühpensionisten finanzieren können?

nonaned
05

herr veit-sorger, sind ihre erträge aus dem verkauf der hypo a.a. weiterhin ruhend gestellt? bei den privatisierungen, da könnt man schon wieder einen gusto kriegen...

Buntspecht12
48
Na klar!

die Unternehmen, mit denen man große Kohle machen kann sollen privatisiert werden. Damit die Kohle nicht zurück zum Steuerzahler fließt sondern in die Taschen derer, die ihre Taschen eh schon voll haben. Die ÖVP will frisch und froh die Grasser Linie weiter fahren.
NIX DA !! Unfähige Politmanager sofort aus den Betrieben raus schmeissen, anständige Manager rein setzen (davon gibt es genügen in Österreich) und die Hühner die goldene Eier legen im Besitz der BürgerInnen dieses Landes belassen!!!!!!!
BürgerInnen WEHRT EUCH !!! Lassen wir uns nicht weiter verarsxxen!

jayjay11
42

Das Problem ist, das viele staatliche Unternehmen extrem ineffizient geführt werden, da sie nicht davon abhängig sind, profitabel zu sein. Würde man sie an der Börse verkaufen, würde das nicht nur Geld in die Staatskassen spülen. Die Unternehmen würden auch eher Gewinn machen (weil sie davon abhängig sind), was wiederum mehr Steuereinnahmen bedeutet.

Die Voest ist für mich ein Beispiel einer gelungenen Privatisierung.

madathara
02

die vielgenannte öbb. bei deren schuldenstand würde es wohl kaum geld bringen die zu privatisieren. im gegenteil: es würden massenweise menschen ihre jobs (50% von 40.000) verlieren, die dann vom staat über ams programme finanziert werden müssen. gleichzeitig würde der infrastruktur versorgungsauftrag bei nicht rentablen strecken nicht mehr wahrgenommen. ergo der staat müsste für die aufrechterhaltung unrentabler strecken auch wieder subventionieren. also bevor der staat überall dazuzahlen muss und dann erst nicht mehr mitreden kann und jede menge arbeitsplätze verloren gehen, ist mir doch lieber wenn die öbb nicht privatisiert wird. sorry liebe lobbyisten, da sollt ihr euch keine goldene nase dran verdienen.

Jofun
04

und auch nicht profitabel sein müssen... sondern lieber dem volk dienlich sein sollten... z.b. eisenbahnverbindungen die keinen gewinn abwerfen, funktionierender winterdienst... aus welchem grund sollten sie auch gewinnorientiert arbeiten ist doch viel besser bürgerorientiert zu arbeiten...

Gendo
06

Wie toll die Privaten witschaften (und vor allem wie NACHHALTIG) sehen wir ja bei den Banken!
Da wird wieder nach Papa Staat geschriehen.

madathara
01

oder aktuell der atec konzern

styliann
18

infrastrukturunternehmen privatisieren ... nicht sehr klug. da ist eigentlich schon viel zu viel in privater hand.

Dormouse
24

wir sollten doch privatisieren...und dann rasch wieder zwangsverstaatlichen - natürlich ohne zahlung. ja, dafür bin ich zu haben.

Johanna Karlson
22
ÖBB wie AUA! Bei der AUA haben

die roten Gewerkschafter im Nationalrat
stets erfolgreich die notwendigen Sanierungen und (Teil-)Privatisierungen blockiert, da der ÖGB damit massiv Einfluss verliert. Auch der gewerkschaftliche Betriebsrat war stets strikt gegen sinnvolle Sanierungsmaßnahmen.
Sehr perfide.
Bis das Desaster perfekt ist.
Zahlen darf das wie immer der Steuerzahler. AUA!

Gerhard Kohlmaier
310
Gewinne privatisieren - Verluste verstaatlichen!

Frei nach dem alten Muster (siehe Überschrift) - und dazu möglichst noch darauf achten, dass bei den "25%" die "Zuckerln" darunter sind - stellen sich die Neoliberalen das vor. Und nach der Privatisierung werden natürlich Arbeitnehmer entlassen und die Preise erhöht. Denn es muss sich ja "lohnen". Die Zeche für diese Politik zahlen die Staatsbürger auf mehrere Arten: Verschleuderung, Preiserhöhung, Jobverlust und erhöhte Abgaben und Steuern. Siehe www.steuerini.at

Johanna Karlson
103
Im Gegenteil!

Unsinn.
Der bewiesene Erfolg von Privatisierungen ist so überwältigend, dass jene zwei, drei Prozent, wo - wie überall - auch etwas schiefgeht, überhaupt keine Beweiskraft haben.
Es gibt es keinen Grund, warum die Vorteile der Privatisierung nicht auch bei Schwimmbädern, Müllentsorgung, Abwasseraufbereitung, Stromversorgung & Co funktionieren sollte. Würde das dümmliche Argument stimmen, dass dann die Grundversorgung gefährdet wäre, dann müsste man von Brot bis Milch alles verstaatlichen. Denn die sind noch wichtiger als der Müll.

Childerich von Bartenbruch
29
von brot bis milch ...

... ist auch alles quasi halbstaatlich. denn ohne subventionen, das heißt staatliches einkommen, tät die nahrungsmittelversorgung ganz anders aussehen.

Buntspecht12
12
Karlson

Sie haben so was von keiner Ahnung! Plappern Sie nicht immer die ÖVP - Industriellen - Rechtsliberalen Parolen nach sondern BITTE - fangen Sie an selbst zu denken!

Reich sein muss sich lohnen!
16

Informieren sie sich mal über die Wasserversorgung in Frankreich...

Peter Widzky
19
unsinn

dann werden die preise für wasser und energie stetig steigen, die bereits von armut erfasste bevölkerungsschicht wird es sich nicht mehr leisten können, zuschießen darf dann der staat.

also wie gesagt - gewinne privatisieren, verluste verstaatlichen, darauf lauft es eben hinaus!

Reich sein muss sich lohnen!
05
Schuldenfalle -> Erpressung -> Enteignung

“Bis die Geldschöpfung wieder der Regierung obliegt und als ihre deutlichste und heiligste Verantwortung anerkannt wird ist alles Gerede über Souveränität eines Parlaments oder Demokratie leer oder aussichtslos.
Sobald eine Nation diesen Einfluss abtritt ist es gleich wer ihre Gesetze schreibt. Zinswucher, sobald wirksam zerstört jede Nation.”

William Lyon Mackenzie King, ehemaliger Premierminister von Kanada

warp.faktor
211
Katastrophen-Kapitalismus.

Der "freie" Markt verursacht wirtschaftliche Katastrophen (Finanzkrise, AKWs...) und bietet "noch mehr vom selben Gift" als Lösung an. Privatisierungen.

Details: Die Schock-Strategie (Naomi Klein)

Dormouse
03

sonst noch was, das gegenteil wird hoffentlich bald der fall sein...gerade bei der energie - damit man sich dann für das was man unbedingt benötigt zu tode zahlen kann. aber natürlich müssen die freunderln ihre konten aufbessern, denn wenn solche unternehmen kein gutes geschäft wären, würd keiner geld investieren, und die russischen oligarchen wären nur fabelwesen...konservative gierschädel!

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