Eine Vorstadt für Wally

Olga Kronsteiner, 5. Mai 2011, 10:07

Im Auftrag des Leopold Museums: Sotheby's versteigert in London Egon Schieles "Häuser mit bunter Wäsche (Vorstadt II)" von 1914. Ein Meisterwerk, das 25 Millionen Euro einspielen wird - oder auch mehr

Wann welche Arbeit(en) von Egon Schiele wo und über welches Auktionshaus versteigert würde, darüber hüllte sich der gesamte Vorstand der Leopold Museum-Privatstiftung seit Monaten in Schweigen. Dass Teile des Bestandes geopfert werden (müssen) war hingegen fix. Rechtlich sei das auf Basis eines Gutachtens zulässig, sofern es um solche Werke geht, die den substanziellen Kern der Sammlung nicht gefährden bzw. deren daraus erzielter Erlös ebendiesen erhalten würden. Ende August 2010 war Egon Schieles "Bildnis Wally" nach Österreich zurückgekehrt. Knapp 15 Millionen ließ man sich die Einigung mit den Erben nach Lea Bondi-Jaray kosten, ein Betrag, den man über einen Kredit bei der Raiffeisenbank finanzierte: Laufzeit drei Jahre, im ersten dem Vernehmen nach zinsfrei.

Grünes Licht für Öl

Schrittweise, so der von Rudolf Leopolds Witwe Elisabeth im Gespräch mit dem STANDARD im Herbst 2010 skizzierte Plan, sollten dafür etwa zehn Arbeiten auf Papier veräußert werden, wobei vergleichbare Motive, ähnliche Werkphase und Technik als Kriterien fungieren würden. Aus der Sicht von Experten die zweite Qualitäts-Garde, die nur schwerlich 15 Millionen in die Kassen gespült hätte. Die Liste der potenziellen Verkaufskandidaten wurde länger, auch die Arbeitstage in den Restitutions-Abteilungen der Auktionshäuser, wo man Provenienz für Provenienz überprüfte. Absolut lückenlos, lautet der internationale Anspruch, den die Forschungsergebnisse des Leopold Museums jedoch nur eingeschränkt erfüllen konnten. 

Dazu kommt die von Diethard Leopold kurz nach dem Tod seines Vaters im Juni 2010 postulierte neue Strategie zu allfälligen Restitutionskandidaten im Bestand: Der bisher formaljuridische Standpunkt wäre Geschichte, sachlich geführten Verhandlungen und mögliche Einigungen gehöre die Zukunft. Auch dafür benötigt man entsprechendes Budget, wie der Fall "Häuser am Meer" zuletzt zeigte: Einigung mit den Erben nach Jenny Steiner ja, Naturalrestitution nein, so der aktuelle Status.

Künstlerweltrekord gesichert

Spätestens im Februar tüftelte man hinter den Kulissen des Leopold Museum bereits an Plan B, wie DER STANDARD damals berichtete: An einem größeren "Opfer" in Form eines Ölbildes, für das man allerdings auch grünes Licht seitens des Bundesdenkmalamtes benötigte. Und ein solches bekam man jetzt, konkret für eine von insgesamt neun Stadtansichten aus der Sammlung, für Egon Schieles "Häuser mit bunter Wäsche (Vorstadt II)". Das Match um diesen Prestigeverkauf entschied wiederum Sotheby's für sich und das Bild wurde bereits nach London transportiert. Am 22. Juni gelangt dort das 1914 gemalte Meisterwerk im Rahmen des Impressionist & Modern Art Evening Sales zur Auktion. 

Zwischen 22 und 30 Millionen Pfund (35-50 Mio. Dollar/ ca. 24,4-33,3 Mio. Euro) beziffern die Experten ihre Erwartungen. Womit der bisherige Künstlerweltrekord (in Euro: 2003 Sotheby's, "Krumauer Landschaft", 18,2 Mio.; in Dollar: 2006 Christie's, "Einzelne Häuser", 22,4 Mio.) übertroffen wird? "Definitiv", bestätigt Helena Newman (Sotheby's Europa Chairman, Impressionist & Modern Art), "dafür sprechen sowohl die herausragende Qualität, die tolle Provenienz und vor allem die Marktfrische". Das Gemälde war kurz nach Fertigstellung im Jahr 1914 von Schieles Förderer Heinrich Böhler erworben worden. 1952 verkaufte es dessen Witwe an Rudolf Leopold. Damit kommt "Häuser mit bunter Wäsche (Vorstadt II)" im Juni zum allerersten Mal auf den freien Markt. (Olga Kronsteiner, derStandard.at, 5. Mai 2011)

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15 Postings
Wo ist Ai Weiwei?
11
Hinter diesem zwangsverkauf steckt wahrscheinlich die raiffeisenbank,

der die stiftung leopold viel viel geld schuldet. eine frage: die republik österreich hat viel geld in die stiftung gebuttert, hat ein teures gebäude errichtet und bezahlt und zahlt laufend weiter. welche (besitz)rechte hat eigentlich der staat im gegenzug? und ist der staat auch stiftungsbegünstigter?

Olaf Arne Jürgenssen
12
Vorstadt - wie ist die Rechtslage???

Als einfacher "Kunstkonsument" kann ich nur feststellen, dass gerade dieses Bild für mich eines der schönsten Schieles ist - gerade wegen seine Aufbaues. Auch wenn es mehrere Häuser-Bilder gibt, bin ich der Meinung, dass es Aufgabe unserer Regierung wäre, diesen Schatz unserer Republik zu erhalten. Aber solange eine Handarbeitslehrerin völlig ungerührt auf die "Goldene Adele" verzichtet hat, obschon die Erbin der Republik gerne entgegen gekommen wäre, bleibt dies ein Wunsch an das Christkind. Schließlich ist es wichtiger, die vielfach teureren Abfangjäger zu finanzieren, die in 30 oder 40 Jahren nur mehr Schrott sein werden, als das künstlerische Erbe zu erhalten.
Im übrigen frage ich mich, ob dieses Bild der Familie Leopold gehört...

Social Penthouse
24
Es gibt keinen Beweis,

das Leopold wissentlich Raubkunst gekauft hat, es gibt auch keinen Beweis, das sich Leopold nicht an die österreichischen Gesetze gehalten hat.

Zudem ist nach österreichischem Recht ein Gegenstand, der von der Republik erworben wurde, über jeden Verdacht, Diebesgut zu sein, erhaben. Wenn also jemand geklagt werden könnte, dann die Republik.

Es geht hier also um einen erfolgreichen Erpressungsversuch der Erben nach Bondy-Jaray und deren Anwälte.

siehe auch http://www.wienerzeitung.at/DesktopDe... rentpage=0

O5
20

Sind Sie etwa auch durch Raubgut reich geworden?

Social Penthouse
03

Sind Sie etwa auch durch fingierte Prozesse reich geworden?

Samthand Schuh
36

Für das wundervolle Bild sollte ein Ausfuhrverbot erlassen werden. Es gibt wenig, das mich mehr beeindruckt, als Schiele. Schrecklich, wenn ich mir vorstelle, dass das Bild dann in irgendeinem Keller hängt - oder sonst irgendwo, wo ich es nie wieder zu Gesicht bekomme!

Mojito1
31
in welchem Saal hing das Bild zuletzt ...?

nur so gefragt - freilich, koennte ja sein, dass sie ein stammbesucher sind und das bild bislang unzaehlige male andaechtig im museum bewundert haben. nur irgendwie will ich das jetzt nicht glauben.

fetter Bolzen (schmiergenippelt)
00

ich hab auch ein Bild wo ich Schiele, mag das wer ?

Edi Rudlinger
00
gehört diese sammlung nicht der republik?

Isabelle Eberhardt
02
nein - sich selbst!

Stiftungen sind als "eigentümerlose Vermögensmassen" definiert, gehören also sich selbst.

Kontrahent1
00
Dann hätte die 'Wally'

auch der Republik gehört. Während die Wally als Portrait der Freundin Schieles noch einigen Dokumentatorischen Wert hat, sind diese 'Baukasten-Häuser Bilder' doch sehr ähnlich und austauschbar.

Rot/Grün Farbsehschwächling
10
ich frag mich warum das Leopoldmuseum dennoch Staatssubventionen bekommt???

Theo Dor
02

damit es nicht alle 2 Jahre einen Schiele versteigern muss?

Mojito1
10
tut es das wirklich?

oder vermuten sie das ...

Ich, Tarzan
00
2,8 Millionen Euro.

Jahr für Jahr.

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