Muskelkraft & Gedächtnis

Körperliches Training wirksam bei Demenz

4. Mai 2011, 15:54

Die Behandlung und Begleitung von Demenzkranken erfordert eine spezielle medizinische Herangehensweise

Wiesbaden - Etwa ein Drittel der altersmedizinischen Patienten leiden unter Demenz, ihr Denkvermögen lässt nach. Zudem sind sie oft vielfach erkrankt, von Schmerzen geplagt und nicht selten depressiv. Der kürzlich stattgefundene 117. Internistenkongress in Wiesbaden widmete sich mit seinem Leitthema "Lebensphasen" vor allem auch dieser Gruppe von Patienten. Experten diskutierten Wege, Hochbetagte und Demente wirksam zu behandeln und ihnen bis zuletzt ein lebenswertes Leben zu ermöglichen, teilte die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin in einer Aussendung mit.

Im Rahmen des Kongress stellten Experten Daten vor, die zeigen, dass gezieltes körperliches Training Demenzkranken hilft. Sie gewinnen an Muskelkraft, bleiben beweglicher und sind weniger sturzgefährdet. "Demente profitieren von einem Training ebenso wie nicht demente Patienten, die im Rahmen anderer chronischer Krankheiten Muskelkraft verloren haben", sagt Daniel Kopf, Leitender Oberarzt am Agaplesion Bethanien Krankenhaus Heidelberg. Zusätzlich verbessert sich auch die geistige Leistung der Patienten.

Spezielle Patienten-Bedürfnisse

Morbus Alzheimer und andere Formen der Demenz sind fortschreitende Erkrankungen, die in der Regel mit einer Gedächtnisstörung beginnen. Im Endstadium leiden Betroffene aber auch unter typischen körperlichen Symptomen: Gewichtsverlust, Muskelschwäche, Bewegungsstörungen, Inkontinenz und Schluckstörungen. Die Folge sind Stürze, Brüche und Wundliegen. Speise oder Speichel in der Luftröhre führen häufig zu einer Lungenentzündung. Oft sind dies die Gründe, Demenzkranke in internistische Kliniken einzuweisen. "Auf Stationen, die keine speziellen Hilfen für Demenzkranke anbieten, sind diese Patienten jedoch gefährdet", gibt  Kopf zu bedenken. Denn die Behandlung und Begleitung von Menschen mit Demenz erfordert eine besondere Herangehensweise, sagt auch Cornel Sieber,  Chefarzt der Medizinischen Klinik II am Klinikum Nürnberg. Sie würden eine sehr individuelle Behandlung, Pflege und Begleitung durch ein geriatrisch-multidisziplinäres Team benötigen", so der Mediziner. Speziell geschulte Ärzte, Pflegefachpersonen, Psychologen, Seelsorger, Sozialarbeiter und Physiotherapeuten müssten daran mitarbeiten. Oft ginge es auch darum, die Angehörigen einzubeziehen.

Spezialisierte Abteilungen innerhalb der Geriatrie können den Bedürfnissen hoch Betagter und Dementer gerecht werden. "Eine geschützte Umgebung und ein strukturierter Tagesablauf tragen dazu bei, Verwirrtheitszustände zu vermeiden", sagt Daniel Kopf. Allein dies verhindere mitunter die Einweisung in ein Pflegeheim. (red)

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