Kommt zurück nach Tunesien!

4. Mai 2011, 11:33
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Auch die unzähligen Sonderangebote der Reiseveranstalter kurbeln den Tourismus in Tunesien nur langsam wieder an

Eine Reportagereise für eine Zeitschrift der deutschen Entwicklungshilfe führte mich dieser Tage in den bei Badebegeisterten das ganze Jahr über beliebten Mittelmeerbadeort Sousse.

Genauer gesagt nach Port El Kantaoui, einem der Orte, von dem viele Touristen nur Träumen können. Die luxuriöse Siedlung mit Hotels, flachen, weißen Apartementkomplexen, Sporthafen, Zoo, Restaurants und einem Golfplatz liegt außerhalb der Stadt, unter einem Hügel, den - wie kann es anders sein - eine Villa des am 14. Januar gestürzten Präsidenten Zine El Abidine Ben Ali ziert. Es ist ruhig hier. Zu ruhig. Fast schon traurig.

„Die Touristen kommen nur sehr langsam wieder", erzählt der Fotograf in der Empfangshalle eines Fünf-Sterne-Hotels. Mit seiner digitalen Spiegelreflex und aufgestecktem Blitz überrascht er die Gäste und verkauft ihnen anschließend die Schnapsschüsse. Andere setzen sich in Szene, wie eine Auswahl seiner Arbeit auf einer Pinnwand zeigt. „Das Hotel hat Platz für 750 Gäste, derzeit sind gerade einmal 130 da, anstatt wie sonst um diese Jahreszeit 500 bis 600", berichtet der junge Mann, der sich gelangweilt die Füße platt steht.

Im irischen Pub - das leider kein Bier von der Insel führt - sieht es nicht anders aus. Zwei Touristen am Billard, eine Handvoll an der Theke, und das obwohl das Halbfinale der Champions League im Fernsehen läuft. „Später kommen sicher noch mehr", meint der Kellner. Überzeugend klingt das nicht.

Die Strände sind leer. Keiner reserviert mit seinem Handtuch den Sonnenschirm schon vor dem Frühstück. Die wenigen, die kommen, nehmen Platz, wo es ihnen beliebt. Taxen fahren die Straße vor den Hotels auf und ab und halten nach nichtvorhandenen Fahrgästen Ausschau. Und die Verkäufer der kleinen Boutiquen, die allerlei Kunsthandwerk und nordafrikanischen Schnickschnack feil bieten, rufen den wenigen Spaziergängern hinterher: „Monsieur! Hello!! Hallo!!!" Vergebens.

„Dabei ist es wieder sicher", erklärt mir ein befreundeter tunesischer Journalist. „Es gibt kaum Polizei im Lande, aber an der Küste, da sind sie, um für absolute Sicherheit zu sorgen", weiß er. Mein Besuch in Sousse bestätigt dies. „Tunesien ist auf den Tourismus angewiesen", sagt er und gibt mit einer Bitte mit auf den Weg: „Sag denen zu Hause, wenn sie gekommen sind, als das hier eine Diktatur war, dann müssen sie jetzt erst recht kommen, um das neue, freie Tunesien zu unterstützen."

Dies sei hiermit geschehen!

  • Reiner Wandler, Korrespondent für Iberien und Nordafrika.
    foto: privat

    Reiner Wandler, Korrespondent für Iberien und Nordafrika.

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