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Die amerikanische Freude über Osama bin Ladens Tod ist noch nicht abgeflaut, da wendet sich Washington einer ebenso offenkundigen wie heiklen Frage zu: Wie konnte sich der meistgesuchte Terrorist der Welt so lange versteckt halten? Und damit fällt das Schlaglicht auf Amerikas nächste Herausforderung: Pakistan.
Denn nirgendwo anders als in der pakistanischen Garnisonsstadt Abbottabad residierte der Al-Qaida-Führer über Jahre hinweg. Zwar lebte er scheinbar in kompletter Isolation, dennoch hält es John Brennan, Anti-Terror-Berater von US-Präsident Obama, für „unvorstellbar, dass Bin Laden kein Unterstützungssystem [in Pakistan] unterhalten hat". Da Abbottabad nur knapp 130 Kilometer von der Hauptstadt Islamabad entfernt liegt und zwei Infanterieregimenter sowie eine Elite-Militärakademie beheimatet, nehmen nicht nur hochrangige US-Politiker an, dass Pakistans Militär und sein Geheimdienst ISI al-Qaida und weitere Dschihadisten zumindest implizit unterstützt.
Pakistans Radikalisierung ...
Dies ist keine abwegige Vermutung, eingedenk der Tatsache, dass radikale Islamisten in den vergangenen Jahren eine breite Anhängerschaft in den ärmlichen Schichten der pakistanischen Gesellschaft um sich geschart haben. Zugleich haben sie das Land mit einer Terrorwelle überzogen, mit dem das politische Regime diskreditiert und die gemäßigten beziehungsweise säkularen Teile Pakistans eingeschüchtert werden sollen. Allein im vorigen Jahr fielen der alltäglichen Gewalt circa zehnmal mehr Menschen zum Opfer, als bei den Terroranschlägen am 11. September ums Leben kamen.
Wie stark der islamistische Einfluss in Pakistan mittlerweile ist, zeigt sich am umgehenden Dementi von Präsident Asif Ali Zardari, der anfänglichen Meldungen umgehend widersprach, wonach es sich bei der Militäraktion gegen Bin Laden um eine gemeinsame, amerikanisch-pakistanische Operation gehandelt habe. Derweil wird die Tötung des Al-Qaida-Oberhaupts von religiösen Fundamentalisten ebenso wie vom früheren Militärmachthaber General Pervez Musharraf als Eingriff in die Souveränität des Landes gebrandmarkt.
Und so vergrößert der amerikanische Triumph nur Pakistans Wehen, die Auswuchs eines generellen Problems der Vereinigten Staaten sind.
... ein amerikanisches Problem
Die kontinuierlichen Bombardements durch amerikanische Drohnen im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet und Vorfälle wie die Ermordung zweier Pakistani durch einen CIA-Agenten haben in den vergangenen Jahren pakistanische Fundamentalisten zusätzlich gestärkt. Denn sie untermauern das Argument, dass die Regierung in Islamabad in erster Linie den Vereinigten Staaten und erst in zweiter Linie dem eigenen Volk diene.
Doch der eigentliche Problemkern liegt tiefer: Die USA schaffen sich durch ihre Unterstützung undemokratischer Regime ihre Feinde selbst. In Zeiten des Kalten Krieges mag es verständlich und vielleicht sogar notwendig gewesen sein, autokratische Diktatoren an sich zu binden, welche ihre Bevölkerung schröpfen. Doch Amerika erlebt zusehends die versteckten Kosten einer solchen Doktrin.
Denn im Nahen und Mittleren Osten hat eben diese Politik zum Erstarken radikal-islamischer Bewegungen geführt, die ihre Legitimation aus dem Kampf gegen kleptokratische Herrscher ziehen: Iran, Ägypten, Jemen und eben zusehends Pakistan. (derStandard.at, 4.5.2011)
Autor
Mark T. Fliegauf, The European, ist Journalist, Politologe, Kommentator, er studierte in München, Tokio und Harvard
wie kopflos, naiv und blind die US noch immer sind und im Dunkeln tappen, obwohl alles hell und klar aussieht.
Sie wissen nicht, dass sie gar keinen Feind mehr ausser sich selbst haben.
Ihnen einen Spiegel vorhalten nützt auch nichts, solange sie ihre Augen nicht öffnen/wollen.
Die helle Freude über den Tod eines einzelnen, wehrlosen Terroristen, der schon lange ausser Gefecht war, zeigt auch deutlich die Erbärmlichkeit der Rachegelüste, ähnlich eines Westernfilmes.
Schade ist nur, dass ein Firedensnobelpreisträger als Sheriff dieses zügellose Spiel mitspielt.
daß Abbottabad ein Sommerkurort der britischen Militärs war, bennant nach Major James Abbott der dort als D. O. (district officer) der englischen Kolonialverwaltung tätig war.
Die Militärverwaltung Pakistans hat diese Tradtion 1 zu 1 übernommen.
Daher ist es ziemlich unwahrscheinlich daß der Beseitigte ohne das Wissen der pakistanischen Militärs völlig unbehelligt dort residierte!
Die Aktion zur Tötung von Osama wurde (sehr bezeichnend) nach dem letzten Freiheitskämpfer der Apache, Geronimo, benannt.
Sagt das nicht sehr viel aus über das Verhältnis des Imperiums zur Freiheit von Völkern?
Selbes kann man auch von anderen Staaten sagen:
- GB, Frankreich, Spanien Portugal und andere klassische Kolonialmächte siedelten 250 Jahre lang Millionen Sklaven von Afrika nach Amerika um, wobei mehr auf der Strecke starben als in der Versklavung ankamen
- die Türken töteten und vertrieben Millionen Armenier
- Stalin siedelte zig Millionen um
- Deutschland (inkl. Österreich) tötete und enteignete zig Millionen (Juden, Kommunisten...)
- Polen vertrieb 7 Millionen Deutschsprachige nach 1945, Tschechien 3,5 Millionen, Jugoslawien 0,5 Millionen usw.
- Weiter geht's mit Ruanda, Kambotscha, Südafrika...
Am Ende hat jedes Land auch dunkle Kapitel in seiner Geschichte.
Nun in den 60er fand man raus das man durch konventionelle Kriege keinen guten Reibach machen kann. Also verlagerte man das ganze auf wirtschaftliche Vormachtstellung. Bringt mehr Reibach und bringt den neuen Gebieten nebenbei auch noch die Demokratie. Voila, Land erobert und die verwalten sich dann auch noch selbst.
sie meinen 'wirtschaftliche Vormachtstellung' was bei den USA nach vielen Definitionen schon längst nicht mehr gegeben ist, ist also Imperialismus? Demnach sind die Chinesen mit ihren Textilien, die Inder mit ihrer Software, dieJapaner mit ihren Fotoapparaten, die Saudis mit ihrem Öl alle Imperialisten? Aha, und was wollen sie jetzt und vor allem wie, von den Effekten auf uns und auch auf sie persönlich will ich noch gar nicht reden, daran verbessern?
Ich habe ein System beschrieben. Ob es heute noch das gewünschte Ziel erreicht, steht auf einem anderen Blatt.
"Imperialismus, Bezeichnung für die Bestrebungen einer politischen bzw. territorialen Macht, die Herrschaft oder zumindest Kontrolle über andere Länder oder Völker zu erhalten. Letzteres kann über politische, ökonomische oder kulturelle Einflussnahme geschehen."
Welche Schlüsse Sie daraus zu ziehen ist ihre Sache.
Außer das die US Amerikaner keiner mehr lieb hat und die US einen Plan dafür hatte, mehr hab ich nicht behauptet.
Empfehle die Lektüre "Confessions of an Economic Hit Man", da fühlt sich jemand berufen.
Ich bin schon froh wenn ich mich zu einem Posting hinreissen lass.
Gruß
Zunächst, meinen ehrlichen Dank und Respekt, dass sie sich auf eine ernstgemeinte Diskussion eingelassen haben. Das ist in diesem Umfeld außergewöhnlich. Wahrscheinlich sollten wir es jetzt auch dabei belassen. Ich wollte mit meiner Frage zum Wirtschaftsliberalismus nichts weiter als ein Schlagwort, wie es ja viele gibt, hinterfragen. Natürlich bedeutet wirtschaftliche Größe auch Macht. China ist ein klassisches Beispiel. Ob das verwerflich ist, wie das Wort Imperialismus transportiert, ist aber wirklich die Frage.
Was die USA betrifft, so ist deren Leitbild tatsächlich geschrumpft, viele wollen aber nach wie vor dorthin. Und ich persönlich bin leidenschaftlicher Europäer und als solcher dankbar, was sie für diesen Kontinent in den letzten
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