"Die Ritter der Kokosnuss": Aufklärungsarbeit

3. Mai 2011, 17:46
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Inmitten all der seligmachenden Wunder kam Unterstützung von bewährter Seite

Dem sensiblen Atheisten konnte in den letzten Tagen ein wenig mittelalterlich zumute werden. Da waren im Fernsehen nahezu kanalfüllend seltsame Blutsrituale von exzentrisch gekleideten älteren Herren zu sehen - was die Frage aufwarf, ob der Begriff Monstranz gar monströsen Ursprungs sein könnte. Was weiß man als angeblich schuldig Geborener schon?

Inmitten all der seligmachenden Wunder, die seit der Aufklärung eigentlich dem Hokuspokus zuzurechnen wären, kam Unterstützung von bewährter Seite: Arte zeigte am Montagabend Monty Pythons Variation der Artus-Legende "Die Ritter der Kokosnuss".

Zwar wäre das ebenfalls von der britischen Comedy-Gruppe geschaffene Heilsbringermärchen "Life Of Brian" irgendwie naheliegender erschienen, doch nachdem im "Ritter der Kokosnuss" das Mittelalter mit all seinem schröcklichen Aberglauben auf die Schaufel und das Katapult genommen wird, balsamisierte auch diese x-te Wiederholung die sterbliche Seele.

Zumal es da diese eine, für die Handlung des Films eher wenig bedeutsame Szene gibt, in der König Arthur und seine vertrottelten Tafelritter an einer Gruppe von Mönchen vorbeikommen, die in Kutten im Kreis gehen. Dabei referieren diese halblaut irgendwelche Gelübde vor sich hin - halb irrlichternd, halb schon besinnungslos. Denn in schöner Regelmäßigkeit knallen sie sich das Holzbrett, von dem sie offenbar ablesen, gegen die Stirn. Volle Pulle. Das muss wehtun, das muss Wirkung zeigen, das erklärt einiges.

Selten sieht man im Fernsehen Ursache und Wirkung überzeugender. Aufklärungsarbeit, wie sie sein soll - und immer noch nottut. (Karl Fluch/DER STANDARD; Printausgabe, 4.5.2011)

  • "Die Ritter der Kokosnuss".
    foto: arte

    "Die Ritter der Kokosnuss".

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