Krisenstimmung

Datenklau setzt Sony-Chef unter Druck

3. Mai 2011, 16:55

Auf japanischen Unterhaltungsriesen könnte eine teure Klagswelle zurollen

Nach den gigantischen Datenlecks bei dem japanischen Unterhaltungsriesen Sony wird die Luft für Konzernchef Howard Stringer immer dünner. Die Datenpanne mit möglicherweise mehr als 100 Millionen betroffenen Kunden bringt für viele Anleger das Fass zum Überlaufen - es ist der bisherige Höhepunkt einer ganzen Reihe von Rückschlägen. Nach dem Erdbeben in Japan ist es dem Konzern noch immer nicht gelungen, seine Produktion wieder voll aufzunehmen. Auch dem Kassenschlager iPad von Apple sowie neuen Bestsellern der Rivalen Nintendo und Samsung hat Sony noch immer kaum etwas entgegenzusetzen. Stattdessen verzögert sich die Einführung eines neuen Playstation-Modells.

Rücktritt gefordert

Stringer stand angesichts der Flaute an erfolgreichen Produkten schon vor dem Datenleck unter Druck - nun mehren sich die Rufe nach einem Rücktritt des 69-Jährigen. "Der CEO sollte zurücktreten - wegen der Hacker-Probleme und den vergeblichen Versuchen, wettbewerbsfähige Produkte auf den Markt zu bringen", resümiert Fondsmanager Michael On von Beyond Asset Management in Taipei. "Wie Sony mit der ganzen Angelegenheit umgegangen ist, zeigt, dass dem Konzern die Fähigkeit fehlt, Krisen zum meistern."

Stringer hat sich ungeachtet der internationalen Welle der Empörung bisher noch nicht zu der Datenpanne geäußert. Stattdessen schickte er am Sonntag die Nummer zwei des Konzerns, Kazuo Hirai, vor, um sich vor der Presse zu entschuldigen. "Die Führung von Sony befindet sich derzeit in einer sehr unangenehmen Position. Dies könnte zu dem Rücktritt von Stringer führen", sagte ein weiterer Fondsmanager, der ungenannt bleiben wollte. Die Affäre könnte gleichzeitig die Chancen von Hirai schmälern, Stringers Nachfolger zu werden, fügte er hinzu.

Klagewelle?

Der Konzern wartete nach der Entdeckung des großen Hacker-Angriffs auf sein Playstation-Netzwerk fast eine Woche lang ab, bevor er die Kunden über den möglichen Diebstahl ihrer Kreditkartennummern informierte. Nun könnte auf Sony eine teure Klagewelle zurollen, Datenschutz-Behörden in vielen Ländern haben bereits Ermittlungen eingeleitet. Viele Kunden machen ihrem Frust über Sony in Internet-Foren Luft. "Auch wenn die Hacker eine kriminelle Tat begangen haben - sie haben sehr erfolgreich die Ignoranz von Sony bloßgestellt", schrieb ein Nutzer namens Tokyo Guy auf der Technologie-Webseite Engadget. "Man muss doch mal Folgendes klarstellen: Wenn Sony wirklich so inkompetent ist, geschieht es ihnen ganz recht, jetzt verklagt zu werden und ihr ganzes Geld zu verlieren. Es ist einfach erbärmlich." (APA/Reuters)

 

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