Die Mädchen von Zimmer 28

3. Mai 2011, 15:41
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Zehn ehemalige "Ghetto-Häftlinge" im Mädchenheim L 410 in Theresienstadt haben Dokumente für Ausstellung zusammengetragen

Zwölf bis vierzehn Jahre alt waren die Mädchen, die von 1942 bis 1944 im Mädchenheim L 410 in Theresienstadt zusammenlebten; 30 Quadratmeter für dreißig Mädchen, das war Zimmer 28. Sie waren "Ghetto-Häftlinge", einige der etwa 140.000 Menschen, die durch das NS-Regime ausgegrenzt, verfolgt, beraubt, entrechtet und schließlich in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wurden.

Dort, im Mädchenheim L 410, trafen ihre Wege aufeinander. Als ab Juli 1943 die Kinderoper "Brundibár" geprobt wurde, waren auch Mädchen von Zimmer 28 dabei - Ela Stein als Katze, Maria Mühlstein als Spatz, Handa und Flaška (Anna Hanusová) sangen im Chor der Schulkinder.

Kinder vor der "Entwertung des Guten" bewahren

Über Jahre hinweg haben zehn der Frauen gemeinsam mit der Kuratorin Hannelore Brenner-Wonschick Erinnerungen und Dokumente für eine Ausstellung zusammengetragen: Für "Die Mädchen von Zimmer 28, L 410, Theresienstadt". Sie wollen damit an die Freundinnen und an all jene erinnern, die im Holocaust ermordet wurden sowie das Engagement jener Erwachsenen in Theresienstadt würdigen, die alles dafür taten, um die Kinder vor der "Entwertung des Guten" (Fredy Hirsch) zu bewahren. Unter ihnen war auch die Wiener Architektin Friedl Dicker-Brandeis, die den Kindern Zeichenunterricht gab.

Drei Überlebende  und Kuratorin in Wien

Die Ausstellung wurde bereits an über 60 Ausstellungsorten in verschiedenen Ländern gezeigt (2008 auch im Deutschen Bundestag), und ist nun zum ersten Mal in Wien zu sehen, und zwar im psychosozialen Zentrum Esra. Zur Eröffnung werden drei der überlebenden Frauen von Zimmer 28 und die Kuratorin der Ausstellung Hannelore Brenner-Wonschick erwartet: Helga Kinsky-Pollak liest aus ihrem Tagebuch aus Theresienstadt und anschließend diskutieren Anna Hanusová, Brünn, Helga Kinsky-Pollak, Wien, und Ela Stein-Weissberger, New York, mit der Kuratorin. (red)

 


Die Mädchen von Zimmer 28, L 410, Theresienstadt

Eröffnung am Dienstag, 10. Mai um 19:30 Uhr

Zu sehen bis 30. Juni.
Mo, Mi, Do 8.30 - 11.30, 15.00 - 19.00 Uhr
Di, Fr. 8.30 - 11.30 Uhr

Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung für Gruppen (Tel. 214 90 14 oder e-mail) und Mitnahme eines amtlichen Lichtbildausweises wird gebeten.

Angebot für Schulen

In Kooperation mit dem Verein Gedenkdienst werden für Schulklassen Führungen durch GedenkdienerInnen angeboten. Die Ausstellung kann auch von Schulen angemietet werden. Information unter e-mail oder Tel. 214 90 14.

Links

ESRA - Psychosoziales Zentrum, Tempelgasse 5, 1020 Wien

Room 28 Projects

  • Aquarell von Helga Kinsky-Pollak, gemalt 1943/44 in Theresienstadt während einer Zeichenstunde mit Friedl Dicker-Brandeis.
    foto: esra

    Aquarell von Helga Kinsky-Pollak, gemalt 1943/44 in Theresienstadt während einer Zeichenstunde mit Friedl Dicker-Brandeis.

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