Touristenfalle

Der Patient als Cashcow

Sigrid Schamall, 3. Mai 2011, 10:23

Privatkliniken lauern in Touristen­hochburgen auf ausländische Patienten. Statt nach der E-Card verlangen sie nach der Kreditkarte und kassieren kräftig

Was vor ungefähr zehn Jahren schleichend auf den Kanarischen Inseln begann, hat sich mittlerweile zu einem lukrativen Industriezweig entwickelt: Wer im Ausland krank wird, soll dafür bezahlen. Und zwar nicht mit der E-Card, sondern aus dem eigenen Geldbeutel. Hinter dieser einfachen Rechnung stehen überteuerte Privatklinken, die sich vorzugsweise und immer häufiger dort ansiedeln, wo sich auch die Touristenhochburgen befinden. Spanien, Türkei, Griechenland, aber auch Ägypten - Klassiker der Urlaubsdestinationen - sind dabei Spitzenreiter im Abcashen. "Im Prinzip funktioniert die Sache ganz einfach", so Michael Tagunoff, Leiter der ÖAMTC-Schutzbriefnothilfe, zu derStandard.at: "Tour operators, also deutschsprachiges Reisepersonal vor Ort, aber auch Hotelangestellte sind angewiesen, den Patienten in ein ganz bestimmtes Privatspital zu überweisen." Für die "Fürsorge" fällt dann auch Bares ab.

Was folgt, wird für den Erkrankten oft zum Alptraum, denn die "Ware" liegt sozusagen auf der Bahre: Statt nach der E-Card wird nach einer Reiseversicherung gefragt oder gleich nach der Kreditkarte verlangt. Dass sie sich in einer Privatklink befinden, wissen die Patienten meist nicht. Garantiert sind allerdings große Augen, wenn nach erfolgter Behandlung die Rechnung eintrudelt. Diese könne laut Tagunoff 20.000 bis 30.000 Euro ausmachen. Noch fragwürdiger ist die Zusammenstellung der Kosten. Nicht selten kommt es vor, dass nie erbrachte Leistungen verrechnet werden. Recht beliebt: Computertomographien - Kostenpunkt: rund 1.000 Euro. Der Weg, die tatsächlichen Behandlungen und damit auch die tatsächlichen Kosten rückzuverfolgen, ist naturgemäß sehr mühsam.

Ganz verdammen könne man diese Privatkliniken dennoch nicht. Tagunoff: "Wir hatten schon Fälle von einer Halswirbelfraktur oder einem akuten Blinddarmdurchbruch - Fälle also, wo man sich als Betroffener bestimmt nicht in irgendein öffentliches Krankenhaus, sagen wir, in Kairo legen möchte." Inhaber eines ÖAMTC-Schutzbriefes sind im Krankheitsfall bis zur Transportfähigkeit mit bis zu 75.000 Euro abgesichert. Die meisten Rückholungen liegen weit unter dieser Summe. "Eine Rückholung aus Kairo inklusive Arztkosten kürzlich lag etwa bei 35.000 Euro", so Tagunoff weiter. So mancher Unfall bleibt dem ÖAMTC-Experten schmunzelnd kopfschüttelnd in Erinnerung. Da wäre der Gast, der beim Kochen in einem französischen Hotel dieses fast abgefackelt hätte, oder der 85-Jährige, der für ein Foto vor den Pyramiden vom Kamel fiel.

Taube mit Gehirnerschütterung

Seit heuer bietet der ÖAMTC übrigens auch eine Rückholung für Tiere an. Bestimmte Voraussetzungen müssten allerdings gegeben sein: Impfung und Tierpass auf der einen Seite, eine Person, die das Tier in Österreich auch verlässlich entgegennimmt auf der anderen Seite. Ein Service, der gut ankommt.

Zu den bizarrsten Erfahrungen gehört jener Urlauber, der in Deutschland einen Autounfall erlitt. Mit an Bord: Eine Kiste mit zwölf Brieftauben. Tagunoff: "Die Kiste wurde ordentlich durcheinandergewirbelt, der Taubenbesitzer war sehr besorgt, um seine wertvollen Vögel." Der vor dem "Heimflug" herbeigerufene Arzt verlangte zehn Euro pro untersuchtem Tier. Der Mann war offenbar seinen Preis wert - bei einer der Brieftauben wurde tatsächlich eine Gehirnerschütterung festgestellt. (Sigrid Schamall, derStandard.at, 3.5.2011)

Wissen

Im vergangenen Jahr transportierte der ÖAMTC im Rahmen seiner Schutzbrief-Leistungen 2.154 Personen aus dem In- und Ausland. In 1.311 Fällen wurden im Ausland Krankenhaus- und Behandlungskosten übernommen.

Der Schutzbrief gilt für Österreich und alle Reiseländer in Europa, für die außereuropäischen Mittelmeer-Anrainerstaaten, alle Mittelmeer-Inseln sowie die Kanaren, Azoren und Madeira.

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pfarrer wiese
00
ist in oesterreich genau so

am arlberg oder in zell am see kommt der verletzte
schifahrer auch selten ins oeffentliche spital.

Springender Jakob
00
Joh, Wirtschaft 2.0 für die einen, moralisch-kultureller Sittenverfall werden die anderen sagen.

Ich sage, Dank dem Standard für
die Thematisierung und
Vorwarnung. Dies leitet mich ggf
zur Alternativensuche - wo dies
noch möglich ist.

Griechenland. Interessanter Zufall.
Unlängst stand eine Griechin vor
mir in der Apothekenschlange und
wollte partout ein rezeptpflichtiges
Medikament ohne Arztrezept. Sie
war mit einer Schulklasse hier.
Jetzt dämmert mir, warum sie
keinen Arzt aufsuchen wollte.

Keyser
00

Privatkliniken: Einerseits ganz böse Fallen, Andererseits ganz toll, weil man ja nicht die Gesundheit irgendwelchen Zweifelhaften öffentlichen Kliniken anvertrauen möchte. Also was nun?

Wenn man unwillentlich in ein Spital verlegt wird, welches sich als Privatklinik erweist, so wäre das in der Folge ein Fall für den Anwalt. Oder man weist eine Sperrung der Zahlung, bzw. Rücküberweisung an, weil man in die Irre geführt wurde.

Es ist natürlich leicht reden für mich, und - je nach Land - stellt sich so ein Vorgehen als schwierig heraus. Doch dann sollte wenigstens im Heimtland gegen den Veranstalter vorgegangen werden. Sollte es tatsächlich solche Weisungen geben, Patient wird krank / verunfallt - ab in die Privatklinik Mustermann.

Devtschonka
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wo finde ich

hier den hinweis "bezahlte einschaltung"?

nichtkaefer
00
23.6.2011, 20:15
"bezahlte einschaltung"

Schon klar .... andererseits ist der Hinwies auf die Abzocke in Privatspitälern auch interessant. Zumindest ich habe das nicht gewusst.

wos wor mei Leischtung?
02
komisch

nur, dass der standard nur vom ausland berichtet. auch in österreich gibts das.

E. Laserstrahl
31
www.aerztepfusch.at

Medizin ist ein Geschäft und die Ärzte werden ihren Rachen nie voll bekommen...

HLAB27
04

lach. is ja nur ne frage der zeit bis auch sie am boden winselnd nach nem arzt rufen......ihre lächerliche polemische hetze sehe ich sehr entspannt.......^^

mrs dra
14

sie müssen ja nicht zum arzt gehen. vielleicht hilft ihnen reiki

fussgängerüberführung
05
...einen erholsamen Urlaub wünscht Ihnen ihr ÖAMTC.

Eine Werbeeinschaltung in Kooperation mit dem Standard.

Nach 40 Jahren Mitgliedschaft bekommen Sie eine biedere Alu-Plakette, die Sie an Ihr Auto schrauben müssen...

überassimilierter Assimilzombie
01

Wurde vor 10jahren in rabat (marokko) vom taxler mit leichter lebensmittelvergiftung ins Krankenhaus gebracht. Bin in der Ambulanz von englischspr. Arzt kompetent versorgtworden, elektrloyt-brause mit auf den weg...alles gratis. So wie es sich gehört im Notfall. Auch das gibts

Fantastic Fox
13
Der Patient ist beim Arzt immer CashCow.

Ein befreundeter Zahnarzt hat mir neulich erklärt, dass die wichtigste Fähigkeit eines Zahnarztes darin besteht, innerhalb kürzester Zeit herauszufinden, wie wohlhabend sein Patient ist. Auf Basis dieser Information entscheidet er dann, wie einfühlend er vorgeht, und wie viel Zeit er dem Subjekt widmet.

guggi102
01

Du solltest Dir andere Freunde suchen.

as ri
00

Das tut jeder. Ob Maler, Händler, Verkäufer, Makler oder Politiker, Zeitungsausträger, Fußballer oder Straßendieb

Chocoholic
00
Und ich Österreich passiert das nicht?

morbidcuriosity
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Oh doch, es passiert auch in Österreich, dass Kommentare in Internetforen für viele nicht eines einfachen nochmaligen Durchlesens, bevor auf "posten" gedrückt wird, wert sind.

Ain't got no how watchamacallit
00

1. auf der bahre liegen nur diejenigen welche keinen arzt mehr benötigen, lebendige liegen auf der trage oder der liege
2. patient als cashcow: das gibts auch in der schönen österreichischen heimat, hierorts heisst das sonderklasseversichert

global_citizen
04
Was ist der größte Feind der Gebärmutter ?

Die Zusatzversicherung.

DemRepublikaner
00
E-card

Es brauchen halt manche Länder (sprich quasi GKK) bis zu 5 Jahre für die Überweisung der offenen Beträge. Manche Krankenhäuser in den Schigebieten haben Millionen Außenstände. Die Bezahlung erfolgt meist zudem ohne Zinsen (trotz EU-Richtlinie zur Regelung des Zahlungsverzuges). Offensichtlich halten in der ganzen EU nur die Idioten A u. D die Richtlinien ein.

hot doc
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in tirol haben in den tourismusgebieten die meisten kassenärzte ihren vertrag aufgegeben, weil sie die behandlungskosten, die sich durch die vielen behandelten touristen ergeben haben, nie mehr gesehen haben. und das waren vorwiegend deutsche gäste, deren deutsche versicherungen einfach nicht gezahlt haben. nun wird eben bar abgerechnet. ich kanns verstehen.

im übrigen ist der artikel nur eine billige werbeeinschaltung für den öamtc-"schutzbrief".
in der medizin ist es üblich, bei publikationen interessenskonflikte bekanntzugeben. das selbe erwarte ich jetzt von frau schamall.

Mensch0815
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"Super" Werbung für das Tourismusland Österreich - gerade für den Wintertourismus!!!! Bockelharte Kunstschneepisten, "Rennschi" für Otto-Normalverbraucher und ab die Post.

Navajo
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Zumindest den ersten Satz des Artikels hätten Sie noch lesen können...

Kelborn
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find ich voll OK! Wenn ich in die USA flieg cashen sie mich auch im Krankenhaus länge mal breite ab...

Wenns dafür unsere Beiträge niedrig hält ists ok

22,4 cm
00
haha, die dümmsten, selber schuld!!!

Schispringer
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Dasselbe passiert auch in einem Krankenhaus der Stadt Wien

Ein bekannter, der in Deutschland gesetzlich versichert war, stellte sich zum Ausschluss einer Thrombose in einem Wiener Krankenhaus vor. Dort wurden zunächst eine Unmenge an nicht zielführenden Laborwerten (zB LDL, HDL, Bilirubin etc.) bestimmt und diese wurden ihm privatärztlich verrechnet.
Besonders dreist: Statt Glukose (ca 2 Euro), was auch bestimmt wurde, wurde "versehentlich" Glukagon (ca 100 Euro) verrechnet.

Abgesehen von den falschen Rechnungen, möchte ich nicht wissen, wie viele unnütze (und für den Pat. ev. schädliche Untersuchungen) Untersuchungen durchgeführt werden...

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