Präsident erklärte sich mit Prüfung der Kosten der AKW einverstanden
Paris - Der französische Präsident Nicolas Sarkozy (UMP)
will zwar nicht auf die Atomenergie verzichten, die zur Herstellung
von zwei Drittel der Elektrizität in Frankreich dient, aber er
akzeptiert eine Expertenprüfung über die "reellen Kosten" in dieser
Branche. Dies gaben die Verantwortlichen mehrerer
Umweltschutzorganisationen am Montag in Paris im Anschluss an ein
Mittagessen mit Präsident Sarkozy bekannt.
Der Expertenbericht über die Kosten der zivilen Atombranche soll
vom französischen Rechnungshof in Zusammenarbeit mit unabhängigen
Experten und Experten im Staatsdienst verfasst werden, kündigte Bruno
Genty, Präsident der Vereinigung "France Nature Environnement" (FNE),
im Anschluss an die Aussprache an. Bei der Studie sollen auch die
Kosten für den Abbau der alten Atomkraftwerke (AKW), sowie des
Atommülls Rechnung getragen werden, betonte der Leiter von WWF
France, Serge Orru.
Frankreich verfügt mit 58 AKW über den zweitgrößten
Atomreaktorpark der Welt hinter den USA. 73 Prozent der Elektrizität
im Lande werden auf dem Weg hergestellt. Seit der Nuklearkatastrophe
im AKW der japanischen Stadt Fukushima im vergangenen März fordern
die Atomkraftgegner in Frankreich den Ausstieg Frankreichs aus der
Nuklearenergie. Präsident Sarkozy betonte allerdings wiederholt, dass
er nur zu einer Debatte über Sicherheitsfragen bereit sei, die
Energiepolitik des Landes selbst aber nicht infrage stellen werde.
Sarkozy hatte eine breite Debatte über die "Energetische
Effizienz" angeboten. Die Ablehnung der Debatte durch die
Umweltschützer begründete Karine Gavand von Greenpeace France damit,
dass eine Diskussion über die Zukunft der AKW von der Tagesordnung
ausgeschlossen worden sei. "Die Atomenergie veranlasst zum Konsum,
daher ist es für uns unzulässig, von energetischer Effizienz zu
reden, ohne das französische Nuklearmodell in Frage zu stellen",
sagte Karine Gavand. (APA)