Neue Jobbeschreibung für Lehrer

2. Mai 2011, 20:11
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Verhandlungen über eine Dienstrechtsreform wiederaufgenommen

Wien - Jeder dritte öffentlich Bedienstete ist Lehrer, mit den Karenzierungen sind es insgesamt etwa 120.000. Diesem Berufsstand "droht" jetzt eine Dienstrechtsreform, die im Unterrichtsministerium als die größte der zweiten Republik bezeichnet wird. Ein extrem heikles politisches Unterfangen, auch weil mehrere Anläufe bereits gescheitert sind und zu einem kurzfristig äußerst frostigen Verhältnis zwischen Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) und den Lehrergewerkschaften geführt haben.

Nach dem Auftakt der Verhandlungen Anfang April trafen am Montag erneut Lehrergewerkschafter und Vertreter der Bundesregierung zusammen, um das neue Lehrerdienstrecht zu verhandeln. Bis 2025 geht immerhin die Hälfte der 120.000 Lehrer in Pension, sie würden von einem neuen Dienstrecht bereits direkt betroffen sein. Es geht vor allem um neue Einstiegsgehälter, um einen flacheren Gehaltsverlauf, aber auch um die konkreten Arbeitszeiten. Und erstmals sollen für alle Lehrer, also für jene, die beim Bund und die bei den Ländern angestellt sind, gleiche Regeln gelten. Insgesamt soll der Lehrerberuf attraktiver gestaltet werden. Schon jetzt gibt es zu wenige Pädagogen, gleichzeitig steigt aber auch der Personalbedarf durch Projekte wie die Neue Mittelschule.

Für die Verhandlungsrunde am Montag wurde Vertraulichkeit vereinbart, um nicht über öffentliche Äußerungen erneut Öl ins Feuer zu gießen.

Die Verhandlungen sind vorerst in sechs Themenfelder unterteilt, über die in Arbeitsgruppen und diversen Untergruppen verhandelt wird. Klar ist aber, dass am Ende nur ein Gesamtpaket herauskommen kann, in dem alle Bereiche neu geregelt sind. Das sind die sechs Themenfelder:

Aufgabenprofil Lehrerarbeit soll neu definiert und um jene Bereiche erweitert werden, die neben dem Unterricht und dessen Vor- und Nachbereitung zu den Aufgaben der Pädagogen gehören (Elternarbeit, Schulentwicklung, Team-Teaching). Gleichzeitig sollen Lehrer durch Sozialarbeiter oder Psychologen entlastet werden.

Arbeitszeit Die Regierung will künftig jene Zeit, die Lehrer mit Schülern verbringen, höher bewerten. Auch eine Erhöhung der Lehrverpflichtung ist nicht tabu.

Bezahlung Die Einstiegsgehälter sollen deutlich angehoben werden, um den Beruf attraktiver zu machen, dafür soll die Gehaltskurve abgeflacht werden. Das Einkommen soll künftig außerdem an die Funktionen angepasst werden, die die Lehrer übernehmen.

Arbeitsplatz Lehrer sollen - nicht zuletzt wegen des geplanten Ausbaus ganztägiger Schulformen - mehr Zeit mit den Schülern verbringen. Die Regierung hat gleichzeitig die Schaffung adäquater Arbeitsräume versprochen.

Schulpersonal An großen Schulstandorten mit mehr als 100 Lehrern soll künftig ein mittleres Management eingerichtet werden. In der Administration soll es mehr Hilfspersonal geben.

Ein-, Um- und Ausstieg Quereinsteigern soll der Lehrerberuf schmackhafter gemacht werden. Außerdem soll es für Lehrer mehr Möglichkeiten zum Umstieg in andere Schultypen und in die Privatwirtschaft geben. (völ, APA, STANDARD-Printausgabe, 3.5.2011)

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