Verlag für moderne Kunst Nürnberg ruft gesamte Auflage zurück
Erneuter Wirbel um den Direktor der Kunsthalle Wien, Gerald Matt: Das von ihm und dem Parlament herausgegebene Buch "Österreichs Kunst der 60er Jahre" ist vom Verlag zurückgerufen worden, melden die "Salzburger Nachrichten" (SN) in ihrer am Dienstag erscheinenden Ausgabe. Wie vom Verlag für moderne Kunst Nürnberg bestätigt wurde, soll die gesamte Auflage von 1000 Stück vernichtet werden.
Schwärzung eines Interviews gefordert
Matt ist als Auftragnehmer des Parlaments wegen dieses Buches und zwei zum gleichen Thema kuratierten Ausstellungen kritisiert worden. Erstens habe der Direktor des Diözenanmuseums Wien, Bernhard Böhler, ein Interview mit Alfred Hrdlicka geführt, im Buch sei als Autor des Interviews aber Matt genannt. Auch den von Bernhard Böhler gestellten Fragen sei im Buch das Kürzel "GM" vorangestellt.
Böhler forderte deshalb laut SN über ein Schreiben seines Anwalts, dass der von ihm und Alfred Hrdlicka "geschaffene Text" zur Gänze eingeschwärzt werden müsse. Mit einem Neudruck des Buches, in dem das Interview mit Hrdlicka weggelassen oder der Autor
richtig genannt wird, wäre die Schwärzung des Textes hinfällig. Böhler forderte zudem von Matt die Veröffentlichung eines gerichtlichen Unterlassungsvergleichs und Schadenersatz.
Matt wurde außerdem vorgeworfen, er habe für Ausstellungen und Buch Mitarbeiter der Kunsthalle Wien eingesetzt, obwohl er persönlich vom Parlament dafür beauftragt und bezahlt worden sei. Der Vorstand des Trägervereins der Kunsthalle Wien habe aber nach Pressemeldungen darüber bestätigt, "dass es sich hier für die Kunsthalle Wien um kein Privatprojekt von Dr. Matt, sondern um eine vom Vorstand gutgeheißene Kooperation gehandelt hat". Im Buch wird die Kunsthalle Wien allerdings nicht erwähnt. (red, derStandard.at, 2. Mai 2011)