Durnwalder lässt Tafeln trotzdem aufstellen - Für Schützen nur Übergangslösung - Zumindest werde auf "zweifelhafte Geschichte" der Bauwerke verwiesen
Bozen - Der Umgang in Südtirol mit Relikten aus der Ära des
Faschismus ist um eine Facette reicher. Wie am Montag bekanntwurde,
verbot das römische Verteidigungsministerium das von der
Landesregierung geplante Anbringen von erklärenden Tafeln an den
Beinhäusern unweit der Grenzübergänge zu Nord- und Osttirol.
Landeshauptmann Luis Durnwalder (SVP) kündigte im Anschluss an die
Regierungssitzung in Bozen an, die Tafeln trotzdem aufstellen zu
lassen. Das Duce-Relief am Gebäude der Finanzverwaltung soll mit
einer Mattglasscheibe verdeckt werden.
Erste Tafeln werde es vor den Beinhäusern in Burgeis und
Gossensass geben, kündigte Durnwalder an. Die Aufstellung der Tafeln
vor dem Beinhaus bei Innichen verzögert sich, da dort der Grund nicht
dem Land Südtirol, sondern dem italienischen Staat gehört.
Der Landeshauptmann berichtete, dass er am Samstag mehrere Anrufe
aus Rom sowie am Montag früh ein Schreiben des
Verteidigungsministeriums erhalten habe. Die dabei geäußerte
Aufforderung, mit dem Aufstellen der Tafeln zu warten, wies er
zurück. Der Text sei bereits im März 2009 von der Landesregierung
beschlossen und dem Regierungskommissariat sowie dem zuständigen
Ministerium mitgeteilt worden.
Schützen: Nur Übergangslösung
Der Südtiroler Schützenbund begrüßte die Anbringung
der erläuternden Texttafeln an den faschistischen Beinhäusern in
Südtirol. Dieser Kompromiss dürfe allerdings "nur als Übergangslösung
gesehen werden", erklärte Landeskommandant Elmar Thaler am Montag in
einer Aussendung.
Das Ziel müsse nach wie vor die Entfernung aller faschistischen
Relikte sein. Zumindest werde durch den in vier Sprachen abgefassten
Text "auf die zweifelhafte Geschichte dieser Bauwerke hingewiesen".
Allerdings gehe aus dem Text zu wenig klar hervor, dass es dabei um
eine Geschichtslüge gehe.
Dass nun plötzlich das italienische Verteidigungsministerium
Einspruch erhebe und die Anbringung der Tafeln verbiete bzw. diese am
Ende sogar wieder abgenommen werden müssten, zeige aufs Neue, "was
von diesem Staat zu halten ist". Es helfe die beste Autonomie der
Welt nichts, wenn der Staat gegen eine Aufarbeitung seiner
faschistischen Vergangenheit sei. "Italien war und ist kein
verlässlicher Verhandlungspartner", kritisierte Thaler.
Abgeordneter: Italien hat kein Interesse an Aussöhnung mit Südtirol
Für den LAbg. der "Süd-Tiroler Freiheit", Sven Knoll, zeige sich,
"dass der italienische Staat kein Interesse an einer Aufarbeitung der
Geschichte oder gar Aussöhnung mit Südtirol hat". Eine Lösung des
Problems der faschistischen Relikte könne nicht in der Anbringung von
"bedeutungslosen Tafeln" liegen, wenn selbst diese vom Staat
untersagt würden. Diese werde erst dann einkehren, wenn auch das
letzte faschistische Relikt aus der Öffentlichkeit verschwunden sei,
meinte er in einer Aussendung.
Die Beinhäuser wurden von 1937 bis 1939 in der Nähe der
wichtigsten Grenzübergänge des Landes errichtet, bei Burgeis (1939),
bei Gossensaß (1937) und bei Innichen (1939). Obwohl die Denkmäler
dem Gedenken der gefallenen italienischen Soldaten gewidmet sind,
stammen die dort gebetteten Gebeine aus verschiedenen, zum Teil weit
entfernten Soldatenfriedhöfen. Zum Teil enthalten sie sterbliche
Überreste von Soldaten der österreichisch-ungarischen Streitkräfte.
Kampfhandlungen gab es in Südtirol im Ersten Weltkrieg keine. (APA)