Reden statt verklagen

4. Mai 2011, 17:00
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Wirtschaftsmediation ist eine Option, wenn sich Unternehmen uneins sind - Der Weg zum Gericht kann so vermieden werden

Wenn sich Geschäftspartner streiten, stehen nicht nur das gute Renommee, sondern auch Zeit und Geld am Spiel. "Zum Beispiel jene Zeit, den Konflikt fortzuführen und dem anderen zu beweisen, dass er Unrecht hat, außerdem das Geld für Anwalt, Gericht oder diverse Gutachten", sagt Stephan Proksch, Mediator und geschäftsführender Gesellschafter von Trialogis sowie Sprecher der Experts Group Wirtschaftsmediation der WKO. Ein Gerichtsverfahren könne immerhin zwischen drei und fünf Jahre dauern, der Ausgang sei ungewiss.

Zahlungs- und Vertragsverletzungen

Brennpunkte bei zwischenbetrieblichen Beziehungen können etwa Zahlungsverzug oder angebliche Rechts- und Vertragsverletzungen sein, zum Beispiel wenn es um Patent- oder Markenrechte geht. Auch eine unklare Auftragsvergabe oder von außen einwirkende Veränderungen der Wirtschaftssituation bieten Konfliktpotenzial. In solchen Situationen können sich Firmen überlegen, eine Wirtschaftsmediation in Anspruch zu nehmen.

Gemeinsame Problemstellung

Voraussetzung für diese Form der Konfliktlösung ist, dass sich alle Parteien zur Mitarbeit bereit erklären. Der Mediator hat die Aufgabe, ein konstruktives Gesprächsklima herzustellen. "Es geht darum, das Problem zu strukturieren, systemisch abzuarbeiten und den Prozess so zu steuern, dass er konstruktiv und zielorientiert wird", erklärt Proksch. Das heißt: Weg vom destruktiven Konflikt, hin zu einer gemeinsamen Problemstellung mit dem Ziel einer gemeinsamen Lösung. 

"In der Mediation geht es darum, zur Selbstverantwortung zu greifen", sagt Mediatorin Gudrun Janach-Wolf, Obfrau des Forum Wirtschaftsmediation. Man stellt sich bewusst einer Herausforderung, übernimmt Verantwortung und nimmt sein Gegenüber ernst. "Es ist besser miteinander zu arbeiten als sich zu bekämpfen und einen Schuldigen zu suchen." Dass Emotionen in der Wirtschaft nicht viel Platz haben, sei dabei eine der größten Herausforderungen. Denn in der Mediation sind Emotionen erwünscht, über Ärger soll geredet werden. Nur: "Untergriffe, Unterstellungen und Verletzungen sind fehl am Platz", so Janach-Wolf.

Ziel ist eine Vereinbarung

Die Mediation ist dann erfolgreich, wenn es zu einer Vereinbarung kommt, die die Konfliktparteien notariell oder bei Gericht in einen Vergleich oder Exekutionstitel umwandeln können. Mediation ist weder ein offenes Verfahren in dem es um Reflexion geht noch eine Schlichtungsstelle mit rechtlicher Beurteilung. "Viele sitzen aber mit so einer Erwartungshaltung da. Das ist aus meiner Sicht der größte Stolperstein", sagt Janach-Wolf. In einem ersten Einzelgespräch kläre man deshalb Verlauf, Sinn und Zweck der Mediation sowie die Kostenfrage ab. Die Sitzungen werden üblicherweise von allen Konfliktparteien zu gleichen Teilen bezahlt.

Nicht immer wird das Ziel, eine gemeinsame Lösung, erreicht. Bei Trialogis kommt es in 90 Prozent der Fälle zu Vereinbarungen, wenn die Mediation scheitert bleibt immer noch der Weg zum Gericht. "Oftmals war es den Parteien dann einfach wichtiger zu beweisen, dass sie im Recht sind. Das ist ja auch legitim, solche Situationen gibt es eben", sagt Proksch. "Die Frage ist aber: Will ich mich durchsetzen und selbst beweisen oder nach einer raschen und effizienten Lösung suchen?"

Janach-Wolf sagt: "Bei jenen, die kommen um wirklich eine Lösung zu finden, gelingt das auch." Was sich auf jeden Fall verändere sei die Atmosphäre und dass die Parteien zu einer Erkenntnis kommen. "Und wenn es nur jene ist, dass man gar nicht mehr miteinander kann."

Präventive Maßnahmen

Man kann zwischenbetrieblichen Konflikten auch präventiv entgegensteuern. Darauf hat sich der Software-Fachmann, Unternehmensberater und Wirtschaftsmediator Hannes Zagar spezialisiert. Er begleitet Unternehmen bei der Einführung neuer Softwarelösungen als IT-Coach. "Die Problemquote bei IT-Projekten ist sehr hoch, IT-Einführungen sind ein konfliktträchtiges Thema", sagt Zagar. Eine gute Beziehung zwischen IT-Anbieter und Kunde ist aber auch noch Jahre nach der Einführung notwendig.

Zagar bedient sich der Arbeitsmittel eines Mediators, um von vornherein nach gemeinsamen Lösungen zu suchen. "Diese vorbeugende Maßnahme spart Ärger und Kosten, die in späteren Phasen entstehen können." Die IT sei heutzutage das Nervensystem eines Unternehmens. "Die Einführung einer neuen Software ist ohnehin schon belastend", so Zagar. Wenn es darüber hinaus zu Konflikten komme, blockiere das den Arbeitsalltag des Unternehmens. Der klassische Konflikt: Der Kunde glaubt bestimmte Leistungen im Preis enthalten, der Lieferant sieht darin extra zu verrechnende Arbeitsschritte. Die Unstimmigkeit kann auf Kundenseite die Einführung der IT-Lösung verzögern, für den Lieferanten zieht sich die Abnahme des Projektes hinaus. (Maria Kapeller, derStandard.at, 5.5.2011)

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