351.000-mal am Tag Geld ziehen via Panzerstollen

Bettina Pfluger, 1. Mai 2011, 18:42
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    foto: apa/fohringer

    In jeder Sekunde stehen in Österreich vier Menschen vor dem Bankomaten. Nicht vor dem selben, hoffentlich.

Bankomaten sind mit zwei Rechenzentren vernetzt, die jede Abhebung in Windeseile begleiten

Wien - Die Österreicher tun es im Schnitt 351.000-mal pro Tag, und damit 244-mal pro Minute. Es dauert gerade einmal eine Minute: Geld abheben beim Bankomaten. Pro Minute werden österreichweit 31.000 Euro aus den rund 7650 Bankomaten gezogen, macht 44,5 Millionen Umsatz pro Tag. Im Vorjahr wurden mit 146,5 Mio. Transaktionen in Summe 19,2 Milliarden behoben. Diese Zahlen hat Bankomat-Betreiber Paylife erhoben, die Gesellschaft stellt auch die dazugehörenden Karten (inklusive Kreditkarten) her.

Was aber geschieht in dieser einen Minute, in der ein Kunde seine Bankomatkarte in den Geldausgabeautomat steckt, den Anweisungen folgt und das Gerät wenige Sekunden später das Geld ausspuckt? "Eine ganze Menge", wie es Harald Flatscher ausdrückt. Der Abteilungsleiter für Business Development ATM ist bei Paylife für den reibungslosen Ablauf dieser Transaktionsvorgänge verantwortlich. Tatsächlich läuft im Hintergrund einer Geldabhebung ein umfangreicher Datentransfer, der über die Grenzen von mehreren Ländern hinweg stattfindet.

Kapfenberg-Schweiz

Ein Beispiel: Wird im ersten Wiener Gemeindebezirk eine Karte in den Bankomaten gesteckt, und der Kunde gibt nach der Aufforderung seinen Pin-Code ein, wählt die gewünschte Transaktionsform (Überweisung, Abhebung, Quick-Aufladung) und gibt den gewünschten Betrag ein, werden diese Daten zunächst einmal ins Rechenzentrum ins steirische Kapfenberg geschickt. Und landen dort in einem alten Stollen; konkret im "Earth-Data-Safe", das von Kapsch betrieben wird.

Dort, 29 Meter unter der Erde, sammeln Server diese Eingaben. Der Stollen, der im Zweiten Weltkrieg als Panzerproduktionsstätte gebaut wurde, macht das Datenzentrum für Unternehmen reizvoll. Denn tief unter der Erde und geschützt vom extrem harten und hitzebeständigen Gneis seien die Anlagen vor Unwetterschäden, Erdbeben und sonstigen Katastrophen geschützt, erklärt Günter Englert, Leiter für Informationstechnologie bei Kapsch.

Die Daten des Bankomatkunden werden von Kapfenberg aber wieder weitergeschickt in die Schweiz, zum zweiten Rechenzentrum von Paylife. Dort werden die Eingaben des Kunden verarbeitet und an den Anbieter weitergeschickt. Benutzt der etwa eine Visa-Karte für seine Bargeldbezug, bekommt Visa diese Anfrage. Dort werden die Daten des Kunden überprüft, erfolgt das Okay, so wandert dieses über die Schweiz nach Kapfenberg und zurück zu dem Automaten in der Innenstadt, der das Geld ausspuckt.

Clearing sorgt für Ausgleich

In Österreich können Kunden mit ihrer Bankomatkarte bei jedem Gerät - also auch bei Fremdbanken - Geld beheben. Daher braucht es täglich ein Clearing, weil die Abhebungen bei Fremdbanken Schulden darstellen, die am Ende des Tages beglichen werden müssen. Auch dieser Datenaustausch läuft über das Rechenzentrum in der Schweiz.

Historisches Detail am Rande: Ursprünglich gingen die Experten davon aus, dass Österreichs Geldversorgung mit 120 Bankomaten sichergestellt wäre.  (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.5.2011)

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Voronwe
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Ein Schelm, wer denkt, Finanzdaten seien besser geschützt als diverse AKW... ;)

Der dicke Michl
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Im Artikel wurde...

...die Schleife über eines der NSA Rechenzentren vergessen. Sollte man nicht unerwähnt lassen.

Standardabweichung
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Interessant, ein Rechner im Bunker hält also Hacker ab?

notebookled
 
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wo steht das ? :O

Standardabweichung
00

Wozu dann der Bunker?

MaXiInMaLi
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10.6.2011, 16:06

atombomben die als fiese emps missbraucht werden... und wir sind in der steinzeit ;)

chelene chirsch
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wohl kaum...

allerdings branchenübliche sachen wie bspw. der verwendung eigener DSL-subnetze, VPN, ev. zusätzlich SSL und Zertifikate, sperrlisten,...

ganz banal gesagt braucht solch ein system ja keinerlei verbindung nach "draussen", sprich internet, sondern kann über x25 oder sonstiges gefahren werden - da wird es dann vom zugriff her schon schwerer.

Super-Zyniker
00
22.9.2011, 10:47

@chelene chirsch

> ganz banal gesagt braucht solch ein system ja
> keinerlei verbindung nach "draussen", sprich
> internet,

Das ist aber auch + vor allem eine Kostenfrage und ich bezweifle daher sehr, daß sich Banken diesen Luxus für ihre Kunden leisten.
Schließlich sind Internetverbindungen (VPN) weitaus billiger+überall vorhanden.
Die einzige Sicherheit ist schließlich die Onlineverbindung bzw. damit verbunden der Vergleich der auf der Karte gespeicherten (Transsktions-)Daten mit jenen des Zentralrechners, wodurch im Falle von Diskrepanzen (z.B. Kartenduplikat, das in Ländern ohne bzw. mit geringer EMV-Chip-Unterstützun/Zwang verwendet werden kann) die Karte eingezogen wird.
Das Risiko - auch, kein Geld zu bekommen - trägt der Kunde.

schwarz ist das neue blau
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nach dem dritten weltkrieg sind nur noch unsere bankomat-daten übrig....

Markus Kubitschek
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Stichwort "Vorratsdatenspeicherung" :-)

HTK
03
Was passiert ?

Steht in dem Artikel leider nicht.

Meine letzte Information war (Anfang 2000):

- Bankomaten und Bankomatkassen werder über das X.25 Protokoll an ein eigenes Netz angeschlossen.
- Dieses Netz stammt aus den 80er Jahren und ist heillos überlastet
- Der Datenaustausch läuft meistens über den Steuerkanal des ISDN Netzes
- Die Bandbreite eines Kanals ist damit i.d.R. 16 kBit/s
- Vor allem an den Einkaufssamstagen vor Weihnachten kommt es daher oftmals zu Totalausfällen

chelene chirsch
00

x25 ist schon lang nicht mehr sache, wird auch eigentlich nicht mehr neu eingerichtet. bei lotto-terminals gibt es das teils auslaufend noch, btw...

sinnvoller und häufiger ist wohl DSL (oft eigene subnetze) mit vpn drüber, gegebenenfalls ISDN und teils GPRS/UMTS.

HTK
00

Woher haben Sie die Informationen ?

Das ein IP basiertes VPN über DSL besser wäre als X.25 über den ISDN D Kanal ist wohl jedem klar.
Es könnte aber genausogut ein im DSLAM terminierter ATM VC sein. Oder aber X.25 over IP over DSL.

Die Frage ist daher nicht was sinnvoller ist, sondern wie es tatsächlich gemacht wird.

PS: Bitte nicht falsch verstehen - wenn Sie wissen, dass X.25 nicht mehr eingesetzt wird, dann schreiben sie das nochmlas bitte. Das ging aus Ihrem Posting nicht klar hervor.

HTK
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http://www.paylife.at/web/expor... umodul.pdf

Also: es gibt tatsächlich die Möglichkeit einen Bankomat-Terminal über ISDN B Kanal zu betreiben (=64 kBit/s) oder über IP durch eine NAT-Firewall über einen beliebigen DSL Anschluss. Vermutlich über ein VPN.

Den österreichischen Banken hätte ich solchen Fortschritt gar nicht zugetraut.

achwasweissdennich
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Jetzt wird mir auch klar, warum das immer so lange am Automaten dauert. Habe mir immer gedacht: Heutzutage, im Zeitalter von Google, Youtube & Co, da werden Daten in extremer Geschwindigkeit versandt und verarbeitet, und der Bankomat braucht für eine kleine Auszahlung manchmal eine ganze Minute. Aber bei nur zwei Rechennetzen ist das vielleicht verständlich...

das ist fix
00

hab' mich auch schon über die langsamkeit gewundert, obwohl das nicht wirklich eine rolle spielt, da ich immer den maximalbetrag abhole und dann BAR bezahle

achwasweissdennich
01

Mach ich auch so. Auch deswegen, damit ich bar zahlen kann und damit ich mein Konsumverhalten den Instituten nicht preisgeben muss.

Alf von Melmak
 
02
Was aber geschieht in dieser einen Minute, in der ein Kunde seine Bankomatkarte in den Geldausgabeautomat steckt, den Anweisungen folgt und das Gerät wenige Sekunden später das Geld ausspuckt?

'
Was genau geschieht, weiß ich nicht.

Was ich weiß ist, was z.B. nicht geschieht:

Nämlich, daß im Gegensatz zu Bankomaten überall auf der Welt außer in D/Ö bei jeder Behebung ein Beleg gedruckt wird;

...daß ich bei Behebungen mit VISA-Karten gefragt werde, ob ich vom Konto oder von der Kreditkarte beheben will;

...daß ich meinen PIN-Code am Bankomaten ändern kann...

robert rittersmann
00

stimmt, diese Belege zieren ja auch die Umgebung der meisten Bankomaten weltweit.

Alf von Melmak
 
00
diese Belege zieren ja auch die Umgebung der meisten Bankomaten weltweit.

'
Ein Teil dieser Belege.

Einige davon waren mir schon von großem Nutzen, als mir beispielsweise vor Jahren in Thailand eine Behebung doppelt verrechnet wurde. Nicht nur als Beweismaterial, sondern auch zur eigenen Kontrolle.

h 90
03

ueberweisen habens vergessen.....
ich kann in Thailand vom ATM auf ein anderes Konto ueberweisen und Ueberraschung das Geld ist in 1 Min dort (nicht nach 2 Tagen)

Alf von Melmak
 
00
ich kann in Thailand vom ATM auf ein anderes Konto ueberweisen und Ueberraschung das Geld ist in 1 Min dort

'
Richtig. Ich hab' auch daran gedacht (weil ich mich in dem Zusammenhang zufällig auch an Thailand erinnert habe), aber es dann doch nicht erwähnt, weil ich den Bogen nicht überspannen wollte.

Aber ich stimme Ihnen absolut zu: Eine überaus nützliche Option, von der aber das deutsch-österreichische Basismodell wohl noch über Jahre hinweg nur träumen kann.

Übrigens: 1985, als man bei uns gerade einmal mit der ausschließlich dazu gedachten österreichischen Bankomatkarte Geld aus den Geräten beheben konnte, holte ich mir in thailändischen Bergdörfern mit europäoischen VISA-Karten Nachschub für meine Reisekassa...

h 90
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Wobei, wenn man sich den Rest anschaut:
Internet-Banking: Praktisch nicht moeglich
Alle Firmen Konten haben statt Kontoauszug sowas aehnliches wie das alte Sparbuch bei uns und bezahlt wird per Scheck.
Da sinds wieder ca. 1000 Jahre hinten.

Dafuer kann man jeden ATM zwischen Thai, Englisch, Chinesisch und Japanisch hin/herschalten.

Alf von Melmak
 
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Wobei, wenn man sich den Rest anschaut: Internet-Banking: Praktisch nicht moeglich

Alle Firmen Konten haben statt Kontoauszug sowas aehnliches wie das alte Sparbuch bei uns und bezahlt wird per Scheck.
Da sinds wieder ca. 1000 Jahre hinten

Ja, stimmt. Was Überweisungen, Dauer- und Einziehungsaufträge angeht (und damit viel vom praktischen Nutzen des Internetbankings) ist Mitteleuropa dem Rest der Welt um Längen voraus. Die ganze Scheckkultur in den meisten Ländern ist einfach vorsintflutlich...

Was aber nichts daran ändert, daß unsere Bankomaten beschämend simpel gestrickt sind.

notebookled
 
10
wunderbar

und dann steht jeder 30 min beim bankomaten und tätigt seine überweisungen.
kommt an einkaufs-samstagen ziemlich gut.

e-banking is ja keine alternative.

warum das verbuchen von buchgeld aber mehrere tage dauert ist mir auch ein rätsel.

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