Bankomaten sind mit zwei Rechenzentren vernetzt, die jede Abhebung in Windeseile begleiten
Wien - Die Österreicher tun es im Schnitt 351.000-mal pro Tag, und damit 244-mal pro Minute. Es dauert gerade einmal eine Minute: Geld abheben beim Bankomaten. Pro Minute werden österreichweit 31.000 Euro aus den rund 7650 Bankomaten gezogen, macht 44,5 Millionen Umsatz pro Tag. Im Vorjahr wurden mit 146,5 Mio. Transaktionen in Summe 19,2 Milliarden behoben. Diese Zahlen hat Bankomat-Betreiber Paylife erhoben, die Gesellschaft stellt auch die dazugehörenden Karten (inklusive Kreditkarten) her.
Was aber geschieht in dieser einen Minute, in der ein Kunde seine Bankomatkarte in den Geldausgabeautomat steckt, den Anweisungen folgt und das Gerät wenige Sekunden später das Geld ausspuckt? "Eine ganze Menge", wie es Harald Flatscher ausdrückt. Der Abteilungsleiter für Business Development ATM ist bei Paylife für den reibungslosen Ablauf dieser Transaktionsvorgänge verantwortlich. Tatsächlich läuft im Hintergrund einer Geldabhebung ein umfangreicher Datentransfer, der über die Grenzen von mehreren Ländern hinweg stattfindet.
Kapfenberg-Schweiz
Ein Beispiel: Wird im ersten Wiener Gemeindebezirk eine Karte in den Bankomaten gesteckt, und der Kunde gibt nach der Aufforderung seinen Pin-Code ein, wählt die gewünschte Transaktionsform (Überweisung, Abhebung, Quick-Aufladung) und gibt den gewünschten Betrag ein, werden diese Daten zunächst einmal ins Rechenzentrum ins steirische Kapfenberg geschickt. Und landen dort in einem alten Stollen; konkret im "Earth-Data-Safe", das von Kapsch betrieben wird.
Dort, 29 Meter unter der Erde, sammeln Server diese Eingaben. Der Stollen, der im Zweiten Weltkrieg als Panzerproduktionsstätte gebaut wurde, macht das Datenzentrum für Unternehmen reizvoll. Denn tief unter der Erde und geschützt vom extrem harten und hitzebeständigen Gneis seien die Anlagen vor Unwetterschäden, Erdbeben und sonstigen Katastrophen geschützt, erklärt Günter Englert, Leiter für Informationstechnologie bei Kapsch.
Die Daten des Bankomatkunden werden von Kapfenberg aber wieder weitergeschickt in die Schweiz, zum zweiten Rechenzentrum von Paylife. Dort werden die Eingaben des Kunden verarbeitet und an den Anbieter weitergeschickt. Benutzt der etwa eine Visa-Karte für seine Bargeldbezug, bekommt Visa diese Anfrage. Dort werden die Daten des Kunden überprüft, erfolgt das Okay, so wandert dieses über die Schweiz nach Kapfenberg und zurück zu dem Automaten in der Innenstadt, der das Geld ausspuckt.
Clearing sorgt für Ausgleich
In Österreich können Kunden mit ihrer Bankomatkarte bei jedem Gerät - also auch bei Fremdbanken - Geld beheben. Daher braucht es täglich ein Clearing, weil die Abhebungen bei Fremdbanken Schulden darstellen, die am Ende des Tages beglichen werden müssen. Auch dieser Datenaustausch läuft über das Rechenzentrum in der Schweiz.
Historisches Detail am Rande: Ursprünglich gingen die Experten davon aus, dass Österreichs Geldversorgung mit 120 Bankomaten sichergestellt wäre. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.5.2011)